266 Einsätze

Ein Jahr der Herausforderungen für die Feuerwehr Kierspe

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Statistisch gesehen rückte die Kiersper Feuerwehr im vergangenen Jahr mehr als an jedem zweiten Tag aus – insgesamt 266 Mal.

Kierspe - Statistisch gesehen rückte die Kiersper Feuerwehr im vergangenen Jahr mehr als an jedem zweiten Tag aus – insgesamt 266 Mal.

Dabei waren die Löschzüge 1 und 2 besonders belastet. Damit die Wehrleute nicht noch öfter raus müssen, wenn die beiden Züge fusionieren, muss sich die Wehrleitung einiges einfallen lassen.

Allein 125 Einsätze mussten die Freiwilligen des Löschzuges 1 im vergangenen Jahr bewältigen – und damit fast die Hälfte der Einsätze der gesamten Wehr. 80 Mal mussten die Wehrleute des Löschzuges 2 raus, 45 Mal die des Löschzuges 4 und 16 Mal wurde der Löschzug 3 alarmiert. Die Zahlen zeigen auch eine Problematik. Da der Löschzug 3 (Rönsahl) personell nicht so gut aufgestellt ist, werden oft deren Kameraden aus den beiden Innenstadtlöschzügen zu Einsätzen in Rönsahl hinzugerufen.

Wenn im Herbst dieses Jahres das neue Feuerwehrgerätehaus an der Kreuzung Wildenkuhlen fertiggestellt sein sollte, wird es nach dem Umzug der Löschzüge aus den Gerätehäusern Stadtmitte und Wehestraße dort keine zwei Züge mehr geben.

„Es wird eine große Herausforderung für die Wehrleitung, dafür zu sorgen, dass die einzelnen Mitglieder des Zuges nicht noch mehr belastet werden, sonst vergraulen wir nicht nur die Kameraden, sondern auch die Arbeitgeber“, sagt der stellvertretende Wehrleiter Mike Budde. Gelingen soll das durch eine Überarbeitung der Alarm- und Ausrückeordnung. „Es darf einfach nicht bei jedem Alarm auch der Melder eines jeden Wehrmannes gehen“, so Budde. Denkbar wären laut Budde mehrere Gruppen, Schleifen genannt, die dann je nach Einsatzart alarmiert werden. „Wichtig ist, dass wir die notwendigen Kräfte vor Ort haben, das müssen aber nicht immer die selben Leute sein.“

Umzug ins neue Gerätehaus steht an

Damit die Wehrleute möglichst ohne Reibungsverluste zusammenarbeiten können, finden bereits seit Längerem gemeinsame Übungen statt, es werden gemeinsame Dienstpläne geschrieben und abgearbeitet – außerdem haben sich die Führer aller Löschzüge mit der Wehrleitung im Frühjahr zusammengesetzt, um Strategien zu entwickeln, wie das Management des neuen Zuges innerhalb der Wehr am besten gelingt. 

Geplant werden muss auch der eigentliche Umzug aus den beiden bestehenden Gebäuden in das neue Gerätehaus. „Auch der Umzug wird eine Herausforderung, denn dieser läuft neben dem Tagesgeschäft. Wir werden aber voll funktionstüchtig sein, sollte es Einschränkungen geben, übernehmen die beiden anderen Löschzüge“, verspricht Budde.

Grundsätzlich sieht der stellvertretende Wehrleiter aber eine Zunahme der Einsätze, vor allem in Bereichen, die nichts mit Feuer zu tun haben. So steige die Zahl der Türöffnungen deutlich. Durch die höhere Zahl alleinlebender Menschen steige auch die Zahl der Notrufe in diesen Wohnungen. Kann dann niemand dem Rettungsdienst öffnen, wird die Wehr gerufen. Allein der Löschzug 1 musste im vergangenen Jahr 17 Mal eine Tür öffnen. 

Waldbrand in Altena hat Denken verändert

Aber auch die Bahn beschäftigt die Wehr – auch wenn es nach einem leichten Unfall Anfang des vergangenen Jahres zu keinen weiteren Alarmierungen durch den neu aufgenommenen Zugverkehr im Volmetal gekommen ist. Doch genau wie die Bahn geänderte Anforderungen an die Wehr stellt, lernen die Helfer grundsätzlich aus allen Situationen, mit denen sie konfrontiert werden. 

So auch aus dem schweren Waldbrand in Altena, bei dem auch Kiersper Kräfte im Einsatz waren. „Dieser Brand hat unser Denken verändert. Wir werden in Zukunft wieder geländegängige Tanklöschfahrzeuge anschaffen, da die Waldbrandgefahr aufgrund immer trockenerer Sommer steigen wird“, sagt Budde und verweist darauf, dass man sich im gesamten Kreis diese Gedanken machen würde.

Als nächstes kommt aber erst einmal ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) als Ersatz für ein altes Fahrzeug des zukünftigen Innenstadtlöschzuges. Darüber hinaus läuft die Ausrüstung der Wehrleute mit der neuen Einsatzkleidung. Ein Drittel ist bereits mit den neuen, individuell zugeschnittenen Anzügen ausgestattet, ein weiteres Drittel bekommt diese in Kürze. Die Wehrleute des letzten Drittels werden aber in diesem Jahr erst „vermessen“, damit die Kleidung angefertigt werden kann.

Neuer Brandschutzbedarfsplan für 2019

Da jedes Mitglied der Wehr aber nur über eine Einsatzhose und -jacke verfügt, steht der Ehrenamtler nicht mehr zur Verfügung, wenn seine Uniform in der Wäscherei ist – zumindest dann nicht, wenn er nicht noch über eine alte zugelassene Einsatzkleidung verfügt. Das ist auch einer der Gründe, warum es in dem neuen Gerätehaus eine Kleiderkammer mit entsprechenden Waschmaschinen geben wird.

Budde: „Dann waschen wir zugweise selbst. Dadurch steht die Kleidung am nächsten Tag bereits wieder zur Verfügung. Derzeit müssen wir vier Tage auf die Einsatzuniformen warten.“ Wie in jedem Jahr, werden auch 2019 wieder zahlreiche Wehrleute auf Fortbildungen fahren, um mit neuem Wissen und neuer Technik auf Gefahren zu reagieren. „Es ist wichtig, vor der Lage zu sein“, formuliert das Budde. Als Beispiel nennt er Fortbildungen im Bereich der ABC-Abwehr (ABC = Atomar, Bilogisch, Chemisch) und bei Unfällen mit der Bahn, die vor allem Anforderungen an den Transport der Ausrüstung stellen. 

In diesem Jahr wird auch ein neuer Brandschutzbedarfsplan erstellt. Erstmals nicht von den Angehörigen der Wehr selbst, sondern von Mitarbeitern eines auf solche Pläne spezialisierten Büros. „Dadurch hoffen wir, einmal eine andere Sichtweise zu bekommen“, so der stellvertretende Wehrleiter abschließend.

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