Kiersper finden ihre Wehr gut, haben aber kein Interesse

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Hat den Fragebogen ausgearbeitet: der stellvertretende Wehrleiter Mike Budde.

Kierspe - Kiersper sehen in ihrer Feuerwehr eine wichtige Einrichtung zum Schutz der Einwohner, wollen aber nicht von ihr behelligt werden – so könnte man die Ergebnisse einer Befragung durch die Kiersper Wehr zusammenfassen. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich ein komplexeres Bild.

96 Prozent der Kiersper sehen in der Freiwilligen Feuerwehr ihres Ortes eine bedeutende Organisation zum Schutz der Einwohner, 80 Prozent möchten aber nicht von dieser kontaktiert und zur Mitarbeit aufgefordert werden. Unberücksichtigt bleiben dabei natürlich die vielen Ehrenamtlichen, die bereits Teil der Kiersper Wehr sind und auch all diejenigen, die sich in anderen Bereichen engagieren – und keine Zeit mehr sehen, auch noch in der Wehr aktiv zu werden.

Hat den Fragebogen ausgearbeitet: der stellvertretende Wehrleiter Mike Budde.

Doch auch gute Gründe, der Wehr nicht beizutreten, ändern nichts an dem grundsätzlichen Problem, dass der Feuerwehr vor allem während des Tages immer weniger Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. So gibt es – gerade im politischen Raum – die Hoffnung, dass der Neubau eines Gerätehauses mehr Menschen dazu bringe, der Wehr beizutreten, doch wissen kann das niemand. „Uns ist unklar, wie die Kiersper ihre Wehr sehen, deshalb hatten wir uns zu der Befragung entschieden“, erzählt Wehrleiter Georg Würth. Vor allem sein Stellvertreter Mike Budde habe dann einen Fragebogen erarbeitet, mit dem man herausfinden wollte, wie die Wehr in Kierspe wahrgenommen wird. Verteilt wurde der Bogen bei der Eröffnung des Rewe-Marktes. 130 der ausgegeben 180 Fragebögen kamen auch zurück – und geben der Wehrleitung einen Einblick in die Sicht der Kiersper, denn ausschließlich die wurden befragt.

Bei der Auswertung waren die Verantwortlichen erstaunt, wie viele Kiersper in der Vergangenheit bereits die Hilfe der Wehr in Anspruch genommen hatten: immerhin 26 Prozent. Aber auch die, die noch nie die Hilfe in Anspruch nehmen mussten, haben ein ausgesprochen gutes Bild von der Wehr. Auf die Frage „Stellt sich die Freiwillige Feuerwehr Kierspe als leistungsstark und technisch fachmännisch dar?“, antworteten 94 Prozent mit Ja. Sehr großes oder großes Vertrauen in die Männer und Frauen der Wehr haben 96 Prozent, die verbleibenden vier Prozent konnten oder wollten keine Angabe machen.

Doch aus diesem durchaus positiven Bild kann die Wehr kein Kapital schlagen, beziehungsweise keine neuen Mitglieder rekrutieren. 88 Prozent können sich nicht vorstellen, sich in der Wehr einzubringen. „Wir werden wohl eine zweite Befragung durchführen müssen, um die genauen Gründe für diese Ablehnung zu erfahren“, so Würth, der weiter ausführt: „Wichtig ist für uns auch zu erfahren, wie es uns gelingen kann, Quereinsteiger – also Männer und Frauen, die nicht bereits im Jugendalter in die Wehr eingetreten sind – zu gewinnen.“

Die Antworten würden aber auch zeigen, dass die Wehr ihre Jugendarbeit intensivieren müsse, um die Freiwilligkeit zu erhalten, so der Wehrleiter weiter.

Denn ohne diese Freiwilligkeit kommen Kosten in Millionenhöhe auf die Stadt zu. „Sollte es irgendwann eine hauptamtliche Wache geben, müsste diese mit mindestens sechs Stellen besetzt werden. Da für jede Stelle durch Freischichten, Urlaube und Krankheitsvertretungen 4,8 Leute benötigt werden, summieren sich die Personalkosten – inklusive einer hauptamtlichen Führung – auf rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr“, rechnet Würth vor, der aber zuversichtlich ist, diese Situation noch auf Jahre hinauszögern zu können.

Die Tagesverfügbarkeit:

Grundsätzlich verfügt die Feuerwehr Kierspe mit 137 aktiven Wehrleuten derzeit noch über genügend Personal, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Doch kommt es zu einem Brand während des Tagesstunden – wie in der vergangenen Woche in Dörscheln – ist die Zahl derer, die zum Brandherd eilen können, deutlich geringer. Gerade einmal 50 Wehrleute aus allen vier Löschzügen standen bei dem Brand zur Verfügung. „Wünschenswert wäre bei einem solchen Stadtalarm, wenn wir mit 80 Leuten zum Einsatz fahren könnten“, formuliert es Wehrleiter Georg Würth. Er schränkt aber auch ein, dass sowohl die Uhrzeit als auch das Datum sehr ungünstig gewesen seien. „In den Herbstferien sind viele verreist und gegen 15 Uhr sind die Wehrleute, die in der Spätschicht arbeiten, bereits weg, die Frühschichtler aber noch nicht wieder zu Hause.“

Den Brandschutz in Kierspe übernimmt in einem solchen Fall die Wehr aus Meinerzhagen. Natürlich würden dann bei einem Brand oder Unfall in Kierspe auch Einheiten von der ersten Einsatzstelle abgezogen – so auf diese irgendwie verzichtet werden kann.

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