Jusos in Kierspe werden ein Jahr alt

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Seite mehr als 100 Jahren in Deutschland aktiv, und seit rund einem Jahr auch wieder in Kierspe: die Jusos.

Kierspe - Jung-Sozialist, das klingt so ein bisschen nach Marx und auch irgendwie überholt. Doch die SPD setzt ihre ganze Hoffnung darauf. Denn hinter dem Begriff Jusos verbirgt sich neben der Jugendorganisation der SPD auch der Begriff Jungsozialisten. Diese haben in Kierspe auch eine eigene Gruppe – übrigens die einzige Jugendgruppe einer Partei in Kierspe.

„Die tagesaktuelle Politik ist bei unseren Treffen immer Thema, aber wir haben auch schon übers neue Polizeigesetz, die europäische Politik oder auch die von Mark E geplanten Windräder in Rönsahl gesprochen“, erzählt Benjamin Pritschow. Der Kiersper ist Vorsitzender der örtlichen Jusos – und kann nun mit diesen den ersten Geburtstag der Jugendorganisation feiern.

So fünf bis sieben Leute kämen zu den regelmäßigen Treffen, die alle zwei Wochen stattfinden, berichtet Pritschow. Dabei macht er aber auch klar, dass es der Gruppe nicht reicht, sich nur untereinander zu treffen. Die jungen politikinteressierten Kiersper waren deshalb auch mit einem Stand auf dem Kiersper Stadtfest im vergangenen Jahr vertreten. In diesem Jahr wollen sie im Rahmen des Europa-Wahlkampfs Flagge zeigen – und in der kommenden Woche organisieren die Jusos eine Informationsveranstaltung zu Hassreden im Internet, die am Mittwoch, 23. Januar, ab 19.30 Uhr im Ratssaal stattfindet.

Üblicherweise sind alle SPD-Mitglieder, die noch nicht älter sind als 35 Jahre, auch automatisch Jusos. Die Gruppe, die regelmäßig in Kierspe zusammenkommt, hat aber keine so große Altersspange, dort sind die jungen Politikinteressierten zwischen 14 und 22 Jahren alt.

Wichtig ist den Jungen in der SPD auch die Verbindung zum Ortsverein und den Gremien im Kreis. So gehören drei Jusos dem Vorstand der SPD Kierspe an. Aber auch mit den Jusos in Lüdenscheid stehen die Kiersper in Kontakt. Pritschow selbst gehört auch dem Unterbezirksvorstand der SPD an, dort wurde die Idee zur Gründung einer Juso-Gruppe in Kierspe geboren. Mit vier bis fünf Leuten beim ersten Treffen habe man angefangen, sei übers Jahr gewachsen und hoffe, weiteren Zulauf zu bekommen, schildert Pritschow, der gemeinsam mit der Kiersperin Zoe Berger auch als stellervertretende Vorsitzende bei den Jusos im Märkischen Kreis aktiv ist.

Clemens Wieland, Vorsitzender der UWG Kierspe, hat zu Beginn seiner politischen Laufbahn gleich zwei Jugendorganisationen angehört – zuerst den Jusos und später der Jungen Union. „Ich finde es gut, wenn es Jugendorganisationen gibt, in denen die Mitglieder politisch aktiv sein können, da ist es erst einmal egal, welche demokratische Partei dahinter steckt“, sagt Clemens, schließt aber die AfD explizit aus. Der eigenen Partei fehle die „Manpower“ und der parteiliche Oberbau, der sich um viele Formalien kümmere, um eine eigene Jugendgruppe aufzubauen. „Nichtsdestotrotz haben wir uns in letzter Zeit extrem verjüngt“, freut sich der UWG-Vorsitzende. So habe man allein im vergangenen Jahr drei neue Mitglieder, die jünger als 30 Jahre sind, in der Wählergemeinschaft begrüßen können. Wieland: „Auch beim Frauenanteil hat sich einiges getan, der liegt bei den aktiven Mitgliedern mittlerweile bei mehr als 30 Prozent.“

Ähnlich positiv beschreibt auch Armin Jung, stellvertretender Vorsitzender und Fraktionsvorsitzender der Kiersper FDP, die Situation im eigenen Ortsverband: „Wir hatten im vergangenen Jahr sieben Neueintritte, von den neuen Mitgliedern ist nur eines älter als 40 Jahre.“

Insgesamt wären rund 40 Prozent der Mitglieder der Kiersper FDP jünger als 40 Jahre. Eine eigene Jugendorganisation gebe es vor Ort allerdings nicht. Bei Anfragen verweist Jung auf die Jungen Liberalen im Kreis, bei denen auch ein Kiersper FDP-Mitglied aktiv sei.

Auf den Kreis verweist auch Hermann Reyher, Fraktionsvorsitzender der Kiersper Grünen. „Wir haben vor Ort nie eine eigene Jugendgruppe gehabt“, erklärt er – und liefert die Erklärung gleich hinterher: „Es sind fast ausschließlich Abiturienten und Studenten, die sich für die Grünen interessieren. Die einen sind bereits weggezogen, die anderen ziehen dann weg, wenn sie ihr Studium aufnehmen. Die „Grüne Jugend MK“, auf die Reyher verweist, wurde 2009 in Menden gegründet. Die Gruppe glänzt allerdings nicht durch ihre Affinität zu den neuen Medien, denn auf der Homepage stammt der letzte „aktuelle“ Terminhinweis aus dem Jahr 2010 – und bei Twitter findet sich der letzte Eintrag im April des vergangenen Jahres.

Zwar müssen auch junge Politikinteressierte Kierspe verlassen, wenn sie in der Jungen Union aktiv sein möchten, allerdings reicht es, in die Nachbarstadt zu fahren. Holger Scheel, Vorsitzender der Christdemokraten vor Ort, schildert eine ähnliche Situation wie Reyher: „Wir hatten mal eine JU-Gruppe in Kierspe, in der ich auch selbst Mitglied war. Als dann alle zum Studium wegzogen, löste sich die Gruppe auf. Deshalb verweist der Vorsitzende auf die Gruppe in Halver, „ich kann allerdings nicht sagen, wie aktiv die sind.“

Die Situation vor Ort würde Scheel gerne ändern: „Eine Wiederbelebung vor Ort wäre sicher wünschenswert, aber da müsste es schon fünf oder sechs Interessierte geben.“ Da es diese derzeit augenscheinlich aber nicht gibt, bleibt erst einmal alles beim Alten. „Wir haben jedenfalls keine konkreten Pläne“, sagt Scheel.

Die Jusos

Auf ihrer eigenen Homepage „jusos.de“ heißt es, dass derzeit 70 000 Menschen im Alter zwischen 14 und 35 Jahren der SPD-Jugendorganisation angehören. Die Jusos schreiben über sich: „Unsere Grundwerte sind Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Wir wollen eine Gesellschaft schaffen, die frei ist von Diskriminierung und Unterdrückung.“ An anderer Stelle steht: „Wir wollen den Kapitalismus überwinden und treten für eine andere Gesellschaftsordnung, den Sozialismus, ein. Wir kämpfen für unsere Vorstellung von einer Gesellschaft der Befreiung der Menschen in der Arbeit, der sozialen Sicherheit und persönlichen Emanzipation.“ Die Wurzeln der Jusos liegen in den Lehrlingsvereinen und damit mehr als 100 Jahre zurück. Die größte Anzahl an Mitgliedern hatten die Jusos 1973, damals gehörten rund 300 000 Menschen der Organisation an.

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