Auch nach 24 Jahren noch auf Fahrersuche

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Bei der Jungfernfahrt vor knapp zwei Jahren wurden beim neuen Kiersper Bürgerbus natürlich auch ein paar Blümchen hinter die Scheibenwischer geklemmt.

Kierspe - Die Suche nach neuen Mitstreitern ist permanent vorhanden: Der Bürgerbusverein Kierspe heißt alle willkommen, die sich in den Dienst der guten Sache stellen und sich etwa einmal in der Woche für rund drei Stunden hinter das Lenkrad des Bürgerbusses setzen.

Derzeit sind es fünf Frauen und elf Männer, die werktags von der Berliner Straße über den Büscherweg und Friedhof am Rathaus sowie Seniorenzentrum vorbei zum Fachmarktzentrum und weiter zur Windfuhr und nach Schleifkotten mit dem Mercedes Sprinter mit Automatikgetriebe fahren – und natürlich auch wieder zurück, sowie mit Anschlüssen an die Linien der MVG am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und an der Sparkasse.

Der jüngste Fahrer ist 60 Jahre, die ältesten 74 Jahre. Das ist auch nur deshalb möglich, weil die Altershöchstgrenze für Bürgerbusfahrer von 73 Jahren aufgehoben wurde. „Das war ein harter Kampf“, erinnert sich Gerhard Kamphausen, Vorsitzender des Bürgerbusvereins Kierspe.

Gerhard Kamphausen und Ingrid Stelse würden sich freuen, wenn der Bürgerbusverein Verstärkung – besonders durch Hausfrauen – erhalten würde.

Dies jedoch nur unter der Auflage, dass sich die Fahrerinnen und Fahrer zweimal im Jahr einem Check unterziehen: Die allgemeine Gesundheit wird dabei überprüft, die Augen untersucht, die Reaktionsfähigkeit kontrolliert und vieles mehr. Dies geschieht mittlerweile beim Arbeitstechnischen Institut in Meinerzhagen, weil die einen günstigeren Preis machen, sagt Gerhard Kamphausen.

Gleichwohl kostet die Untersuchung 60 Euro, die natürlich nicht der Fahrer, sondern der Verein trägt. Das gilt auch für die Untersuchungen der jüngeren Fahrer: Bis zum Alter von 60 Jahren müsse man alle drei Jahre zu dieser Untersuchung, ab 65 Jahren jedes Jahr, erläutern Gerhard Kamphausen und Geschäftsführerin Ingrid Stelse. Der Verein übernimmt auch die Kosten, die für den Personenbeförderungsschein aufgebracht werden müssen. Denn dieser Schein wird neben einem Führungszeugnis und der Fahrerlaubnis B für das Fahren des Bürgerbusses benötigt. 

Drei Fahrer werden pro Tag gebraucht

Der Bürgerbusverein stellt bei der Stadt den Antrag auf den Personenbeförderungsschein und hilft auch bei den anderen Dingen. Lediglich zur Untersuchung und zur Einweisung durch die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) müsste die oder der neue Fahrerin beziehungsweise Fahrer natürlich selbst.

Die Fahrtroute des Bürgerbusses Kierspe ist durch die blaue Linie gekennzeichnet, während die Kreise die normalen Haltestellen zeigen. Der Bus hält aber auch an anderen Stellen, wo es möglich ist und nimmt Fahrgäste mit.

Kamphausen und Stelse machen keinen Hehl daraus, dass nicht nur Rentner willkommen sind, sondern man sich im Verein auch beispielsweise über Hausfrauen als Verstärkung freuen würde. Denn in Kierspe werden pro Tag drei Fahrer gebraucht, da es nicht nur die normale Linie, sondern auch die Kindergarten- und Schul-Linie gibt.

Erweiterungen zeitlich nicht möglich

Letztere richtet sich nach dem konkreten Bedarf, das heißt, dass die Mädchen oder Jungen, die mit dem Bürgerbus fahren sollen, angemeldet werden müssen. Derzeit sind es acht Schul- und zwölf Kindergartenkinder, die morgens – auch in Berkenbaum oder Bollwerk – abgeholt und/oder mittags wieder nach Hause gebracht werden. Die „Schichten“ der Fahrer sind von 6.30 bis 10.30 Uhr, anschließend bis 14 Uhr und am Nachmittag bis etwa 17 Uhr. Eine Änderung oder gar Erweiterung der Bürgerbuslinien – beispielsweise nach Rönsahl oder samstags – ist in Kierspe aber nicht möglich.

„Das ist zeitlich nicht machbar“, erklärt der Vorsitzende. Und wenn man einen zweiten Bus anschaffen würde, führe dieser in roten Zahlen. Dass man dafür wieder mehr Fahrer brauchen würde, darüber sprechen Ingrid Stelse und Gerhard Kamphausen schon gar nicht. Auch, wenn es von einigen Fahrgästen schon mal die Frage geben würde, „warum fahrt ihr nicht samstags“, der Zuspruch läge bei Null, ist der Vorsitzende überzeugt.

Im Übrigen gibt es den Bürgerbusverein Kierspe mittlerweile seit 25 Jahren (1993 gegründet). Das silberne Jubiläum wird aber erst im nächsten Jahr gefeiert: Der Fahrbetrieb wurde 1994 aufgenommen und dies sei das entscheidende Jahr. „Als Grundlage für das 20-Jährige haben wir auch das Jahr der ersten Fahrt genommen“, sagt der Vorsitzende des Bürgerbusvereins.

Im nächsten Jahr 25-jähriges Bestehen

Das Jubiläum wird der Verein auch noch mit dem aktuellen Fahrzeug – mittlerweile der fünfte Bus – bestreiten, auch wenn dieser nun schon fast 70 000 Kilometer in noch nicht einmal zwei Jahren gelaufen ist. „Wenn ich mit dem Bürgerbus durch Kierspe gefahren bin, dann habe ich fast 80 Kilometer hinter mir“, verdeutlicht Gerhard Kamphausen. 

Allein im vergangenen Jahr waren es rund 42 000 Kilometer, die der Bus auf Kiersper Straße zurücklegte. Dabei wurden insgesamt 12 000 Fahrgäste befördert, darunter etwa 2000 Beförderungen von Schwerbehinderten. „Die dürfen mit dem entsprechenden Ausweis umsonst mitfahren“, erklärte Gerhard Kamphausen, dass die Kosten dafür vom Land getragen werden. Alle anderen Fahrgäste zahlen 2 Euro oder 7,20 Euro für eine Viererkarte. „Darauf haben wir wenig Einfluss“, verweist der Vorsitzende auf die Preisgestaltung durch die MVG.

Fahrer gesucht

Der Bürgerbusverein in Kierspe ist stets auf der Suche nach Fahrerinnen und Fahrern. Voraussetzung dafür: Der- oder diejenige muss 21 Jahre alt sein, die Fahrerlaubnis B und die Bereitschaft, ehrenamtlich ein- oder zweimal in der Woche etwa drei Stunden am Lenkrad des Mercedes Sprinter mit Automatikgetriebe zu verbringen. Die Kosten für den Personenbeförderungsschein und die notwendigen Untersuchungen übernimmt der Bürgerbusverein. Interessierte können sich an den Vorsitzenden Gerhard Kamphausen, Tel. 01 71/3 86 39 88, wenden.

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