90. Geburtstag

Nie langweilig - Frühere Kiersper Gastwirtin Christel Finke wirft ein Blick auf 90 Lebensjahre

Christel Finke, 90. Geburtstag
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Geburtstag: Christel Finke wurde am Sonntag 90 Jahre alt.

Keinen Tag Langeweile - Die frühere Kiersper Gastwirtin Christel Finke vollendet 90. Lebensjahr und blickt zu diesem Anlass zurück auf ihr ereignisreiches Leben.

Kierspe - „Weißt du noch – als du klein warst? Wenn wir zusammen die Höherstraße entlang gegangen sind, mussten wir auf jeden Gullydeckel hopsen. Da hat so ein Spaziergang ganz schön lange gedauert.“ Christel Finke lächelt ihren Enkel Jannik an. Mittlerweile ist er schon 25. Seine Oma aber ist am Sonntag 90 Jahre alt geworden. Und erinnert sich nicht nur gerne an zahllose schöne Tage mit Jannik und seiner Schwester Sarah, sondern an ein Leben, in dem es buchstäblich keinen Tag Langeweile gab und gibt.

„...und keinen Tag Langeweile“ – so hatte sie auch ihr Buch genannt, das im November 2004 erschienen ist. Darin beschrieb die bekannte Volmestädterin ihre Kindheit, Jugend und die Zeit als junge Frau bis zum Umzug aus Gelsenkirchen-Buer Anfang der 1960er-Jahre nach Kierspe. Was danach geschah, ist eine andere Geschichte. Diese erschien allerdings bereits zuvor, nämlich im Dezember 2003: „Adjüs Welt, ich bleib in Kierspe“.

Vielen Kierspern unvergessen

In Kierspe ist sie – gemeinsam mit ihrem Ehemann Horst (93) – bis heute geblieben. Erst vor wenigen Wochen durfte das Paar mit Kindern und Enkeln das selten begangene Fest der Gnadenhochzeit feiern. Nun also schon wieder eine Feier – aber Corona-bedingt wiederum nur im engsten Familienkreis. Zeit, sich gemeinsam zu besinnen auf das, was wirklich wichtig ist im Leben.

Über Christel Finkes Leben ist schon häufiger berichtet worden. Die Kindheit in Buer. Der sehr frühe Verlust des Vaters. Die Jahre während des Krieges als ganz junges Mädchen auf einem Bauernhof in Ostwestfalen. Die Rückkehr ins Ruhrgebiet. Schließlich der Umzug des jungen Paars samt Schwester und Mutter nach Kierspe. Die Übernahme des Hotels Tannenbaum, der Wechsel in die Gaststätte Zur Kurve und schließlich das eigene Haus und die eigene Gaststätte an der Thingslinde. Über all die Jahre im Ruhestand ist Christel Finke, genau wie ihr Ehemann, in Kierspe nicht in Vergessenheit geraten – und das beileibe nicht nur wegen der berühmten Finken-Hähnchen, sondern vor allem wegen ihrer Herzensgüte und ihrer Freundlichkeit.

Christel Finke hinter der Theke des Hotels Tannenbaum Anfang der 1960er-Jahre.

Es war für Christel Finke viele Jahre lang kein komfortables Leben, es war ein von Arbeit geprägtes Leben. Aber auch ein Leben in der Gewissheit, in der Familie Geborgenheit zu finden und zu geben. Erst mit dem Ruhestand vor 30 Jahren war tatsächlich auch einmal Zeit zum Verreisen, Zeit zum Genießen. Zeit schließlich auch für sich selbst und noch mehr Zeit als zuvor für den liebevoll gepflegten großen Garten.

Heute ist das Leben – die Gesundheit spielt nicht mehr so ganz mit – für die Jubilarin beschwerlicher geworden. Sie hat aber eines nie verloren: ihre Lebensfreude und ihr Gottvertrauen. „Ich bin jeden Tag aufs Neue glücklich, mit meinem Horst in unserem Haus sein zu dürfen. Ich freue mich über meinen Garten und vor allem darüber, dass wir so häufig mit der Familie zusammen sind.“ Diesen Garten hat sie bis vor drei Jahren mit ihrem Horst noch ganz alleine gehegt und gepflegt. Heute sagt sie dazu: „Wir haben unser Alter ganz einfach vergessen im Garten. Da hat das dann sehr gut geklappt.“ Viele der guten Freunde sind im Laufe der Jahre schon verstorben, die Familie aber ist geblieben. Die Familie, deren warmherziger und kluger Mittelpunkt Christel Finke ist und bleibt. Sie hat ihren Humor niemals verloren, hat für jeden immer Zeit und immer ein offenes Ohr.

Wenn sie könnte, wie sie wollte: Sie würde wohl noch heute mit Jannik auf Gullydeckel-Rallye gehen. Aber der junge Mann ziert sich.

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