Zeugen gesucht

Mutmaßlicher Baumstumpf-Anschlag legt Regionalbahn lahm - Polizei mit dringendem Appell

Gegen 18 Uhr endete die Fahrt für die Fahrgäste der RB 25.
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Gegen 18 Uhr endete die Fahrt für die Fahrgäste der RB 25.

Ein Zug muss anhalten. Der Grund: Ein Stück Holz auf der Fahrbahn. Die Polizei hat einen üblen Verdacht.

Kierspe - Die Regionalbahn RB 25 musste am Donnerstag ihre Fahrt nach Köln unterbrechen. Gegen 18 Uhr endete die Fahrt für die zwölf Fahrgäste, nachdem der Zug gerade in Kierspe den Bahnübergang am Herlinghauser Weg passiert hatte. Es gab ein kräftiges Ruckeln, eine Notbremsung wurde eingeleitet. 

"Der Triebfahrzeugführer der Bahn erkannte während der Fahrt in einer Kurve einen auf den Gleisen liegenden Gegenstand und leitete sofort eine Schnellbremsung ein. Trotz dieser Bremsung überfuhr der Zug den Gegenstand, schleifte ihn mit und kam nach etwa 150 Metern zum Stehen", erklärte die Bundespolizei am Freitag.

Baumstumpf auf Bahngleisen: Polizei leitet Strafverfahren ein

Die Bundespolizei ist sich sicher, dass der Baumstumpf von jemandem auf die Gleise gelegt wurde und hat ein Strafverfahren wegen des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet. Personen, die sachdienliche Hinweise zur genannten Tat geben können, sollen sich unter der Nummer 0800/6 888 000 an die Bundespolizei oder jede andere Polizeidienststelle wenden.

"Des Weiteren weisen wir dringend auf die bestehende Gefahren hin. Wenn ein Zug Gegenstände überfährt, können diese bersten. Herumfliegende Splitter sind geeignet, Menschen im Umfeld lebensgefährlich zu verletzen. Ebenso lebensgefährlich ist es, Bahngleise zu betreten. Züge nähern sich oft lautlos, bemerkt man sie, kann es schon zu spät sein", betonte die Bundespolizei am Freitag.

Baumstumpf auf Bahngleisen: Lokführer dachte zunächst an Wildunfall

Lokführer und Zugbegleiter dachten im Moment des Aufpralls an einen Wildunfall und waren nach erster Prüfung der Lage sehr erleichtert: Weder kamen Passagiere noch ein Tier zu Schaden. Als Ursache wurde schnell ein Baumstamm ausgemacht, der sich unter dem Zug verkeilt hat. Ein Notfallmanager der Bahn wurde alarmiert, und der rief die Feuerwehr.

Die Feuerwehr Kierspe beseitigte den Baumstumpf.

Die hatte es nicht weit: Ein Teil des ausgerückten Löschzugs 4 musste quasi nur die B54 überqueren, das Gerätehaus der Löschgruppe Vollme befindet sich in unmittelbarer Nähe. Den insgesamt 23 Kräften der Einheit Vollme-Neuenhaus gelang es mit Geschick und schwerem Gerät schnell, den verkeilten Baumstamm unter der Regionalbahn wegzuziehen. Eine gründliche Kontrolle der Technik ergab, dass der Zug nicht beschädigt wurde, auch der Lokführer sah sich in der Lage, nach nunmehr eineinhalb Stunden die Fahrt fortzusetzen. Sehr zur Erleichterung der vier noch verbliebenen Passagiere, die keine Möglichkeit gefunden hatten, aus der misslichen Lage - rund 200 Meter vom Bahnübergang entfernt - wegzukommen.

Regionalbahn stoppt: Holz auf dem Gleis

Der "Übeltäter", ein abgesägtes Stück eines Holzstammes mit Länge und Durchmesser von jeweils etwa 50 Zentimetern, lag neben den Gleisen im Gras. Ein Detail ist dabei pikant: Die aus Hagen angerückte Bundespolizei ist sicher, dass jemand den Vorfall vorsätzlich herbeigeführt hat. Dass ein Ast oder Baumstamm auf die Gleise fällt, ist an dieser Stelle durchaus vorstellbar. Nicht aber ein Stück Holz, dass offensichtlich sauber mit der Kettensäge abgetrennt wurde.

Dieser Stamm lag auf den Gleisen.

Die beiden Beamten und auch der Notfallmanager der Bahn vermuten deshalb, dass der Holzscheit absichtlich auf den Gleisen abgelegt wurde. Dass die Folgen glimpflich ausfielen, war für die Betroffenen ein glücklicher Zufall. Die Sache hätte wesentlich schlimmer enden können: "Die modernen Triebwagen sind viel leichter als alte Loks. So ein Baumstamm hat durchaus das Potential, so einen Zug aus den Gleisen zu hebeln", erklären die Experten das Risiko dieser Aktion. Mehr als den Vorfall zu dokumentieren, konnten sie vor Ort zunächst nicht.

Gefährlicher Vandalismus keine Seltenheit

In der Gegend ist das bei Weitem nicht der erste Fall von gefährlichem Vandalismus: An dem Bahnübergang am Herlinghauser Weg wurden vor einigen Wochen ein Schaltschrank aufgebrochen und dicke Kabel quer auf die Gleise gelegt. Diese wurden dann vom darüberfahrenden Zug zertrennt.

Das Stück Holz musste aufwendig entfernt werden. Hier sind nur noch Absplitterungen zu sehen.

Erst am frühen Donnerstagmorgen haben unbekannte Täter an gleich drei Stellen in Kierspe sogenanntes "Trassenwarnband" in Kniehöhe über die Straße gespannt. Ein gefährliches Unterfangen, zumal hier kein dünnes Flatterband zum Einsatz kam, mit dem beispielsweise Gefahrenstellen markiert werden.

Das verwendete Material ist wesentlich dicker. Glücklicherweise ist ein Autofahrer sehr schnell auf die Aktion aufmerksam geworden, und die Polizei konnte alle drei Gefahrenstellen schnell beseitigen. Ermittelt wird nun wegen "gefährlichem Eingreifen in den Straßenverkehr".

Ermittlungen wegen Brandstiftung in nahegelegenem Ort

Wegen Brandstiftung wird inzwischen in drei Fällen im nahegelegenen Ortsteil Bollwerk ermittelt. Hier kam es innerhalb kurzer Zeit zu mehreren, teil schweren Bränden - und die Anwohner haben Angst, ein Feuerteufel könne sein Unwesen treiben. Auch wenn die Abläufe dieser Ereignisse auf den ersten Blick überhaupt nicht miteinander vergleichbar sind, so gibt es die Gemeinsamkeit, dass der oder die Täter aus purem Zerstörungswillen handeln und dabei enorme Risiken und Gefahren in Kauf nehmen - auch für Menschenleben.

In Lüdenscheid wurde zuletzt ein Bolzplatz Opfer von Vandalismus. Die Menschen sind fassungslos.

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