„Erhebliche kriminelle Energie"

Kiersper baut Cannabis im Schrank an

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Eine Plantage mit Cannabispflanzen entdeckte die Polizei in einem Haus in Kierspe.

Kierspe - Mehrere Jahre lang betrieb ein heute 50-jähriger Kiersper offenbar recht erfolgreich eine kleine Cannabis-Plantage in seinem Haus. 

Weil das verboten ist und weil der Mann unerlaubterweise auch noch zwei Gewehre besaß, verurteilte ihn das Schöffengericht des Amtsgerichts Lüdenscheid zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe.

Fachanwälte für Plantagenbesitzer

Die Gewinnspannen im Geschäft mit Marihuana und Haschisch scheinen derzeit immer mehr Hobby-Gärtner anzulocken, es mit der nicht ganz unkomplizierten Aufzucht von Cannabis-Pflanzen zu versuchen. Inzwischen gibt es schon Fachanwälte für Plantagenbetreiber. Wie so oft verriet auch in Kierspe der Geruch den verbotenen Anbau. Bei einer Durchsuchung im Haus des 50-Jährigen fand die Polizei Anfang Mai 2014 einen Großschrank voller Hanfpflanzen. Bei der Untersuchung der dabei sichergestellten gut 61 Gramm Cannabis-Krautes ergab sich ein sehr ansehnlicher Wirkstoffgehalt von 16,9 Prozent. Damit war die Grenze zur nicht geringfügigen Menge deutlich überschritten. Eine vom Landeskriminalamt erstellte Ertragsberechnung für die Miniplantage ergab auf dieser Grundlage 40 Gramm pro Ernte – bei zwei Ernten im Jahr also 80 Gramm jährlich.

Seit 2011 als Cannabis-Gärtner betätigt

Vor Gericht gab der Angeklagte zu, dass er sich nicht nur 2014, sondern schon in den Jahren 2011 bis 2013 für den Eigenkonsum als Cannabis-Gärtner betätigt hatte. Richter Jürgen Leichter lobte die „schönen Bilder“, die die Polizei von den aufwändigen Pflegeutensilien geschossen hatte: Ein Ventilator zur Belüftung, Pflanztöpfe, Hochleistungslampen und ein Stromzähler. Mit seiner Hilfe führte der Gärtner Buch über den – wie immer bei solchen Plantagen – erheblichen Energiebedarf. Auch das Produkt aller Bemühungen fanden die Beamten: Gut 17 Gramm Haschisch und 150 Gramm getrocknetes Marihuana.

Gewehre als „Sammlerstücke“

„Was wollten Sie mit den Waffen?“, wollte Richter Jürgen Leichter mit Blick auf ein Einzelladergewehr und ein Kleinkalibergewehr mit aufgeschweißtem Schalldämpfer sowie Munition wissen. Das seien Sammlerstücke gewesen, erklärte der Gärtner, der eher nicht den Eindruck machte, als sei er zur Verteidigung seiner Pflanzen zu allem entschlossen gewesen.

Anbau mit "professionellem Equipment"

Weil der Angeklagte seit 2011 Marihuana „mit professionellem Equipment“ angebaut hatte und zudem im Besitz zweier scharfer Waffen gewesen war, beantragte Staatsanwalt Anuth schließlich eine Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung.

"Erhebliche kriminelle Energie"

Verteidiger Dirk Löber betonte, dass nichts von dem angebauten Betäubungsmittel verkauft worden sei und beantragte eine Freiheitsstrafe von „unter einem Jahr“. Dem folgte das Schöffengericht jedoch nicht und verurteilte den 50-Jährigen zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Richter Jürgen Leichter konstatierte eine „erhebliche kriminelle Energie, um an das Betäubungsmittel zu kommen“. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte zudem 1500 Euro an eine therapeutische Selbsthilfegemeinschaft für Suchtkranke zahlen. Da alle Beteiligten zustimmten, wurde das Urteil sofort rechtskräftig.

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