Schweigen ist auch keine Lösung

Kiersper Jusos veranstalten Workshop zum Thema Hass im Internet

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Trotz der Brisanz des Themas blieben die Genossen weitgehend unter sich.

Kierspe - Sie haben massiv zugenommen, die sogenannten Hass-Reden im Internet. Fast jeder hat schon einmal damit Bekanntschaft gemacht und sie zeigen Wirkung. Fast die Hälfte aller Nutzer zögerten in solchen Fällen mit zu diskutieren, zitierte Benjamin Pritschow eine Umfrage des Europarats.

In ihrem Workshop wollten die Jusos den Teilnehmern deshalb Tipps an die Hand geben, wie man mit Pöbeleien und rechten bis rechtsradikalen Beleidigungen oder gar Gewaltandrohungen angemessen umgeht. „Counter-Speech“, also Gegenrede heißt das Bündel von Strategien, das inzwischen ebenfalls im Internet zu finden ist. Zoe und Cara Berger und Benjamin Pritschow teilten sich die Präsentation möglicher Verhaltensweisen.

Nicht jede Äußerung lohne einen Kommentar, aber Schweigen sei auch keine Lösung. Denn wer keinen Widerspruch ernte, verliere leicht sein Unrechtsbewusstsein. „Eine Beleidigung, auf die keiner reagiert, wird wohl nicht so schlimm sein,“ fasste Zoe Berger die Gemütslage von „Hatern“ (Hassschreibern) zusammen.

Wes Geistes Kind die seien, lasse sich aus dem Profil erschließen. Das Phänomen der „Trolle“, also der quasi-professionellen Hetzer in den sozialen Netzwerken, ließen die Jusos dabei außen vor. Ignorieren, blockieren, ironisieren – alles hat Vor- und Nachteile. Ob Zurückpöbeln, wie im Fall der Fernsehjournalistin Dunja Hayali, wirklich eine sinnvolle Reaktion sei, könne man bezweifeln.

Zoe Berger hatte sich mit dem Thema intensiv beschäftigt.

Der Fall machte Furore und wurde von Cara Berger als Beispiel zitiert. „Man macht sich angreifbar,“ gab Benjamin Pritschow zu bedenken, nötigenfalls müsse man Strafanzeige erstatten. Die Kommunikation in den sozialen Netzwerken habe die Hemmschwellen abgesenkt, darüber waren sich alle einig. Denn die Stammtischparolen, die in der Kneipe nur begrenzte Aufmerksamkeit erfahren, erreichen im Internet ein weitaus größeres Publikum.

„Vor fünf Jahren hätte sich keiner getraut, das zu sagen,“ meinte eine Zuhörerin in der sich anschließenden Diskussion. Oliver Busch verknüpfte die sozialen Netzwerke mit dem analogen und immer noch sehr überschaubaren Leben in einer Kleinstadt wie Kierspe – da kennt man die Schreiber eben auch persönlich.

Pöbeleien auf Facebook hatte auch Benjamin Pritschow schon erlebt.

Manches sei aber auch pure Gedankenlosigkeit, meinte Friedhelm Werner, der als Bürgerbusfahrer offline am Puls der Zeit klemmt. Dann helfe ein persönliches Gespräch. In jedem Fall aber braucht es Zivilcourage, anderen zu widersprechen. „Manchmal muss man den ersten Schritt machen,“ war sich Cara Berger sicher. Aber: „Was ist, wenn du der einzige bist?“, fragte Robin Busch. Das muss man dann aushalten können.

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