Ein Zentimeter entscheidet über die Lebensqualität

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Der Kiersper Architekt Rüdiger Voswinkel sieht einen Trend zur Barrierefreiheit und Sicherheitstechnik – nicht nur beim Objektbau, sondern auch bei der Errichtung von Eigenheimen.

Kierspe - Etwas mehr als ein Zentimeter – und schon wird das Leben im Alter beeinträchtigt. Denn Schwellen, die höher sind als eineinhalb Zentimeter sind für einen Rollator nur schwer zu überfahren. Doch wer denkt an so etwas, wenn er sich mit 30 Jahren den Traum vom eigenen Haus erfüllt?

Immer mehr Menschen, das weiß Architekt Rüdiger Voswinkel aus eigener Erfahrung. „Heute sind sich die Bauherren sehr viel bewusster, wie sie bauen müssen, damit sie auch im Alter noch in ihrem Haus leben können“, erklärt Rüdiger Voswinkel, Architekt und Partner im Büro SKV in Kierspe. Doch auch die Industrie biete viel mehr Möglichkeiten. Als Beispiel nennt Voswinkel die bodengleiche Dusche, die heute selbst beim Umbau im Bestand kaum Probleme mache und im Neubau Standard sei. Doch auch an genügend Platz für die Wende mit dem Rollstuhl, Unterfahrmöglichkeiten und das mögliche Leben auf einer Etage werde gedacht. Voswinkel: „Wichtig ist, dass auch das Haus selbst ohne Barriere erreicht werden kann, genau wie die Garage oder der Stellplatz.“

Bei Miet- und Eigentumswohnungen, die durchgehend barrierefrei sind, gebe es aber noch großen Bedarf – auch in Kierspe. Das habe er erst vor drei Wochen bei einem Besichtigungstermin erfahren, den seine Firma in einem neuen Objekt am Bordinghauser Weg veranstaltet habe. Bei den Gesprächen mit den potenziellen Käufern, an dem auch alle bislang in dem Gebäude beschäftigten Handwerksbetriebe zugegen gewesen seien, habe es viele Fragen zum Wohnen im Alter und damit zur Barrierefreiheit gegeben. Innerhalb weniger Tage seien rund 80 Prozent der Wohnungen in dem großen Haus vergeben gewesen. Voswinkel: „Das zeigt die hohe Nachfrage. Ich kann mir gut vorstellen, noch weitere solcher Objekte zu bauen.“

Nachfragen habe es aber auch zur Einbruchssicherheit gegeben. „Das war vor ein paar Jahren noch gar kein Thema. Heute sieht das ganz aus“, sagt der Architekt. Man habe im Erdgeschoss zu den Rollläden auch ein Sicherheitssystem verbaut, das unter anderem acht Pilzkopfsicherungen pro Fenster, abschließbare Beschläge und Verbundsicherheitsglas enthalte, um einem Angriff von Außen möglichst lange standzuhalten.

Den Einbrechern das Leben möglichst schwer machen

„Die Täter kommen heute meist tagsüber. Schnell rein, schnell raus ist dabei die Vorgehensweise. Wenn aber der Einbruch aufgrund der Sicherungsmaßnahmen zu lange dauert, gehen die Täter lieber zu einem anderen Haus“, formuliert es Voswinkel. Er weiß aus eigener leidvoller Erfahrung, wovon er spricht. Vor einiger Zeit habe es einen Einbruch im eigenen Bürogebäude gegeben. Durch ein Fenster, dessen Scheibe eingeschlagen wurde, seien die Einbrecher damals ins Haus gelangt. Danach habe man aufgerüstet und das Haus massiv gesichert. Ein Jahr später habe es einen weiteren Versuch gegeben, in das Büro zu gelangen. Doch dieses Ansinnen sei dann gescheitert, wie an den Spuren der Täter erkennbar gewesen sei.

Bei den Bauherren sei in diesem Bereich kaum noch Überzeugungsarbeit notwendig. Die meisten würden mittlerweile jemanden kennen, bei dem die Täter erfolgreich zugeschlagen hätten.

Ohne Einbruchsschutz drohen große Verluste beim Verkauf

Doch Einbruchsschutz und Barrierefreiheit würden nicht nur den Eigentümern und Bewohnern Sicherheit geben, sondern seien auch gute Argumente für einen Verkauf der Immobilie. Voswinkel: „Gerade im ländlichen Raum kann niemand mehr nach seinen Vorstellungen bauen und nach ein paar Jahren verkaufen ohne große Verluste hinnehmen zu müssen, wenn er nicht an das Wohnen im Alter und die Sicherheit des Gebäudes gedacht hat.“

Der Kiersper Architekt nennt aber auch noch einen weiteren Grund, aus dem er ein Bauen ohne Beachtung der Barrierefreiheit für fahrlässig hält: „Auch junge Hausbewohner sind vor schweren Unfällen nicht gefeit. Wenn dann nach Krankenhaus und Reha die Rückkehr ins eigene Haus ansteht, müssen entweder massive Umbauten erfolgen oder man stellt fest, dass die Immobilie gar nicht mehr nutzbar ist.“

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