Im Herbst passieren die meisten Wildunfälle

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In der dunklen Jahreszeit leider kein seltenes Bild: Im Herbst kommt es verstärkt zu Unfällen mit Wildtieren. ▪

KIERSPE ▪ „Die Tage werden kürzer“, heißt es im Volksmund. Gemeint ist dann, dass es immer früher dunkel wird. Derzeit geht die Sonne schon gegen 16.30 Uhr unter. Die schlechten Sichtverhältnisse führen, gerade auch im hektischen Berufsverkehr, immer in der Herbstzeit zu einer steigenden Zahl von Wildunfällen.

„Hinzu kommt, dass die Tiere in dieser Zeit mehr auf den Beinen sind“, erklärt Klaus Pokrandt, Revierförster in Rönsahl. „Wenn die Felder abgeerntet sind, suchen sie sich neue Äsplätze und wechseln von dort regelmäßig zu ihren Ruhequartieren. Dabei queren sie natürlich auch die Straßen.“

Manfred Seibel von der Unteren Jagdbehörde des Märkischen Kreises kennt die genauen Zahlen für Kierspe: „Im Jagdjahr 2011/2012 (1. April 2011 bis 31. März 2012, Anm. d. Red.) wurden uns für diesen Bereich durch die Polizei insgeamt 71 Unfälle mit Wildtieren gemeldet.“ Dabei sei im überwiegenden Teil der Fälle, nämlich 51 mal, Rehwild angefahren worden. Bei weiteren Kollisionen wurden sieben Wildschweine, fünf Füchse, fünf Hasen, zwei Dachse und ein Waschbär getötet. Die Fallzahlen für die vergangenen Jahre sind ähnlich: So wurden 2010/11 alleine 65 Verkehrsunfälle mit Rehen registriert, im Jahr davor waren es 62. Markus Welz vom Fachdienst „geographische Informationssysteme“ des Märkischen Kreises hat die Wildunfälle der vergangenen Jahre statistisch ausgewertet und in einer Karte zusammengefasst. Die Straßenabschnitte, auf denen es überdurchschnittlich häufig „kracht“, sind rot markiert, etwas weniger stark betroffene Abschnitte gelb. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die Volmestraße (B 54) ab Meinerzhagen bis Brügge oft Schauplatz von Wildunfällen ist. Am stärksten betroffen ist das Teilstück zwischen Bollwerk und Oberbrügge. Die zweite rot markierte Zone auf Kiersper Gebiet ist die L 528 ab Handweiser Richtung Halver bis zum Abzweig Wipperfürth. Gelb markiert und damit ebenfalls von vielen Wildtieren gequert sind die Schnörrenbach, die Landstraße ab Wildenkuhlen Richtung Rönsahl und die K 25 ab Bollwerk in Richtung Kierspe Dorf und im weiteren Verlauf die L 528 mit den Serpentinen bis zum Handweiser.

„Viele Unfälle können vermieden werden, wenn die Autofahrer in dieser Jahrezeit etwas wachsamer fahren, die Wildwechselschilder beachten und in bewaldeten Gebieten vom Gas gehen“, macht Revierförster Pokrandt aufmerksam. „Wenn ein Tier die Straße quert, muss damit gerechnet werden, dass weitere folgen können.“ Manchmal bleiben sie auch auf der Straße stehen, wenn sie vom Fernlicht geblendet werden und orientierungslos sind. „Abblenden und hupen“ empfiehlt der Förster. Und wenn eine Kollision nicht mehr verhindert werden kann? Hier lautet die wichtigste Regel: „Der Fahrer sollte das Steuer festhalten und nicht ausweichen“, so Pokrandt. „Nicht selten enden solche Manöver an einem Baumstamm, mit schlimmen Folgen für den Fahrer.“

Wer ein Tier mit seinem Wagen erfasst hat, sollte zunächst die Unfallstelle mit einem Warndreieck sichern. „Dann empfiehlt es sich, den zuständigen Jagdpächter oder die Polizei zu informieren“, empfiehlt Pokrandt. Das ist übrigens auch im Hinblick auf den Versicherungsschutz wichtig: Sowohl die Ordnungshüter als auch der Jagdpächter können bestätigen, dass es sich um einen Wildunfall gehandelt hat. Zudem kümmert sich der Jagdpächter um verletzte Tiere. Es ist übrigens nicht erlaubt, tote oder verwundete Wildtiere ins Auto einzuladen. „Das könnte als Wilderei ausgelegt werde“, erklärt der Revierförster.

Anders sieht das natürlich bei Kleintieren, wie Eichhörnchen, Igeln oder auch bei Haustieren aus. Viele Tierarztpraxen, so auch die des Kiersper Tierarztes Dr. Christian Klaus, haben eine so genannte „Wildtierkasse“ eingerichtet, die mit Spenden von Tierfreunden gefüllt wird. Hieraus kann zumindest ein Teil der Behandlunsgkosten gedeckt werden. Derjenige, der das verletzte Tier gefunden hat und zur Behandlung bringt, muss dann nichts zahlen. ▪ ps

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