Erwachsenenbildung fordert viel von der Familie

Marietta Krompaß ist der Fernuniversität auch nach ihrem eigenen Studium treu geblieben. Die Kiersperin arbeitet als Studienberaterin im Regionalzentrum Hagen. - Fotos: Negel-Täuber

Kierspe - Marietta Krompaß kennt die Situation des berufsbegleitenden Lernens aus eigener Erfahrung: Die Studienberaterin beim Regionalzentrum der Fernuniversität Hagen hat dort Wirtschaftswissenschaften studiert und ist „ihrer“ Uni anschließend treu geblieben. Nun stellte die Kiersperin diese besondere Form des Studiums in der Gesamtschule vor.

Von Birgitta Negel-Täuber

Acht Interessierte hatten sich eingefunden, die sich über das Studium an der Hagener Einrichtung informieren wollten. Die Bandbreite war groß: Ingenieure, die Nachholbedarf in Sachen Wirtschaftswissenschaften hatten, eine Mutter, die während der Elternzeit etwas für ihre „grauen Zellen“ tun wollte, ein junger Handwerker, der nach Möglichkeiten des Studiums ohne Abitur suchte.

Wer beruflich weiterkommen will, zusätzliche Kenntnisse erwerben möchte oder schlicht Lust am Lernen hat, für den gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Fortbildung. Mit aktuell 77 000 Studenten ist die Fernuniversität der größte Anbieter für berufsbegleitendes Lernen mit staatlich anerkannten Abschlüssen, aber keineswegs der einzige. Der Bildungsmarkt ist groß, wer nach Möglichkeiten sucht, wird auch in der Region fündig. Geschenkt wird dabei niemandem etwas, das Studium nach Feierabend ist zeit- und kräftezehrend. „Der Partner muss mitziehen, sonst wird es schwierig“, meinte Marietta Krompaß dazu.

Birgit Witteler hat „mitgezogen“. Ihr Mann Georg, von Haus aus Werkzeugmechaniker Formenbau, hatte sich nach einigen Überlegungen gegen ein Vollzeitstudium und für berufsbegleitende Weiterbildung entschieden. Vier Jahre lang besuchte er an drei Abenden in der Woche das Berufskolleg Technik in Lüdenscheid und legte die Prüfung zum Maschinenbautechniker ab. „Das war eine harte Zeit“, meinte das Ehepaar übereinstimmend. Denn die beiden Kinder waren noch klein, der Vater wenig zuhause und er musste zusätzlich für die Schule lernen. Geholfen hat ihm dabei die gute Klassengemeinschaft. „Ich hatte eine super Lerngruppe“, erinnert er sich – und nachdem das so gut geklappt hatte, ging er einige Jahre später noch einmal zur Schule und wurde technischer Betriebswirt.

Längst nicht alle, die mit ihm anfingen, blieben dabei. Diese Erfahrung macht Studienberaterin Krompaß regelmäßig. „Die meisten beginnen ihr Studium zwischen 30 und 40 Jahren. In der Zeit verändert sich viel: Familiengründung, Hausbau, berufliche Veränderungen stehen an; dabei bleibt das Studium leicht auf der Strecke.“ Die gute Nachricht: „Die Fernuni ist ein offenes System, irgendwann kommen sie wieder.“

Nicht jeder verbindet mit einem Studium berufliche Ambitionen. Karin Derksen erfüllte sich den Traum vom Studium mit dem Eintritt ins Rentenalter. Die Kiersperin entdeckte die Mittwochsakademie für sich und fährt seit mittlerweile zwölf Jahren einmal wöchentlich nach Olpe.

Dort nimmt sie an Seminaren teil, die Professoren der Universität Siegen für Gasthörer halten. Ihre Hauptgebiete sind Philosophie und Theologie, früher auch Geschichte. Prüfungen legt sie nicht ab, sie könne ihr Arbeitspensum selbst bestimmten, meint die jung gebliebene Seniorin.

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