„Kierspe zeigt Schleife“: Aufklärungsarbeit in der Gesamtschule am Weltaidstag

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Die Klasse 10.1 der Gesamtschule Kierspe zeigt Schleife: Im Rahmen der Aktionswoche zum Weltaidstag nehmen die Schüler an der Aktion „Weißte Bescheid“ teil.

Kierspe - Anlässlich des Welt-Aids-Tages, der immer am 1. Dezember stattfindet, kam Rudi Mann vom Gesundheitsamt des Märkischen Kreises am Dienstag auch in die Gesamtschule Kierspe. Er leistete im zehnten Jahrgang der Schule Aufklärungsarbeit.

Aufklärung hinter verschlossenen Türen? Für Rudi Mann vom Gesundheitsamt des Märkischen Kreises gar keine gute Idee. Er leistet Aufklärungsarbeit in Sachen Sex, Liebe, Partnerschaft und Aids. Und wer sich gegen die Autoimmunkrankheit schützen will, muss wissen, wie es funktioniert im Bett. Besser zu früh, als zu spät.

Viele Zehnklässler hatten wahrscheinlich schon ihre ersten sexuellen Erfahrungen. „Mach’s nie ohne Kondom, sonst könntest Du dich mit HIV anstecken“, ist ihnen nicht mehr neu. Doch wissen sie wirklich schon alles über das Thema Sex und die möglichen „Nebenwirkungen“? „Nein“, sagt Rudi Mann vom Gesundheitsamt des Märkischen Kreises. Und „nein“, sagen auch die Schüler selbst, wenn man sie fragt.

Anlässlich des Welt-Aids-Tages, der immer am 1. Dezember stattfindet, besucht Rudi Mann derzeit die Gesamtschule in Kierspe. Im Rahmen der Aktionswoche „Kierspe zeigt Schleife“ leistet der Aidsbeauftragte Aufklärungsarbeit im zehnten Jahrgang der Schule.

Nur wer aufgeklärt ist, kann Verantwortung übernehmen

Noch bis einschließlich Freitag wird die Unterrichtseinheit „Weißte Bescheid“ angeboten. „Den Jugendlichen Wissen zu vermitteln, ist die eine Sache“, sagt Mann. „Ihnen beizubringen, es anzuwenden, ist die Andere.“ Es sei immer eine Frage der Verantwortung. Aber nur, wer aufgeklärt ist, kann auch bewusst Verantwortung übernehmen, lautet die Devise, mit der Mann an die Schüler herantritt.

Sich hinter vorgehaltener Hand und mit rotem Kopf Informationen über Sex zu beschaffen, und das Thema zu tabuisieren, sei definitiv die falsche Herangehensweise. Jugendliche, die ihre Sexualität entdecken, erste Erfahrungen sammeln und Entscheidungen treffen müssen, sind allzu oft mit einem Gefühlschaos konfrontiert.

Dabei gilt: „Je mehr Wissen ich habe, desto leichter fallen mir die richtigen Entscheidungen.“ Eine der Wichtigsten ist der Griff zum Kondom – nicht nur, um sich selbst vor Krankheiten zu schützen, sondern auch seine Mitmenschen. Ganz pragmatisch klärte Rudi Mann daher erstmal die Benutzung eines Kondoms, worauf es beim Kauf und der Aufbewahrung ankommt und – bei vielen Jugendlichen gar nicht mal so unwichtig – welche Größe die Richtige ist.

Jugendliche erfahren, wie HI-Virus übertragen wird

Bereits in der Pause hatte Rudi Mann daher gemeinsam mit Christian Schwanke und Susanne Sattler vom Kiersper Jugendzentrum den „Kondometer“ an die Jugendlichen verteilt – kurz gesagt: Ein Zentimetermaß zum Umfang messen. Was im schlimmsten Fall passieren kann, wenn man auf den Schutz verzichtet oder falsch anwendet, stand gestern im Rahmen des internationalen Weltaidstages einmal mehr im Fokus.

Die Autoimmunkrankheit kann durch verschiedene Körperflüssigkeiten übertragen werden, erfuhren die Jugendlichen. Zwar sei die Infizierung mit dem HI-Virus heute in Deutschland kein Todesurteil mehr, Aufklärung müsse aber dennoch betrieben werden.

Wie es sich mit dem Virus lebt, berichtete den Zehntklässlern Klaus Borlinghaus. Der 62-Jährige infizierte sich im Jahr 1979 an Spritzen infolge von Drogenkonsum. Belastbare Zahlen zu HIV-Infizierten für den Märkischen Kreis gibt es laut Mann nicht.

Grob schätzt er die Zahl auf 420. „Alter spielt dabei keine Rolle.“ Rudi Mann, seit 1993 in Sachen Aids unterwegs, ist bei Fragen unter der Rufnummer 9 66 66 66 (im MK ohne Vorwahl) zu erreichen. Einen kostenlosen, anonymen HIV-Antikörpertest kann jeder im Gesundheitsamt Lüdenscheid vornehmen lassen.

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