Wenn aus Herablassung Aufschauen wird

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Im evangelischen Gemeindehaus in Rönsahl hatte das Vorbereitungsteam die Gebetsordnung etwas abgewandelt.

Kierspe - Der Weltgebetstag der Frauen hat in Kierspe eine lange, vor allem aber ökumenische Tradition. Seit vielen Jahren bereiten Frauen aus allen Gemeinden die Gottesdienstfeiern gemeinsam vor.

Von Birgitta Negel-Täuber

Die finden im Wechsel in den verschiedenen Gemeinden statt. Am Freitag machte der Nachmittags-Gottesdienst in der St.-Josef-Kirche den Auftakt, gefolgt von den Abend-Gottesdiensten im katholischen Gemeindehaus am Glockenweg und im evangelischen Gemeindehaus in Rönsahl.

Das Datum – jeweils der erste Freitag im März – ist nicht zufällig gewählt. Es steht in zeitlicher Nähe zum Internationalen Frauentag, aber auch zu Ostern und markiert damit die Intentionen der christlichen Frauengruppen, die den Weltgebetstag vorbereiten. Jedes Jahr erarbeiten Frauen aus einem anderen Land die Gottesdienstordnung. Aus Deutschland kam sie zuletzt 1992, in diesem Jahr waren Frauen von den Bahamas dafür verantwortlich.

Obwohl alle Frauen die Gottesdienstordnung zugrunde legten, war der Ablauf doch überall anders.

Im Nachmittags-Gottesdienst stand der Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium im Mittelpunkt, in dem von der Fußwaschung erzählt wird. Ille Ochs aus der Freien evangelischen Gemeinde nahm in ihrer Predigt darauf Bezug. Die Fußwaschung in der Antike war Sklavenarbeit, dass Jesus freiwillig diesen Dienst übernahm, war ein Akt der Selbsterniedrigung. Diese Haltung verändere den Blick von Herablassung zum Aufschauen, meinte Ille Ochs. „Wir sind bedürftig, wir sind Empfangende. Nur wenn wir empfangen, können wir geben.“

Szene aus dem Evangelium gezeigt

Dazu bedarf es aber auch der Bereitschaft einen Dienst anzunehmen. Symbolisch stellten die Frauen die Szene des Evangeliums nach, indem einer Frau die Füße gewaschen wurden.

Während die Frauen sich am Nachmittag zu Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus trafen, hatten die beiden Abendgruppen ein Büfett mit landestypischen Gerichten vorbereitet, die Dekoration der Gottesdiensträume war überall farbenfroh, mit karibischen Elementen. Allerdings hat das Inselparadies auch seine Schattenseiten, die ebenfalls überall betont wurden. Sehr frühe sexuelle Erfahrungen, meist vor dem 13. Lebensjahr, gehören dazu, die überdies für fast die Hälfte aller Mädchen mit Gewalt verbunden sind. Die jungen Mütter sind doppelt gestraft, denn sie müssen im Fall einer Schwangerschaft die Schule verlassen. Auf diese Situation wiesen die Frauen in ihren Fürbitten hin. Auch die Kollekte soll für Mädchen- und Frauenprojekte verwandt werden. Das „Bahamas Crisis Centre“ gilt als Musterbeispiel der WGT-Projektarbeit, weil es Probleme sowohl auf individueller als auch auf sozial-politischer Ebene angeht.

Ulla Reyher brachte das Besondere dieses Gebetstages zum Ausdruck: „Seit heute morgen wird irgendwo auf der Welt der Gebetstag gefeiert.“ Die Frauen konnten sich deshalb als Teil einer weltweiten Gemeinschaft fühlen.

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