Schwebezustand für albanische Familie M.

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Ein Gang in eine ungewisse Zukunft droht einer albanischen Familie, die seit einem Jahr in Kierspe lebt. Die Flüchtlinge sollen abgeschoben werden. Protest dagegen formierte sich an der Gesamtschule.

Kierspe - In einer spontanen Aktion hatten Schüler der Gesamtschule Mitte der Woche Unterschriften gegen die drohende Abschiebung einer Kiersper Flüchtlingsfamilie aus Albanien gesammelt. Die Ausweisung sollte, so die Informationen der Initiatoren, am Freitag erfolgen. Passiert ist aber nichts.

Die Flüchtlingsfamilie, die seit einem Jahr in der Volmegemeinde lebt, muss weiter um ihren Aufenthalt bangen. Der Erste Vorsitzende des Vereins „Menschen helfen“ Fritz Schmid spricht von einem „Schwebezustand“. Wie es mit den Flüchtlingen weitergeht, könne er nicht sagen. Er wisse aber, dass ein Anwalt in der Sache aktiv sein soll.

Die Gesamtschüler hatten erst am Mittwoch von dem Abschiebetermin erfahren und spontan gehandelt. Eine Petition mit 600 Unterschriften reichten die Schülersprecher am Donnerstag im Kiersper Rathaus ein. Weitere sollten folgen: Die Initiatoren sprachen von einer großen Resonanz ihrer Mitschüler. Man sei sich sicher, dass mehr als 1000 Unterschriften gesammelt werden können. Bereits am Mittwochabend hatten Lehrer und auch Eltern während der Theateraufführung der Schule den Anfang gemacht und sich in die Listen eingetragen. Finja Hertrampf, Mitglied der Schülervertretung: „Auch andere Flüchtlinge haben unterschrieben.“

Das Schicksal von Rexhart M. und Eralda, die in die 9. und 8. Klasse der Gesamtschule gehen, geht ihren Mitschülern nahe. „Die beiden sind sehr gut integriert und haben viele Freude. Sie haben genauso das Recht hier zu sein, wie andere auch“, so Hertrampf. Die Abschiebung nach Albanien wäre für die Familie M. ein Alptraum, da sind sich die Schüler einig. „Dort können die beiden nicht zur Schule gehen, da ihre Eltern das Schulgeld nicht bezahlen können“, erklärt Schülersprecher Justus Engstfeld. „Man weiß ja nicht, was mit denen dort passiert“, schildert Mitinitiatorin Dina Dittmann ihre Befürchtungen.

Schüler zeigen gute Leistungen an Gesamtschule

Den ganzen Donnerstag über wollten die Schüler weiter Unterschriften an ihrer Schule sammeln. Unterstützt wurden sie dabei von den Lehrern und von Fritz Schmid, der die Situation der Familie M. bedauert. „Es besteht ein gewisser Abschiebedruck. Dabei sind es gerade bei uns die Menschen aus Albanien, die mit am besten integriert sind.“ So auch in diesem Fall: Rexhart und Eralda zeigen sehr gute Leistungen in der Schule. Das junge Mädchen gehöre sogar zu den Besten in ihrem Englischkurs, weiß Schmid, der das Schicksal der Familie gut kennt. Die Situation im Heimatland sei sehr bedrückend. Zwar sei Albanien ein EU-Kandidat, doch die Machtkämpfe vor Ort würden das Land zerrütten.

Ob die Unterschriftenaktion der Gesamtschüler eine Veränderung bringt, ist unklar. Der Erste Beigeordnete der Stadt Olaf Stelse, der versprach, die Petition an die zuständigen Stellen weiterzuleiten, zeigte sich bei am Donnerstagmorgen pessimistisch. „So leid es mir tut, ich denke, dass sie damit nicht mehr viel erreichen können“, sagte Stelse in Richtung der Schüler. „Die Stadt und auch der Märkische Kreis, der für Flüchtlingsangelegenheiten zuständig ist, müssen sich an die geltenden Gesetze halten.“ Da Albanien als „sicheres Herkunftsland“ gilt, ist die Abschiebung der Familie M. rechtsgültig. Bis zu endgültigen Entscheidung blicken Rexhart und Eralda in eine ungewisse Zukunft.

Sichere Herkunft und Abschiebung

Laut der EU zählt Albanien neben beispielsweise Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Kosovo, Montenegro, Serbien und der Türkei zu den „Sicheren Herkunftsländern“. Das heißt aber nicht, dass jeder, der aus diesen Ländern flieht, automatisch bei der Beantragung von Asyl abgelehnt wird. Die Anträge werden individuell und von Fall zu Fall geprüft. Das Recht auf Berufung besteht.

Sofern der Asylantrag abgelehnt wird, werden die Betroffenen in einem schriftlichen Ablehnungsbescheid zur Ausreise innerhalb einer bestimmten Frist aufgefordert. Gleichzeitig wird für den Fall, dass sie nicht innerhalb der festgesetzten Frist ausreisen, die Abschiebung angedroht. Unterbleibt bis zum Ablauf dieser Frist die Ausreise, dann werden die Betroffenen unter Anwendung von (polizeilichen) Zwangsmitteln außer Landes gebracht. Zuständig hierfür sind die einzelnen Bundesländer (Ausländerbehörden).

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