Kiersper muss sich vor Gericht verantworten

Konto und Wohnung geplündert

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Gericht (Symbolfoto)

Mit einem umfassenden Geständnis hat im Landgericht Hagen der Strafprozess gegen einen drogensüchtigen Angeklagten aus Kierspe begonnen. Dem 35-Jährigen werden unter anderem zwei Wohnungseinbrüche, der Diebstahl eines Autos und der Einbruch in ein Auto sowie die längere Nutzung einer zuvor irgendwie erbeuteten Kontokarte mitsamt der dazugehörigen PIN-Nummer vorgeworfen.

Kierspe - Die Liste der unbefugten Abhebungen und Einkäufe des Angeklagten war lang und summierte sich auf mehr als 8200 Euro, mit denen er das Konto eines 83-jährigen Meinerzhageners im Zeitraum vom 25. Mai bis zum 2. Juni nach und nach belastete. Er hob in Kierspe, Meinerzhagen, Marienheide, Lüdenscheid und Gummersbach mehrfach Bargeldbeträge bis zu 500 Euro ab, kaufte Elektronikgeräte, Bekleidung, Schuhe, Lebensmittel, Zigaretten, Töpfe, Parfüm und einen Bodenventilator. 35 Mal soll der Angeklagte die Karte eingesetzt haben –nicht immer war er erfolgreich. 14 Fälle des sogenannten „Computerbetruges“ wurden ihm vor Gericht vorgeworfen. Der Angeklagte, der über ein sehr gutes Gedächtnis verfügte, konnte nur zwei Buchungen nicht nachvollziehen, die voraussichtlich aus der Anklage verschwinden werden.

Ich war mir so sicher, dass ich das Portemonnaie verlegt hatte.

Betrugsopfer (83) vor Gericht

Der rechtmäßige Inhaber des Kontos hatte Pech, dass er einen ganz anderen Grund für das vorübergehende Verschwinden seiner Kontokarte vermutete: „Ich war mir so sicher, dass ich das Portemonnaie verlegt hatte.“ Deshalb reagierte der 83-Jährige zunächst nicht mit einer Sperrung der Karte und fuhr für einige Tage ins Münsterland. Die Plünderung seines Kontos beendete er erst, als er von dort nach Meinerzhagen zurückkam. „Er hat auf meine Kosten sehr schön einkaufen können“, bedauerte der Senior seinen Verlust. „Es ist eine unschöne Sache und eine Hinterhältigkeit.“ Dennoch nahm er die Entschuldigung des Angeklagten entgegen.

Und es waren nicht nur die teuren Abbuchungen, deren Folgen den 83-Jährigen trafen: In der Zeit seiner Abwesenheit von Meinerzhagen war der Angeklagte in seine Wohnung eingedrungen, hatte dort Chaos angerichtet sowie einen Laptop und eine Filmkamera gestohlen. Wie der 35-Jährige in die Wohnung des 83-Jährigen gekommen war, blieb vorerst ungeklärt. „Die Versicherung sagt: Es sind keine Einbruchspuren vorhanden – also war es kein Einbruch“, erklärte der Zeuge. Der Angeklagte behauptete, die Tür zur Wohnung sei offen gewesen. Frei zugänglich sei von dort aus auch die Nachbarwohnung eines jungen Pärchens gewesen, aus dessen Wohnung der Angeklagte einen Autoschlüssel stahl.

Blutspuren am Auto nach Spritztour

Nach einer Spritztour mit dem 14 000 Euro teuren Skoda stellte er diesen beschädigt, dreckig und mit Blutspuren versehen „ein Stückchen hinter Kierspe“ ab. Den Autoschlüssel vergrub er auf einem Feld – er blieb verschwunden. Der Geschädigte (30) bekam aber sein Auto zurück. Er berichtete von einem Lackschaden am Kotflügel, einem Kratzer an der Tür und dem Wechsel des Zündschlosses, was sich zu einer geschätzten Schadenssumme von mehr als 4000 Euro summierte. Die Lackschäden behob er selber.

Da den beiden Zeugen nicht nur der Auto-, sondern auch der Hausschlüssel gestohlen wurde, verzichteten sie zunächst auf ihr eigenes Bett: „Für mich und meine Freundin war die Wohnung vorübergehend unbewohnbar“, erinnerte sich der Zeuge. Das durch das Eindringen einer fremden Person ausgelöste Unbehagen sei erst geschwunden, als sie – aus anderen Gründen – in eine größere Wohnung umzogen. Auch bei diesen beiden Zeugen entschuldigte sich der Angeklagte.

Fortsetzung

Der Prozess gegen den 35-jährigen Kiersper wird am 8. Dezember fortgesetzt.

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