Verhandlung vor dem Amtsgericht Lüdenscheid

Drei Angeklagte machen Stress auf friedlichem Open-Air-Volleyballturnier

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Gegen die "Ruhestörer" wurde vor dem Lüdenscheider Amtsgericht verhandelt.

Kierspe – Alkoholkonsum hat manchmal paradoxe Folgen: Anstatt sich zufrieden zurückzulehnen, möchten manche Betroffene immer noch mehr. So wohl auch drei Angeklagte, die sich in einem ersten Anlauf im Amtsgericht Lüdenscheid wegen Körperverletzung und Bedrohung verantworten mussten.

Einer der Verteidiger schilderte den Hintergrund des Geschehens auf dem Sportplatz am Stadion: „Es gibt dort immer ein riesiges Open-Air-Volleyballturnier – mit 20 Mannschaften und gemeinsamem Zelten in friedlicher Atmosphäre“ Am 19. Mai 2018 waren es die drei Angeklagten aus Kierspe und Meinerzhagen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren, die dafür verantwortlich waren, dass das Sportfest nicht völlig friedlich blieb. Sie waren „die einzigen Fremden auf dem Platz“.

Nach eigenen Angaben hatten sie vier Flaschen Wein mit Fanta und drei Flaschen Jägermeister intus, als ihnen kurz nach Mitternacht die Vorräte ausgingen. Laut Anklage forderten sie von den dort nächtigenden Sportlern die Herausgabe von Bierflaschen. Der 29-jährige Hauptangeklagte soll sogar eine Bierflasche an einer Laterne zertrümmert und die Angesprochenen damit bedroht haben. Ein Zeuge erinnerte sich an die damit verbundene Behauptung des Angeklagten, er sei schon im Jugendarrest gewesen. Ihm sei alles egal. Kurz darauf habe er die abgebrochene Flasche aber beiseitegelegt. 

Angreifer überwältigt

Einer der Sportler – ein anderer Zeuge beschrieb ihn als „Kante“ – nutzte die Chance, um den Angreifer zu Boden zu bringen. Die „Kante“ war auch im Amtsgericht Lüdenscheid sofort als solche zu erkennen. Der Kinderkrankenpfleger aus einer kinderpsychiatrischen Einrichtung in Essen brachte sein gutes Erinnerungsvermögen in Zusammenhang mit der nötigen Verhaltensbeobachtung in seinem Beruf. 

„Die Angeklagten sind eigentlich willig, aber da war zu viel Alkohol im Spiel“, fasste Richter Wolfram Arnold die Schwierigkeiten der Beweisaufnahme zusammen. „Sie wollen es ja gar nicht bestreiten, aber wir müssen es lückenlos aufklären.“ Denn die Angeklagten waren grundsätzlich geständig, hatten aber nur bruchstückhafte Erinnerungen. Einer von ihnen bestritt sogar, dass er mit seinen Mitangeklagten unterwegs war. Andererseits nannte er aber den gleichen Grund, auf die Sportler etwas ruppig und zumindest mit einer Kopfnuss zuzugehen: „Als bei uns kein Alkohol mehr da war, wollte ich bei der anderen Gruppe nachfragen.“ Er behauptete, ohne seine beiden Mitangeklagten mit ganz anderen Begleitern und Begleiterinnen auf den Platz gekommen zu sein.

Chaos wird nun geordnet

Insgesamt schien er bei der Keilerei desorientiert gewesen zu sein: „Ich weiß nicht, was um mich herum passiert ist.“ Auch die Zeugen auf der Seite der Sportler hatten nur einen eingeschränkten Blick auf das tumultartige Geschehen mit vielen Beteiligten, das sich nach dem Eintreffen der Polizei noch steigerte. Dazu fehlten im Amtsgericht mehrere Zeugen, die als unverzichtbar eingeschätzt wurden. Auch Polizeibeamte hatten sich entschuldigt. Weitere mögliche Zeugen wurden im Laufe der Verhandlung benannt, was Richter Wolfram Arnold schließlich veranlasste, das Verfahren für diverse Nachermittlungen vorläufig auszusetzen. Das Chaos muss geordnet werden.

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