Schulstreiks am Freitag

Protest für das Klima: Kiersper Schüler beteiligen sich an "Fridays For Future"

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Vor dem Rathaus versammelten sich die Teilnehmer der Demonstration, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

Kierspe - „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Der Vorwurf der Gesamtschüler und ihre Unzufriedenheit mit der derzeitigen Klimapolitik waren am Freitag unüberhörbar – zumindest auf den wenigen Hundert Metern von Schule zum Rathaus.

Deutliche Worte findet ein Ehepaar, das in dem Moment das Rathaus verlässt, in dem der Demonstrationszug aus rund 350 Schülern den Verwaltungssitz erreicht. In Formulierungen, die an der Bildung und Kinderstube der Kritiker zweifeln lassen, weisen sie auf die Schulpflicht hin.

Dass es sich bei der Demonstration um eine Schulveranstaltung und damit letztlich um Unterricht handelt, können und wollen die beiden nicht verstehen.

Seit Wochen demonstrieren Schüler im ganzen Land aber auch in anderen Staaten Europas gegen den Klimawandel und für ein schnelleres Handeln der Politik. Immer freitags gehen die jungen Menschen auf die Straße. 

In Kierspe blieb es aber lange ruhig. Doch das war nur die Außenwahrnehmung. Kann doch die Verbindungslehrerin Claudia Koch berichten, dass die Schüler sich über die SV bereits vor Wochen an die zuständigen Lehrer gewandt hätten, um auch ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. „Wir haben uns dann dazu entschlossen, aus dem Protest eine Schulveranstaltung zu machen, weil wir unseren Kindern helfen müssen, aktiv zu werden. Weil sie häufig aus völlig unpolitischen Elternhäusern kommen oder ganz wenig mitbekommen. Wir wollen ihnen einen Weg zeigen, sich einzumischen.“

So sieht das auch Schulleiter Johannes Heintges: „Ich bin stolz auf die Schüler. Und für uns Lehrer ist die politische Bildung und das Vermitteln von Maßnahmen zur Durchsetzung eigener Ziele ein zentraler Bildungsauftrag.“

Bürgermeister Frank Emde empfing die jungen Klimaaktivisten.

Die rund 350 demonstrierenden Schüler selbst finden Gehör bei Bürgermeister Frank Emde, der die Demonstranten vor dem Rathaus begrüßt: „Junge Menschen haben einen Anspruch darauf, ihre Forderungen zu stellen.“ Diese Forderungen können die Jugendlichen auch ganz klar formulieren – und alle haben einen lokalen Bezug. So wollen sie einen besseren Nahverkehr, um zu verhindern, dass Eltern jeden Schüler einzeln zu Veranstaltungen fahren müssen. Sie wünschen neue Mülleimer in der Schule, mit denen sie auch ihren Müll besser trennen können, aber auch weitere Möglichkeiten des Energiesparens in der Schule.

So berichten sie dem Bürgermeister von Heizkörpern in den Klassenräumen, die sich nicht regulieren lassen. „Das führt dazu, dass wir bei laufenden Heizkörpern die Fenster öffnen müssen, um zu große Hitze in den Räumen zu verhindern.“

Und mal so richtig in Fahrt gekommen, werden dann auch noch zusätzliche Abfallkörbe in der Stadt gefordert – und jenseits des Klimawandels – auch mehr Sitzgelegenheiten an der Schule.

Grundsätzlich kann der Bürgermeister aber alle Forderungen noch einmal nachlesen, bekommt er doch von den Schülern eine Unterschriftenliste mit den Forderungen übergeben.

Mitglieder der Schülervertretung überreichten am Rathaus ihre Forderungen und Unterschriftenlisten.

Weit mehr als eine halbe Stunde hört Emde zu, antwortet und diskutiert. Als er vorschlägt, dauerhaft politisch aktiv zu werden, beispielsweise in einem Jugendparlament, verstehen das einige Schüler als Kritik. „Ich fand es gut, dass sich der Bürgermeister Zeit für uns genommen hat, aber er hätte nicht gleich Gegenforderungen stellen sollen“, formuliert es eine Schülerin.

Der Schüler Noah Knithakkis kündigt an, dass diese Demostration nicht die letzte gewesen ist. „Ich kann mir gut vorstellen, auch mit anderen Schulen, vielleicht aus Lüdenscheid, eine noch größere Demonstration auf die Beine zu stellen. Denn es muss jetzt etwas geschehen, sonst ist es zu spät.“

Es ist vielen Schülern anzumerken, dass sie jetzt Ergebnisse von den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft fordern.

Fridays For Future

Fridays For Future (Freitage für die Zukunft; ursprünglich schwedisch „Skolstrejk för klimatet“) ist eine globale Schüler- und Studierendenbewegung, die sich für Klimaschutz einsetzt. Nach dem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg gehen Schüler freitags während der Unterrichtszeit auf die Straßen und protestieren. Der Protest findet weltweit statt und wird von den Schülern und Studierenden selbst organisiert. Die Schulverweigerung soll auf die Vernachlässigung des sozialen Aspekts der Klimapolitik aufmerksam machen, wie die – aus Sicht der Schüler – mangelnde Einsatzbereitschaft von Politikern für den Klimaschutz.

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