Kiersper helfen IS-Flüchtlingen vor Ort

Viele der Kinder, die sich in das Flüchtlingslager retten konnten, mussten erleben, wie auf der Flucht Eltern und Geschwister starben.

Kierspe - Zwei Wochen haben Mitglieder des Kiersper Vereins der Jesiden und Christen in der Türkei an der Grenze zum Irak verbracht, um mit dem in Deutschland gesammelten Geld zu helfen. Auch nach ihrer Rückkehr stehen die Kiersper noch ganz unter dem Eindruck dieser Fahrt.

Von Johannes Becker

Obwohl der Verein der Jesiden und Christen nur etwas mehr als einen Monat besteht, ist es den Mitgliedern gelungen, rund 3000 Euro einzusammeln und mit diesem Geld auf eigene Kosten in das Gebiet der Türkei zu reisen, in dem heute Flüchtlinge aus dem Irak Zuflucht gefunden haben. Vor allem Jesiden und Christen sind vor den Terrorbanden geflohen. Doch die Türkei sieht sich kaum in der Lage, dem Ansturm der Flüchtlinge gerecht zu werden. „Es sind vor allem die Mitglieder der ,Partei für Demokratie und Frieden Kurdistans’, die sich um die Menschen kümmern, sie mit dem Notwendigsten versorgen und ihnen Notunterkünfte verschaffen“, berichtet die erste Vorsitzende des Kiersper Vereins Günel Celik.

Mitglieder dieser Partei waren es auch, die die Kiersper Vereinsmitglieder in ein Flüchtlingslager mitnahmen, das in einer Schule eingerichtet wurde und das bei dem Schulbeginn in einigen Tagen auch wieder aufgegeben werden muss. Celik: „Die Menschen leben dort unter unmenschlichen Bedingungen ganze Familien mit sieben bis neun Leuten leben in Bereichen, die rund zehn Quadratmeter groß und nur mit Laken zu den Nachbarn abgeschirmt sind. Es war herzzerreißend, wenn uns die Kinder von ihrer Flucht durchs Gebirge erzählten und dabei von Familienangehörigen berichteten, die unterwegs gestorben sind.“

Ladenbesitzer unterstützt Helfer

Bei all der sichtbaren Not der Menschen war den Helfern aus Deutschland schnell klar, dass eine gezielte Hilfe nur nach Rücksprache mit den Flüchtlingen funktionieren könnte. Die Mutter von Günel Celik und ihre Tante sprachen dann auch gezielt Frauen an, um sie nach dem zu fragen, was am dringendsten fehlt. Gemeinsam mit Parteimitgliedern wurde dieses dann in einem Supermarkt in der Nähe eingekauft. Neben haltbaren Lebensmitteln wurden auch Babywindeln, Kindernahrung, Marmelade, Süßigkeiten, und Unterwäsche gekauft – aber auch Seife und Haarwaschmittel. „Wir haben uns sehr gefreut, dass uns sehr faire Preise gemacht wurden und der Ladenbesitzer uns seine Lastwagen zur Verfügung stellte, um die Waren zu dem Camp zu fahren. Auch haben sie uns mit eigenen Spenden unterstützt“, freut sich Celik.

„In der Zwischenzeit hatte ein Grafikdesigner der kurdischen Partei zwei Plakate gefertigt, die wir an einem der Fahrzeuge und am Camp anbringen konnten, damit die Leute auch sehen konnten, von wem die Hilfe kam“, berichtet Iskan Celik, der dem Verein ebenfalls angehört.

Beim Verladen der Hilfsgüter halfen dann Parteimitglieder und Flüchtlinge. So sei es auch möglich gewesen, eine gerechte Verteilung der Hilfsgüter zu gewährleisten. „Trotz der Not und Hoffnungslosigkeit haben sich die Menschen in dem Lager sehr freundlich und hilfsbereit verhalten, haben uns Tee angeboten und oft die einzige Sitzgelegenheit im Raum“, erzählt Gülem Celik.

Not ist überall erfahrbar

Gewohnt haben die Helfer aus Deutschland in einem Nachbardorf des Ortes, in dem sich die Flüchtlingsunterkunft befindet. Doch auch dort war die Not der Menschen spürbar. So sei man eines Abends zufällig auf eine Familie getroffen, die sich dort auf offener Straße niedergelassen habe. „Die Familie erzählte uns, dass sie in dem Camp in diesem Ort abgewiesen worden seien, da dieses bereits überfüllt sei“, erinnert sich Celik. Von ihrem eigenen Geld hätten die Vereinsmitglieder dann Wasser, Brot und weitere Lebensmittel gekauft. Anschließend habe Iskan Celik ein Auto gemietet und die Flüchtlingsfamilie in ein anderes Camp gefahren, wo sie aufgenommen wurden.

Wenige Tage später habe sich die Szene wiederholt, doch an diesem Abend sei es nicht mehr möglich gewesen, die Flüchtlinge in ein Camp zu bringen. So habe man wieder von eigenem Geld Bettdecken und Nahrungsmittel gekauft. Gülem Celik: „Die Menschen mussten ja irgendwie durch die Nacht kommen.“

Neue Hilfsaktion bereits in Planung

Bereits jetzt haben die Vereinsmitglieder beschlossen, erneut Geld in Deutschland zu sammeln und es auf eigene Kosten zu den Flüchtlingen zu bringen. „Die Menschen sind auf solche Initiativen angewiesen, denn die großen Hilfsorganisationen sind dort nicht vor Ort und der türkische Staat stellt keine Hilfegüter zur Verfügung.“

Unter dem Stichwort Flüchtlingshilfe können Spenden auf das Konto 9016486 bei der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen (BLZ 45851665) eingezahlt werden (IBAN:DE05458516650009016486).

Eine Kontaktaufnahme zum Verein ist unter 01 59 / 01 55 84 12 oder per E-Mail unter gcelik91@gmail.com möglich. Weitere Infos gibt es im Netz unter: www.facebook.com/ vereinderyezidenundchristen.

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