AvP-Insolvenz und Maskenpflicht beschäftigen die Branche

Apotheken im Fokus

Apotheke - Frau - Maske - Mund-Nasen-Bedeckung
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So, wie diese junge Frau, trägt man eine Maske richtig, wenn man beispielsweise in ein Geschäft geht. Die Kiersper Apothekerin Bärbel Schulz (Rauk-Apotheke) hat allerdings festgestellt, dass sich nicht alle Kunden daran halten.

Sorgen machen müssen sich die Inhaber der vier Kiersper Apotheken nicht, nachdem die Bafin für die AvP Deutschland GmbH Insolvenz angemeldet hat. Denn das Rechenzentrum mit Hauptsitz in Düsseldorf hat für rund 3500 Apotheken in Deutschland die Rezepte abgerechnet – aber offensichtlich in den vergangenen Monaten nicht mehr gezahlt.

Es handele sich dabei um eine Summe von insgesamt etwa 420 Millionen Euro, rein statistisch gesehen fehlen jeder Apotheke Einnahmen in Höhe von 120 000 Euro. Dadurch sind Existenzen bedroht, denn etwa 85 Prozent der Einnahmen einer Apotheke laufen über die Rezepte. Dies bestätigt auch Apothekerin Christiane Karge, Inhaberin der Apotheke am Wildenkuhlen.

Das Bekanntwerden der Zahlungsunfähigkeit des AvP-Rechenzentrums – das im Übrigen auch die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen hat, diese ermittelt wegen Betrugs – veranlasste Karge, die Verträge mit „ihrem“ Rechenzentrum zu überprüfen. „Da ist aber alles in Ordnung“, sagt die Apothekerin. „Glücklicherweise nicht“, zeigt sich Franz-Josef Ruthmann, Inhaber der Montigny-Apotheke erleichtert, für die Abrechnung der Rezepte ein anderes Rechenzentrum gewählt zu haben.

Wie Christiane Karge und Franz-Josef Ruthmann ist auch Helmut Gerlach nicht von der AvP-Insolvenz betroffen. Apothekerin Bärbel Schulz, Inhaberin der Rauk-Apotheke, überlässt die Abrechnung der Rezepte – angesichts von etwa 150 Krankenkassen und ihren verschiedenen Rabattverträgen könnte das eine Apotheke nicht mehr leisten – ebenfalls einem anderen Dienstleister.

Dafür bereitet Apothekerin Bärbel Schulz die Entwicklung der Corona-Pandemie Sorgen. Wenn man nur die Zahl lese – aktuell werden 56 Infizierte in Kierspe gezählt – wirke dies nicht so schlimm. Doch wenn man selbst oder Verwandte, Freunde betroffen seien, habe dies eine ganz andere Wirkung. Und die Apothekerin erlebte gerade mit, wie gute Freunde auf einer Intensivstation um ihr Leben kämpften. „Da kommt dann manchmal die Wut hoch, wenn man sieht, wie sich manche Menschen verhalten“, erzählt Bärbel Schulz.

Da kommt dann manchmal die Wut hoch, wenn man sieht, wie sich manche Menschen verhalten.

Bärbel Schulz, Apothekerin

Denn auch in ihre Apotheke kämen Kunden ohne Maske: „Ich habe keine Angst, mich zu infizieren!“. Was aber sei mit den Immunschwachen, die rechts und links daneben ständen. „Wenn die zum Beispiel nach einer Chemotherapie nach Hause kommen, ist der Einkauf oder der Gang zum Arzt die einzige Möglichkeit, einmal rauszukommen“, weist Schulz auf die Situation dieser Menschen hin. Darauf nähmen andere ohne Maske keine Rücksicht.

Gleichwohl gebe es auch bei diesen Kunden Unterschiede: „Ich habe meine Maske im Auto vergessen“, reagieren einige auf den freundlichen Hinweis und holen die Mund-Nase-Bedeckung. „Doch bei anderen gibt es dann auch Diskussionen“, hat Bärbel Schulz bereits miterlebt, dass die Einsicht nicht bei allen Kunden vorhanden ist.

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