Kiersper erhielten gefälschte Mails

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Seit Jahren beschäftigt sich Rechtsanwalt Christoph Gebauer auch mit dem Filesharing. ▪

KIERSPE ▪ Da wird manch ein Kiersper einen Schreck bekommen haben, als er eine Mail der Münchener Anwaltskanzlei Dr. Kroner und Kollegen bekommen hat.

Als Vertreter von Sony, Warner, Paramount Pictures und weiteren namhaften Anbietern von Filmen mahnte die Münchener Kanzlei Nutzer des Fileshare-Dienstleisters Megaupload ab, die auf der mittlerweile geschlossenen Plattform illegal Filme heruntergeladen hätten. Aufgeführt sind die IP-Adressen und der Zeitraum. „Es gibt weder die Kanzlei noch stimmen Adresse oder Telefonnummer“, erklärt Rechtsanwalt Christoph Gebauer von der Kiersper Kanzlei MNCG. Einige seiner Mandanten hatten in den vergangenen Tagen die Mail erhalten und sich hilfesuchend an den Anwalt gewendet.

Er gibt auch Tipps, wie auch Laien Hinweise darauf erhalten können, ob es sich bei solchen Schreiben um den Versuch handelt, durch betrügerisches Handeln an Geld zu kommen: „Es ist zwar rechtlich zulässig, eine Abmahnung per Mail zu schicken, aber unüblich. In allen mir bekannten Fällen, kam das Schreiben des Anwalts per Post. Außerdem sollten die angeblich getauschten Werke wie Musik, Filme und Programme exakt benannt werden. Ganz und gar unüblich ist die Überweisung auf ein Konto im Ausland. Es reicht meist schon, den Namen des vermeintlichen Anwalts in eine Suchmaschine einzugeben, dann finden sich oft zahlreiche Hinweise, so es sich denn um einen Betrugsversuch handelt. In diesem Fall stimmten auch Anschrift und Vorwahl von München nicht.“ Im Zweifelsfall rät Gebauer den Angeschriebenen, sich an die Verbraucherzentrale oder einen Anwalt zu wenden.

Gleichzeitig warnt der Kiersper Rechtsanwalt aber davor, allzu schnell entsprechende Abmahnungen einfach wegzuwerfen: „Seit rund drei Jahren gehen durch illegales Herunterladen geschädigte Firmen gezielt gegen die Nutzer vor. Meist bieten die Unternehmen einen Vergleich an, der weit unter der genannten Schadenssumme liegt. Dadurch ersparen sie sich langwierige Prozesse und können trotzdem hoffen, den Täter von seinem Treiben abzubringen.“

Das Problem sei dabei meist nicht nur das illegale Kopieren von geschützten Inhalten, sondern häufig werde der Nutzer auf den entsprechenden Plattformen auch gleich wieder Anbieter der gestohlenen Inhalte. „Meist lassen es die Kanzleien dann bei einer Abmahnung in Höhe von 350 bis 400 Euro bewenden. Dazu kommt dann natürlich noch unser Honorar, wenn wir das für unsere Mandanten regeln“, so Gebauer, der aber auch schon einen Fall erlebt hat, bei dem es deutlich teurer wurde: „Eine Mandantin hatte eine CD geladen, auf der mehrere Interpreten vertreten waren. Später gab es dann insgesamt fünf Abmahnungen. Das waren dann weit mehr als Tausend Euro, die gezahlt werden mussten.“

Lasse es der Nutzer auf eine Klage ankommen, würde sich die Summe oft vervielfachen. „Ich habe vor ein paar Jahren eine fachanwaltliche Weiterbildung auf diesem Gebiet besucht. Damals dachte ich, dass ich nur in ganz seltenen Fällen mit dieser Materie konfrontiert würde. Doch das ist längst ganz anders geworden. In großer Regelmäßigkeit kommen Mandanten vorbei, die abgemahnt wurden. Dabei kommt es aber auch häufig vor, dass Fremde über den eigenen WLAN-Anschluss gesurft haben und die Daten aus dem Netz holten. Das ist dann noch ärgerlicher, weil erst einmal der Anschlussinhaber haftet. Deshalb ist ein Schützen des eigenen Netzwerkes mit Passwort unverzichtbar.“ Trotzdem sollten die Abgemahnten immer überprüfen, ob sie zu der genannten Tatzeit überhaupt Zugriff auf den eigenen Rechner gehabt hätten. Letztlich lasse sich nur so feststellen, ob sich ein anderer Zugriff übers eigene Netzwerk verschafft habe. „Ich kann nur jedem raten, ehrlich gegenüber sich selbst zu sein. Und bei einem berechtigten Vorwurf zu zahlen. Dass es am besten ist, sich gar nicht erst am sogenannten Filesharing zu beteiligen, ist dabei selbstverständlich“, so der Anwalt. ▪ Johannes Becker

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