Blühende Landschaften in Kierspe

+
Die Vorsitzende der Kiersper SPD Monika Baukloh und SPD-Mitglied Albert Nedosyp präsentieren die Tüten mit dem Wildblumensamen, die sie an Kiersper verteilen möchten, um noch mehr Lebensraum für Insekten in Kierspe zu schaffen.

Kierspe – Helmut Kohl versprach einst blühende Landschaften im Osten. So ganz hat das damals nicht geklappt. Und auch die Kiersper SPD ist mit dem Ergebnis eines sieben Jahre alten Antrags noch nicht zufrieden – und will jetzt Gartenbesitzer mobilisieren, blühende Landschaften zum Wohl der Insekten zu schaffen.

Im November ist es sieben Jahre her, dass der Kiersper Rat nach einem Antrag der SPD-Fraktion der Initiative „Blühendes Band durch unser Land“ des westfälisch-lippischen Imkerverbandes beitrat.

Seitdem hat sich in der Stadt und auf den Feldern einiges getan. So findet bei jedem Bebauungsplan die Anpflanzung von Wildblumenwiesen Berücksichtigung, auch beim Volme-Freizeitpark, der damals erst in der Planung war. Bereits ein Jahr nach dem Beschluss des Umwelt- und Planungsausschusses wurden unter anderem alle Landwirte, Jäger und Kleingärtner informiert und mit einer Handlungsempfehlung ausgerüstet. „Als Sofortmaßnahme haben wir damals 100 Quadratmeter Wiese an der Straße Am Stadion bepflanzt, um Erfahrungen zu sammeln“, berichtet Bürgermeister Frank Emde im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung, an dem auch die Sachgebietsleiter Helmut Heidemann (Tiefbau) und Rainer Schürmann (Planung) teilnehmen.

„Es gab damals auch ein Projekt der Forstbetriebsgemeinschaft, das sich noch in der Planung befand und auch eines der Landwirte“, darüber wurde bereits 2014 berichtet“, erinnert sich der Bürgermeister, der weiter mitteilt: „Als 2016 der Volme-Freizeitpark gestaltet wurde, wurden dort 6930 Quadratmeter blütenreiche Biotopfläche angelegt und knapp 4000 Quadratmeter naturnahe Uferböschung.“

2019 nahmen sich die Kiersper Grünen dann des Themas erneut an und stellten einen Antrag, der Bezug auf die Aktion „Rettet die Bienen“ nahm, die damals in Bayern umgesetzt wurde. Damals wurde die Stadtverwaltung beauftragt, Flächen zu suchen, die sich als Bienenweide eignen würden und diese entsprechend zu bepflanzen. „Wir haben dann die beiden Anträge zusammengefasst und sind weiter tätig gewesen“, so Emde. So seien zwei Pflanzbeete an der Schubertstraße und ein weiteres an der Heinestraße entsprechend bepflanzt worden. Und auch der rund 100 Quadratmeter große Obsthof vor dem Rathaus habe eine entsprechende Wiese bekommen.

Weitere 4000 Quadratmeter Blumenwiese seien in der Nähe des Umspannwerks auf einem Grundstück der Stadt entstanden – davon wird aber bald wieder ein Teil verloren gehen, weil dort der neue Bike-Park entsteht.

Im vergangenen Jahr haben Kiersper Landwirte 6,5 Kilometer Blühstreifen an ihren Feldern angelegt, in diesem Jahr findet die Aktion erneut statt.

Helmut Heidemann erwähnt dann auch noch die Flächen, die im Baugebiet Östlich Rathaus entlang der Bergstraße bepflanzt worden seien und Wiesen im Bereich Thaler Bach, die nur noch extensiv bewirtschaftet werden dürften – unter anderem bedeutet das, dass diese Flächen nur einmal jährlich gemäht werden dürfen.

Abschließend berichtet Rainer Schürmann, dass man im Rahmen des städtischen Ökokontos (siehe Infokasten) plane, 18 Hektar (180 000 Quadratmeter) landwirtschaftliche Flächen, die vom Wupperverband an Landwirte verpachtet wurden, in Zukunft nur noch extensiv bewirtschaften zu lassen. „Da ist die Planung abgeschlossen und die Verträge sind in Vorbereitung“, erzählt Schürmann. Dabei übernehme die Stadt die Kosten, die sich aus der geänderten landwirtschaftlichen Nutzung ergeben würden, bekomme aber auch die Punkte, die dann aufs Ökokonto eingezahlt würden.

Untätig waren auch die Kiersper Landwirte nicht. Im vergangenen Jahr wurden 13 000 Quadratmeter Blühstreifen an Feldern angelegt. Bei einer Breite von zwei Metern ergibt sich eine Länge von 6,5 Kilometern. In diesem Jahr haben die Landwirte die Aktion wiederholt, wenngleich nun weniger Quadratmeter Feldfläche in Blühstreifen verwandelt wurden, nämlich „nur“ 12 000. „Der Unternehmer, der die Streifen anlegt, war spät dran. Da hatten einige Landwirte schon ihren Mais bis an den Feldrand gepflanzt“, erklärt Rainer Grafe, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Kierspe.

Im vergangenen Jahr hatten der Märkische Kreis und die Genossenschaft Halver die Kosten für die Samen übernommen. Der Unternehmer, der fürs Anlegen der Blühstreifen zuständig war, wurde vom Ortsverein bezahlt. In diesem Jahr hat der Verein die Kosten komplett getragen. Grafe: „Möglich wurde das durch eine Spende der Volksbank. Wir haben sogar Saatgut für 15 000 Quadratmeter gekauft. Davon haben wir Samen für 3000 Quadratmeter an Grundstücksbesitzer verschenkt.“

In diese Richtung geht auch eine Aktion der SPD Kierspe. Die Kiersper Parteivorsitzende Monika Baukloh hofft, so viele weitere Grundstücks- und Gartenbesitzer zu motivieren, Wildblumenwiesen anzulegen. Dazu hat der Ortsverein größere Mengen Saatgut gekauft und in selbst gestaltete Tütchen abgepackt, die nun bei den SPD-Mitgliedern vorrätig sind und dort abgeholt werden können. Aber auch Kiersper, die sich über die Homepage oder die Facebook-Seite der Kiersper SPD an die Genossen wenden, bekommen die Tütchen. „Wenn wir in den kommenden Wochen wieder mit unserer Ape unterwegs sind, haben wir natürlich auch Wildblumensamen dabei, den sich jeder am Fahrzeug abholen kann“, verspricht Baukloh.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare