Ein klares Nein zur Entscheidung des Kirchenkreises

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Mit einem Kirchenkreis, „der Schwule diskriminiert“, will der Musiker Andreas Koch nichts mehr zu tun haben.

Kierspe - Mit einem Kirchenkreis, „der Homosexuelle diskriminiert“, will Andreas Koch nichts mehr zu tun haben – und mit der Evangelischen Kirche, die das zulässt, auch nicht.

Immer freundlich, immer hilfsbereit. Andreas Koch ist ein angenehmer Gesprächspartner. Er kann mit seinen Worten und seiner Musik seinen Zuhörern Türen zu Welten öffnen, die bisher verschlossen waren. Doch an diesem Morgen nimmt er seinen Zuhörer mit in die Tiefen seiner Seele. Er ist aufgebracht, regelrecht wütend, spricht schnell, manchmal abgehackt.

Koch ist vor allem eines: maßlos enttäuscht von den Mitgliedern der Kreissynode. Diese haben sich in der vergangenen Woche mit knapper Mehrheit gegen die Trauung von Homosexuellen im Kreis ausgesprochen. „Die Gesellschaft hat sich gegen die Diskriminierung Schwuler entschieden und die gleichgeschlechtliche Ehe ermöglicht, aber die Kirche diskriminiert Schwule weiterhin. Wenn Koch spricht, bleibt kein Platz für Interpretation.

Der Kiersper Musiker, der seit rund 30 Jahren offen schwul lebt, will mit diesem Kirchenkreis nichts mehr zu tun haben. „Und ich werde aus der Kirche austreten. Ich möchte mit meiner Kirchensteuer nicht auch noch die Menschen unterstützen, die diese Entscheidung getroffen haben.“

Seit seiner Jugend sei er in seiner Kirche aktiv, spiele in Gottesdiensten – wie etwa dem 3G-Gottesdienst – Gitarre. Mit seinen Gitarrenschülern habe er kirchliche Veranstaltungen begleitet und auf Beerdigungen gespielt, all das soll es nicht mehr geben, da ist sich Koch sicher. Auch seine Mitwirkung an Basaren oder Seniorenfeiern will er einstellen.

„Wenn die Kirche mein schwules Leben als nicht richtig ansieht, warum hat es mir Gott dann gegeben?“, fragt er sich, aber auch die Vertreter des Kirchenkreises. Und der gläubige Christ sagt auch: „Die Liebe von Jesus Christus ist nicht nur auf die Beziehung von Mann und Frau bezogen.“

Die Entscheidung trifft Koch umso härter, weil er seine Kirche auf einem ganz anderen Weg wähnte. Ist es doch schon acht Jahre her, dass er mit seinem damaligen Partner in Rönsahl vor den Altar der Servatiuskirche trat, um seine Beziehung im Rahmen einer „Segnungsandacht“ vor Gott und den Menschen zu bekräftigen. „Es bedurfte damals zwar zwei Presbyteriumssitzungen, aber es war möglich“, erinnert er sich.

Wenn er darüber nachdenkt und auch an seine Freunde, die in den heimischen Kirchengemeinden engagiert sind, dann schmerzt ihn seine Entscheidung, zu der er aber keine Alternative sieht.

Doch diese Freunde will er nicht im Stich lassen: „Ich werde weiter bei der jeweils letzten Frühschicht in der Kirche St. Josef, die von der Evangelischen Gemeinde ausgerichtet wird, mitwirken und auch mein Engagement für die Orgel in der Erlöserkirche in Lüdenscheid nicht einstellen“, sagt Koch. Aber das tue er eben nur für seine Freunde und nicht für Kirche. In der Vergangenheit nutzte Koch die Kirchen aber auch für eigene Konzerte. „Da werde ich wohl bluten müssen, solche Auftritte wird es nicht mehr geben“, sagt der Musiker.

Da ist aber noch etwas, was Koch betrübt. Kein Verantwortungsträger aus der Gemeinde habe nach der Entscheidung der Synode das Gespräch mit ihm gesucht. Koch: „Reaktionen gab es erst, als ich mein Engagement aufgekündigt habe.“ Enttäuscht ist er aber auch von seinen Mitchristen, die auf die Entscheidung der Synode nicht reagiert hätten. Und was, wenn die Synode einmal eine andere Entscheidung trifft? „Dann werde ich meine Haltung überdenken“, verspricht er. Doch bis dahin will er sich der Kirche, die für ihn immer mehr Heimat als Institution war, abwenden.

Die Entscheidung der Kreissynode

Mit 43 zu 39 Stimmen – bei sieben Enthaltungen – haben sich die Mitglieder der Kreissynode des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg gegen die kirchliche Trauung Homosexueller im Märkischen Kreis ausgesprochen. Damit stimmte die Synode gegen einen Entwurf der Landeskirche von Westfalen zur Änderung der Kirchenordnung, der die Trauung auch für gleichgeschlechtliche Paare ermöglichen soll. Da allerdings trotzdem mit einer positiven Entscheidung der Landessynode zu rechnen ist, hat der Kirchenkreis seinen Beschluss dahingehend erweitert, dass der Gewissensvorbehalt für Pfarrer und Pfarrerinnen, die gleichgeschlechtliche Trauungen ablehnen, dauerhaft erhalten bleiben soll.

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