Jürgen Kalwa hat besonderes Geschenk im Gepäck

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Jürgen Kalwa (links im Bild ) im Gespräch mit der Vorsitzenden des Kiersper Heimatvereins Silvia Baukloh und dem zweiten Vorsitzenden Peter Heins.

Kierspe - Ein ganz besonderes Geschenk hatte Jürgen Kalwa im Gepäck, als er sich am Freitag mit dem Vorstand des Heimatvereins Kierspe traf. Der geborene Kiersper, der in den USA als Journalist arbeitet, hatte in der Nähe von New York einen Film über die Bakelit-Herstellung gefunden, diesen mit deutschen Untertiteln versehen und nun dem Heimatverein geschenkt. Am Freitag fand im Bakelitmuseum damit eine Art Uraufführung statt.

Von Johannes Becker

Wenn man mit Jürgen Kalwa spricht, wird schnell klar, dass dieser Mann seit Jahrzehnten im Ausland lebt. Die Aussprache ist zwar akzentfrei, aber manchmal fehlen die typisch deutschen Wörter. Das klingt charmant und passt damit perfekt zu dem sympathischen Deutsch-Amerikaner. Geboren wurde dieser 1952 in Kierspe, sein Abitur legte er jedoch in Altena an der Höheren Handelsschule ab. Dort knüpfte er auch die ersten Kontakte zur Zeitung und volontierte beim Altenaer Kreisblatt. Von dort ging es weiter zum Sauerländischen Volksblatt nach Olpe, wo er drei Jahre als Redakteur tätig war.

Doch dann wollte er raus aus dem Sauerland, zog nach Berlin, wo er an der Freien Universität Musikwissenschaften studierte. Doch zugunsten einer Tätigkeit bei der Stadtzeitung Tipp gab er dieses Studium wieder auf. Von Berlin führte der Weg nach München, zum Heinrich-Bauer-Verlag. Dort wurden dann die entscheidenden Weichen für sein weiteres Leben gestellt. Zum einen entschied er sich, in Zukunft frei zu arbeiten, zum anderen lernte er seine Frau Doris Chevron kennen. Diese bekam von ihrem Arbeitgeber das Angebot, in New York als Korrespondentin zu arbeiten. „Da habe ich meine Adler-Schreibmaschine eingepackt und bin mitgegangen“, erinnert er sich. 1989 war das, weit vor den Zeiten von Handy und Internet. Deshalb war die erste Anschaffung ein Faxgerät, „um Kontakt zur restlichen Welt halten zu können.“

Schnell spezialisierte er sich auf Sport-Themen, berichtete für eine Sport-Illustrierte in Hamburg. Später kam dann die FAZ dazu und seit einigen Jahren auch Deutschlandfunk und Deutschlandradio. Diese neuen Auftraggeber ermöglichten es Kalwa auch wieder verstärkt über Kultur zu berichten.

Schnell hat der Journalist seine neue Heimat lieben gelernt. Und in der schwersten Stunde New Yorks saß er gerade an einem Artikel über den Basketball-Spieler Michael Jordan. „Da kam meine Frau ganz aufgeregt aus dem Fitness-Center und forderte mich auf, das Fernsehen einzuschalten. Ich wollte erst gar nicht, denn ich stand unter Zeitdruck, um den Bericht rechtzeitig abzuliefern. Doch schnell war klar, dass das an diesem Tag nicht mehr wichtig sein würde“, so Kalwa.

Das Telefonnetz war vollkommen überlastet und nicht mehr zu gebrauchen. Doch das Internet übers TV-Kabel funktionierte noch. Darüber bekam er Kontakt zu Medien und Menschen in Deutschland. „Ich hatte den Eindruck, dass die Menschen in Deutschland noch betroffener waren als die New Yorker. Meine Frau und ich haben dann über diesen Weg und unser Konto in Deutschland eine Spendenaktion gestartet.“ Insgesamt seien damals rund 15 000 Dollar zusammengekommen. Geld, das Kalwa über eine Stiftung der New York Times Familien von Feuerwehrleuten zur Verfügung stellte.

Doch das interessante Leben in der Millionenstadt war am Freitag im Museum nicht Thema, sondern der Film über die Bakelit-Herstellung. Der Erfinder des Bakelits Dr. Leo Hendrik Baekeland war aus Belgien in die USA gezogen und hatte dort den ersten echten Kunststoff der Welt produziert. Ende der 1930er Jahre ließ sein Unternehmen dort einen Film über Herstellung und Einsatzmöglichkeiten des neuen Werkstoffs drehen, vor allem um den anderen Unternehmern und Ingenieuren die enormen Einsatzmöglichkeiten vor Augen zu führen. In Zukunft wird der Film vor allem dazu verwendet, Besuchergruppen und Schulklassen im Bakelit-Museum die Ursprünge des damals revolutionären Materials näher zu bringen.

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