Synergien nutzen durch Netzwerke

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Zu Beginn des Workshops war auch zur Auflockerung von den Teilnehmern im Raum die Alterspyramide dargestellt worden. ▪

KIERSPE ▪ Die Bevölkerung verringert sich und wird insgesamt älter. Im Jahr 2030 werden, so die Prognose der Bertelsmann-Stiftung, in Kierspe 40 Prozent mehr Menschen in einem Alter über 80 Jahren leben, im Märkischen Kreis sogar mehr als 50 Prozent.

Außerdem wirken sich Wanderungsbewegungen zwischen den Staaten und auch innerhalb Deutschlands sowie individuelle Lebenswelten und ein höherer Single-Anteil aus. In der vergangenen Woche fand der Auftaktworkshop für die Kiersper Demografie-Offensive im Rathaus statt, bei der die Bertelsmann-Stiftung die Moderation hatte. Ziel ist mehr Lebensqualität im Ort, um so qualifizierte Arbeitskräfte in die Stadt zu locken, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen und steigende Einnahmen für die Kommune zu generieren. Was sicherlich ein extrem hochgestecktes Ziel ist – aber der Prozess beginnt gerade auch erst.

In Gruppenarbeit setzten sich die geladenen Teilnehmer aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen mit fünf verschiedenen Handlungsfeldern auseinander. Anschließend wurden die besten Ideen herausgefiltert und es entstanden konkrete Projektskizzen sogar schon mit Zeitplänen. Jetzt ist erst einmal wieder die Verwaltung am Zuge, um die Koordination der Realisierung zu übernehmen. Jedoch haben sich viele Teilnehmer bereiterklärt, auch weiter in dem Prozess mitzuwirken, worüber sich der Beigeordnete Olaf Stelse wie auch Sozialamtsleiterin Rita Kattwinkel, die die Vorbereitung für die Veranstaltung übernommen hatte, natürlich freuen. Beide hatten ebenfalls bei dem Workshop mitgemacht.

Die Gruppe Stadtumbau hatte sich auf die Schaffung von Ruhezonen in Wohngebieten fokussiert. Im ersten Jahr soll die Planung von der Kommune vorgenommen werden für die gesamte Umsetzung in Kooperation mit dem Bauverein und privaten Investoren wurden drei Jahre veranschlagt.

Kinder, Jugend und Familie war ein anderes Handlungsfeld. Dieses Workshopteam stellte es als am wichtigsten dar, Menschen für freiwilliges Engagement zu gewinnen. Unter anderem sollen so die örtlichen Vereine wie Bürgerbus, Stadtmarketing sowie Sport- und Kulturvereine unterstützt werden. Ziele sind zum einen, zusätzliche Angebote zu schaffen, aber zum anderen auch, die bisher schon Aktiven zu entlasten.

Diese Überlegungen decken sich weitgehend mit der Gruppe, die sich mit dem Thema Freiwilliges Engagement befasst hat: Sie räumte der Vernetzung der vorhandenen Angebote eine große Bedeutung bei, um so vielleicht auch Synergien und Kooperationen zu nutzen. Geplant wurde eine konzertierte Aktion nach dem Motto „Tu was!“.

Von den Teilnehmer wurden allerdings auch die Probleme gesehen, die dazu führen, dass immer weniger Menschen bereit sind, mitzuarbeiten und sich zu engagieren: Dem stehe sehr oft auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegen. Weil es besonders schwierig ist, Mitarbeiter für längerfristige Aufgaben zu finden, wird eine Lösung darin gesehen, stärker projektbezogen zu agieren und möglichst passgenaue Angebote zu schaffen, so dass die besonderen Fähigkeiten von Menschen besser genutzt werden können. Die Idee ist die Erstellung eines Ehrenamtskataloges, also einer Liste von Möglichkeiten der Mitarbeit. Auch hier werde die Verwaltung erst einmal die Anlauf- und Koordinationsstelle sein, wie Rita Kattwinkel anmerkt.

Ein weiteres Handlungsfeld, mit dem sich die Workshopteilnehmer beschäftigten, war Pflege und Gesundheit: Hier wurde zuerst eine Bestandsaufnahme aller Angebote vor Ort favorisiert und danach deren Vernetzung. Auftakt soll mit einer Gesundheitskonferenz sein, die idealerweise vielleicht an die Gesundheitsmesse, die in diesem Herbst wieder stattfinden soll, angedockt werden könnte. Mitwirken sollen Ärzte, Pflegedienste, Demenznetzwerk, Ernährungsberatung, Physiotherapeuten und andere auf diesem Gebiet Tätige. Ein erstes Ziel ist es, das vor Ort bereits existierende Angebot zu ermitteln, um so zu sehen, was fehlt und wie vielleicht zusammengearbeitet werden kann. Bestandsaufnahme und Netzwerkbildung sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Die Gruppe Wirtschaft und Arbeit erkannte Handlungsmöglichkeiten in der Optimierung der weichen Standortfaktoren: Hier sollen Sport und Kultur sowie Industrie, Handel und Handwerk an einen Tisch gebracht werden, um gemeinsam zu versuchen, die Lebensqualität und die Freizeitmöglichkeiten im Gebiet an der Vollme zu verbessern und so den Zuzug von Menschen zu fördern und den Wegzug zu verhindern. Als eine konkrete Idee genannt wurde Fußballgolf im Sportgelände. Bis Ende 2014 ist die Realsierung beabsichtigt.

„Weitere Workshops zu ausgewählten Themen sind eine Option, doch soll bei einer weiteren Veranstaltung irgendwann natürlich auch Bilanz gezogen werden“, kündigten Stelse und Kattwinkel an. Sie lobten die gute Arbeitsatmosphäre während des Workshops und hoffen nun auf Nachhaltigkeit.

Rolf Haase

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