Letzte Chance nach Gewalttaten

Kierspe/Meinerzhagen - Reuigen Sündern kommt auch das Strafrecht entgegen. So kam ein 22-jähriger Kiersper am Freitag im Amtsgericht Lüdenscheid nach zwei Körperverletzungen mit einer Bewährungsstrafe von acht Monaten davon – trotz laufender Bewährung und vieler Vorstrafen, unter denen auch mehrere Körperverletzungen waren. Seinen Hauptschulabschluss hatte der junge Mann deshalb in der Jugendstrafanstalt nachgeholt.

Wie oft in Fällen völlig sinnloser Gewalt, war eine erhebliche Menge Alkohol im Spiel gewesen: Rund zwei Promille hatte der Angeklagte im Blut, als er am 18. Januar im Rahmen einer Geburtstagsfeier auf ihm weitgehend unbekannte andere Gäste losging und drei von ihnen verletzte: Gegen 1.30 Uhr schlug er einem heute 18-Jährigen mit der Faust ins Gesicht. „Es war nicht so, dass da etwas zugrundelag, um sich zu schlagen“, wunderte sich der Zeuge. 40 Minuten später kassierte ein heute 19-Jähriger einen Tritt vor die Brust. „Ich kannte den Angeklagten gar nicht“, bestätigte er den Eindruck völlig sinnfreier Gewalt. Ein weiterer Zeuge erlitt durch einen Schlag eine blutende Verletzung an der Lippe.

Die relativ milde Entscheidung des Schöffengerichts hatte der Angeklagte vor allem sich selbst zu verdanken. Er legte ein vorbehaltloses Geständnis ab und bedauerte die Gewaltausbrüche jener Nacht: „Es tut mir alles sehr leid, was da passiert ist.“ Dabei war es jedoch nicht geblieben: „Nach dem Vorfall war mir klar, dass es so nicht weiter geht“, erklärte der Angeklagte seinen nächsten Schritt, der ihn zur Suchtberatung führte. Da er sich erfolgreich im dritten Lehrjahr einer Ausbildung befindet, kam nur eine ambulante Maßnahme für Suchtkranke in Frage, in der der 22-Jährige offenbar erfolgreich an sich arbeitet.

„Wenn er nüchtern ist, ist er der bravste Junge“, versicherte Rechtsanwalt Friedhelm Wolf. „Er hat das Problem erkannt und selber angepackt und ist auf dem Weg, sein Leben in den Griff zu bekommen.“ Die Noten seien gut – auch in der Berufsschule. Neben dem Beruf stützen zwei weitere Faktoren den lebensgeschichtlichen Erfolg: eine Freundin und der Spaß am Sport.

„Ich wollte sagen, dass ich das alles zutiefst bereue“, sagte der Angeklagte noch einmal in seinem letzten Wort und nahm die vom Schöffengericht verhängte Strafe von acht Monaten sofort an: Als Bewährungsanlage muss er 500 Euro an das DRK in Kierspe zahlen. „Eine rational nicht erklärbare Aggression“, stellte Richter Thomas Kabus in seiner Urteilsbegründung fest und warnte, dass das Urteil „eine letzte Chance“ sei. „Eine neue Strafe gibt es nicht zur Bewährung.“

Thomas Krumm

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