Risiko bei Schwangeren sechs Mal so hoch

Frauenärztin empfiehlt Impfung

Corona-Impfung bei einer Schwangerschaft
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Die Stiko (ständige Impfkommission) hat zwar nun auch eine Empfehlung für das Impfen von Schwangeren und Stillenden ausgesprochen, doch bei den Frauen bestehen noch viele Unsicherheiten.

„Wir werden aktiv werden und auf Schwangere zugehen müssen“, weiß Heike Marrenbach-Knipp, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, dass die Impf-Zurückhaltung bei Schwangeren und Stillenden deutlich größer ist als in der Gesamtbevölkerung, weil nach wie vor eine große Unsicherheit vorherrscht.

Kierspe - Das gehe sogar soweit, dass Verschwörungstheoretiker vor dem mRNA-Impfstoff warnten, er mache unfruchtbar. „Impfen? Ich will doch noch Kinder kriegen!“, musste sich die Frauenärztin nicht nur einmal anhören. „Es ist schwer, dies wieder aus den Köpfen heraus zu bekommen“, sagt Marrenbach-Knipp, die nicht nur das Impfen gegen Covid-19 empfiehlt, sondern auch Frauen in ihrer Praxis bereits geimpft hat.

Bereits Schwangere in Praxis geimpft

Allerdings besteht bei ihr das Problem, dass der Impfstoff für sechs Personen ausreicht. „Es ist schwer, sechs zusammenzubekommen“, verdeutlicht sie die besondere Situation in ihrer Praxis – bei weniger Personen müsste der Rest des Impfstoffs entsorgt werden.

Heike Marrenbach-Knipp weiß natürlich, dass eine Infektion nicht planbar ist. Sehr wohl aber, dass für eine Schwangere das Risiko für eine Erkrankung mit schwerem Verlauf sechs Mal so hoch ist. Es soll eine 26-fache Sterblichkeit geben, hat die Medizinerin gelesen. Ein erhöhtes Risiko, auf der Intensivstation zu landen, bestehe für die gerade Neugeborenen.

Eine Corona-Impfung schütze nicht nur die werdende Mutter, sondern sorge auch für den sogenannten Nestschutz des Ungeborenen. Allerdings seien es die reifen, keine frischen Antikörper, die dafür verantwortlich seien. Bei Frauen, die ihr Kind schon haben und stillen, ist es zumeist ein Allgemeinschutz, der durch die Muttermilch übertragen werde. Im Übrigen seien Stillende deutlich entspannter, was das Impfen gegen Covid-19 angeht.

Schwangere, die sich impfen lassen, seien laut einer Studie gut vor Corona geschützt. Gleichzeitig sorgen die werdenden Mütter damit für einen Nestschutz ihres noch ungeborenen Kindes.

Wie wichtig gerade der Schutz für das Ungeborene vor Infektionen ist, machte Heike Marrenbach-Knipp an einem anderen Beispiel deutlich: Im letzten Drittel einer Schwangerschaft werde heutzutage gegen Keuchhusten geimpft beziehungsweise die Impfung aufgefrischt. Denn daran könnten Babys schwer erkranken. Die Corona-Impfung für Schwangere könne ab der 13. oder 14. Woche erfolgen, dies hatten bereits die gynäkologischen und geburtskundlichen Fachgesellschaften befürwortet. Aus diesem Grund empfiehlt auch Heike Marrenbach-Knipp Schwangeren, sich impfen zu lassen. Gleiches gelte für Stillende, die müssten auch keine Stillpause einlegen.

Eine Empfehlung darf Hebamme Johanna Bielau nicht aussprechen, auch wenn ihr oft die Frage gestellt wird: „Was empfehlen Sie?“. Allerdings begleitet sie natürlich schwangere Frauen bis zur Entbindung und auch noch danach, wird daher ständig mit dem Thema Corona und Impfen konfrontiert. Und dies in allen Varianten: „Nein, das kommt nicht in Frage!“, gebe es Frauen, die strikt dagegen sind. Andere wiederum lassen sich impfen. Ebenso gebe es Schwangere, die abwägen würden.

Keine Empfehlung durch Hebamme

Die Hebamme kann auch die Aussage der Frauenärztin bestätigen, dass sich die jungen Mütter in der Stillzeit mehr trauen als in der Schwangerschaft. Johanna Bielau geht davon aus, dass nach der noch ganz frischen Empfehlung der Stiko, dass sich auch Schwangere und Stillende impfen lassen sollten, noch mehr Nachfragen kommen werden, um die Unsicherheiten zu beseitigen – empfehlen darf die Hebamme aber nichts.

Impfen ab 13. Woche

In den beiden Impfstellen in Lüdenscheid und Iserlohn sowie im Impfbus des Märkischen Kreises können ab sofort auch Schwangere ab Beginn der 13. Schwangerschaftswoche mit dem Impfstoff „Comirnaty“ von Biontech geimpft werden. Ein neuer Erlass des Landes NRW macht das möglich. Zur Impfung muss der Mutterpass vorgelegt werden. Vor der 13. Woche darf noch nicht geimpft werden, „da die Organbildung beim Fötus nicht abgeschlossen ist“, sagt Dr. Gregor Schmitz, ärztlicher Leiter des Impfzentrums Märkischer Kreis.

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