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Viele Kiersper Fans zeigen Katar die rote Karte

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Von: Detlef Ruthmann

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FIFA-Präsident Blatter bei der Bekanntgabe des WM-Ortes 2022
2010 verkündete der damalige Fifa-Präsident Joseph Blatter die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 nach Katar. Bereits kurz darauf hagelte es Kritik, die bis zuletzt immer lauter wurde. © dpa-Foto

„Wir gucken nicht!“ – da ist sich die Mehrheit der Erzrivalen einig: Die meisten Mitglieder der heimischen Fan-Clubs Kerspe-Knappen (Schalke 04) und Volme-Supporters (Borussia Dortmund) schauen keine Spiele der Fußballweltmeisterschaft in Katar – schon gar nicht in Gemeinschaft.

Kierspe - „Wir haben überlegt, wenigstens die Übertragungen der Deutschland-Spiele zu sehen“, erklärt Vorsitzender Klaus Müller, der für das Vereinsheim der „Knappen“ auch die laufenden Kosten im Auge behalten muss. Am Ende habe man sich aber dagegen entschieden.

Es gebe zwar am kommenden Dienstag noch eine Vorstandssitzung, doch geht er davon aus, dass die Befürworter der deutschen WM-Spiele sich nicht durchsetzen werden. Zumal sich die Fans enttäuscht zeigen, dass die großen Mannschaften in Sachen „One-Love“-Armbinde eingeknickt sind. „Ich hätte mir gewünscht, die wären abgereist“, zeigt sich Müller enttäuscht. „Das geht gar nicht, die Kataris haben übertrieben!“

„Den Mist können sie alleine machen“

Ein deutliches Stimmungsbild gibt es auch bei den Dortmund-Fans: „Ich werde die komplett boykottieren!“, „Ich sehe nicht ein, so was noch zu befürworten“, „FIFA = MAFIA“, „Ich werde es mir nicht ansehen“, „Den Mist können sie alleine machen“ – die Statements der BVB-Fans, die Ulrike Verhoeven von den Volme-Supporters im Rahmen einer kleinen WhatsApp-Umfrage zusammengetragen hat, sind eindeutig. Dabei zeigen einige Aussagen, dass man sich detailliert mit dem Thema „WM in Katar“ auseinandergesetzt hat.

„Ich habe mich eigentlich schon damals bei der Vergabe dazu entschieden, die zu boykottieren. Offensichtlicher kann man die Korruption kaum zur Schau stellen. Dann kamen die Arbeitsverhältnisse dazu, mit vielen Toten, um Stadien zu bauen, die nur für das Turnier gebaut werden“, heißt es da etwa. Oder: „Wir gucken auch nicht, da wir so menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse nicht akzeptieren wollen und diese Korruption der Fifa ein No-Go ist…“

Es gibt auch WM-Zuschauer

Aber: Es gibt auch andere Meinungen bei den Mitgliedern der beiden heimischen Fan-Clubs. So schreibt etwa beispielsweise ein Volme-Supporter: „Ich werde die Spiele schauen, weil ich ein totaler Fußball-Fan bin und gerne guten Fußball schaue. Weil die deutsche Mannschaft nichts dafür kann und ich sehen will, wie unsere BVB-Spieler sich einsetzen. Weil ich gerne mit Freunden zusammen schaue. Ich weiß, dass ich mich gegen die Meinung des Clubs und der Süd stelle, aber ich lasse mich nicht gerne vor einen Karren spannen, sondern möchte mir meine eigene Meinung bilden. Dafür schaue ich sämtliche Dokumentationen über den Fußball in Katar an. Es tut mir weh, wenn ich das Verhalten gegen Fremdarbeiter, Frauen und Homosexuelle sehe, aber jetzt ist die einzige Möglichkeit vor Ort, auf die Missstände aufmerksam zu machen.“

Die Vergabe der WM nach Katar sei schon korrupt gewesen. Daher hätte, so der BVB-Fan weiter, dieser Aufschrei schon vor vielen Jahren kommen müssen. „Ich habe auch bis heute noch kein überzeugendes Argument für den Boykott gehört. Es gibt für mich leider nicht nur Schwarz und Weiß.“

Ob Boykott oder nicht: Echtes WM-Flair vermisst Klaus Müller von den Kerspe-Knappen auf jeden Fall. Da komme „nichts rüber“, keine WM-Stimmung oder gar Euphorie – und die Fan-Artikel blieben in den Regalen liegen.

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