Hausärztemangel

Medizinisches Versorgungszentrum in Kierspe: Nur die Trägerschaft ist unklar

Hausärztemangel im ländlichen raum ist ein Thema, dem mit einem MVZ begegnet werden soll. Offene Fragen bleiben. Das letzte Wort hat der Stadtrat.
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Hausärztemangel im ländlichen Raum ist ein Thema, dem mit einem MVZ begegnet werden soll. Offene Fragen bleiben. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

Kierspe – Ein Medizinisches Versorgungszentrum ist in Kierspe schon länger Thema in Politik und Verwaltung. Ein solches MVZ soll die Versorgung mit Hausärzten in Zukunft sicherstellen und damit das Problem der Ärzteversorgung, gerade im ländlichen Raum, angehen. Unklar bleibt die Rechtsform. Es bestehen mehrere Möglichkeiten und Kooperationen.

Kierspe soll ein sogenanntes Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) bekommen, um die Versorgung mit Hausärzten in der Volmekommune langfristig zu sichern – das ist ein Thema, das Politik und Verwaltung schon lange beschäftigt. Eine der grundlegenden Fragen, um dieses MVZ auf den Weg zu bringen, soll nach Möglichkeit noch in diesem Jahr geklärt werden, erklären Bürgermeister Franke und Beigeordneter Olaf Stelse. Dabei handelt es sich keineswegs um die Frage nach einem möglichen Standort, sondern vielmehr die nach der Rechtsform.

In Frage kämen für die Trägerschaft eines solchen Zentrums laut Emde zwei Varianten: eine Anstalt öffentlichen Rechts (AÖR) oder eine Genossenschaft. Letzteres wäre in Nordrhein-Westfalen bislang einmalig. Die Stadt Kierspe hat daher den Genossenschaftsverband NRW damit beauftragt zu prüfen, welche rechtlichen Voraussetzungen für eine solche Genossenschaft erfüllt sein müssen, wie das Modell umgesetzt werden kann und welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit es sich wirtschaftlich rechnet. Sobald dieses Angebot vorliegt, worauf Emde schon in Kürze hofft, soll es den politischen Gremien vorgelegt werden.

Stadtrat muss entscheiden

Letztlich muss der Stadtrat entscheiden, ob eine Genossenschaft oder doch eine AÖR am Beispiel von Neuenrade für Kierspe und etwaige weitere Partner gewählt werde. Denn sowohl aus Halver als auch aus Plettenberg gebe es Interesse an einer Kooperation für ein MVZ. Ob und wie weit solch eine Zusammenarbeit über Stadtgrenzen hinweg umgesetzt werden kann und soll, müsse ebenfalls in den politischen Gremien geklärt werden.

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, könne das Verfahren zur Umsetzung eingeleitet werden. Dafür sind, je nachdem ob es eine AÖR oder eine Genossenschaft wird, unterschiedliche Schritte notwendig. Wie lange es letztlich dauern könne, bis man eine Zulassung für ein MVZ bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) beantragen kann, wagen Emde und Stelse nicht zu prognostizieren. Aber neben diesen Formalia ist es vor allem wichtig, Ärzte zu finden, die sich in einem solchen MVZ einbringen. Und das müssen nicht zwingend neue Kandidaten sein – auch Mediziner, die sich bereits mit einer Praxis niedergelassen haben, könnten Teil eines MVZ werden. Deshalb hat Emde begonnen, Gespräche mit allen Medizinern vor Ort zu führen.

Kierspe nicht mehr im Förderverzeichnis der KV

Und wegen all dieser grundlegenden Fragen sei die Frage nach einer Immobilie für ein MVZ erst einmal zu vernachlässigen. Erst müsse klar sein, ob überhaupt neue Räume gebraucht würden, und wenn ja, in welchem Ausmaß. Außerdem müssen Emde und Stelse einen weiteren Wermutstropfen auf dem Weg zu einem MVZ hinnehmen: Fördermittel werde es nach derzeitigen Stand dafür wohl nicht mehr geben. Seit Mitte August wird Kierspe nicht mehr im Förderverzeichnis der KV geführt. Das liege daran, dass für Kierspe bereits Fördermittel für so viele Praxen bewilligt wurden, dass der drängende akute Bedarf an Hausärzten gedeckt werden könne.

Auch wenn das wiederum erfreuliche Nachrichten seien, ist das für Emde kein Grund, mit dem Bemühen um ein MVZ und mit der Suche nach weiteren Ärzten, die sich in Kierspe niederlassen wollen, nachzulassen. Denn auch wenn sich, nicht zuletzt dank Dr. Cristina Saulescu, die die Praxis von Martin Romeike übernommen hat, und Inna Mityushkin, die eine neue Praxis eröffnet hat, die Lage etwas entspannt hat, bleibt die Hausärzteversorgung im ländlichen Raum ein schwieriges Thema, das langfristig tragbare Lösungen braucht. Zumal nicht nur in Kierspe in absehbarer Zeit weitere Ärzte das Ruhestandsalter erreichen werden.

Attraktives Arbeitsumfeld wichtig

Eine Möglichkeit dafür sei eben der systematische Aufbau eines MVZ, ist Emde sicher. Denn der medizinische Nachwuchs ist bekanntlich rar gesät und in die ländlichen Gebiete wollten viele junge Ärzte nicht – deshalb sei ein attraktives Arbeitsumfeld ein wichtiges Kriterium, um damit zu punkten.

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