DRK Kierspe

4 Minuten, die ein Leben retten: Helfer vor Ort seit 15 Jahren aktiv

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Drei von zwölf Helfern vor Ort: Christian Immig, Nadine Ley und Jan Bender (von links).

Kierspe - Was sind schon vier Minuten? Für einen Schwerverletzten sind sie eine Ewigkeit. Gut, dass es die Helfer vor Ort gibt, die rund vier Minuten vor dem Rettungsdienst eintreffen, wenn sich der Not- oder Unfall in Kierspe ereignet. Mittlerweile können die Ehrenamtlichen ihren 15. Geburtstag feiern.

Manchmal reicht es schon, die Hand des Patienten zu halten – ein anderes Mal ist eine Herzdruckmassage zur Wiederbelebung unverzichtbar. Die Helfer vor Ort wissen nie, was sie eben dort, vor Ort, erwartet. Zwar teilt die Rettungsleitstelle schon grob die Art des Notfalls mit, doch wie sich die Situation verändert und was im Detail passiert ist, das erfahren die Ehrenamtlichen erst nach dem Eintreffen. 

Und dann sind die Helfer meist die Ersten – das ist so gewollt, sollen sie doch die Zeit mit ersten Hilfsmaßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und des Notarztes verkürzen.

Funkmeldeempfänger immer eingeschaltet

Nadine Ley, Jan Bender und Christian Immig sind drei von insgesamt zehn bis zwölf Helfern von Ort, die in Kierspe ihren Dienst verrichten. Immer in der Zeit zwischen 18 und 6 Uhr an Wochentagen und zwischen Freitag, 18 Uhr, und Montag, 6 Uhr, sind die Helfer in Bereitschaft.

„Dann dürfen wir zwar innerhalb des Stadtgebietes alles tun, doch ein Überfahren der Stadtgrenzen ist dann nicht möglich“, erklärt Immig. Einkaufen im Petz, Arbeiten im Hobbykeller, Grillen mit Freunden – all das geht, doch am Gürtel hat der eingeschaltete Funkmeldeempfänger seinen Platz – und in der Nähe steht der Einsatzwagen. 

Seit einigen Jahren verfügt das Kiersper DRK über zwei VW Tiguan, mit denen die Helfer vor Ort zum Einsatz fahren. Sonderzeichen nennen sich Blaulicht und Martinshorn bei den Fachleuten. Und diese Sonderzeichen setzen die Helfer ein, allerdings nur, wenn sie auch einmal im Jahr im richtigen Gebrauch unterrichtet wurden.

Das Retten von Menschen zum Beruf gemacht

Überhaupt ist die Ausbildung der Ehrenamtlichen das A und O. Mindestens die Ausbildung zum Sanitätshelfer muss ein Mitglied der Kiersper Truppe absolviert haben, viele sind aber deutlich höher qualifiziert. Jan Bender beispielsweise kam vor elf Jahren zum Kiersper DRK, um dort Ersatzdienst, statt der noch existierenden Wehrpflicht zu leisten. Fünf Jahre hätte er bleiben müssen, doch er ist noch immer dabei. Mehr noch, die ehrenamtliche Arbeit hat ihn so geprägt, dass er das Retten von Menschen zu seinem Beruf gemacht hat. 

Der Rettungsassistent ist heute hauptberuflich beim Rettungsdienst im Kreis Siegen-Wittgenstein tätig – und ehrenamtlich übernimmt er so zwei bis drei Schichten im Monat bei den Helfern vor Ort. Darüber hinaus ist er seit kurzem auch noch Rotkreuzleiter in Kierspe.

Ganz anders der Werdegang von Christian Immig, der seit 2014 dem DRK Kierspe angehört. Eigentlich ist der Kiersper Werkzeugmacher. Dass er heute Helfer vor Ort ist, verdankt er einem Unfall. Keinem, den er selbst hatte, sondern einem, an dem er auf dem Heimweg vorbeikam.

„Ich war damals als erster da und habe dem Unfallopfer geholfen, da habe ich gemerkt, dass die Ersthelferschulung, die ich für meinen Führerschein machen musste, nicht ausreicht“, erinnert er sich. Immig entschied sich daraufhin, zum DRK Kierspe zu gehen. Mittlerweile ist er Rettungshelfer, will sich aber zum Rettungssanitäter weiterbilden. Damit erreicht er dann auch die höchste Ausbildungsstufe, die vor Ort absolviert werden kann.

Blick in den Kofferraum des Einsatzfahrzeuges der Helfer vor Ort.

Neben dem Sanitätshelfer (Ausbildung an sechs Wochenenden), dem Rettungshelfer (14-tägiges Praktikum auf einer Rettungswache und 80 Stunden Unterricht) wird in Kierspe eben auch der Rettungssanitäter (Aufbaulehrgang von 80 Stunden, 160 Stunden in der Klinik und 80 Stunden auf der Rettungswache) ausgebildet. Weiterführende Ausbildungen zum Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter sind in Kierspe nicht mehr möglich. Diese Ausbildungen richten sich auch an hauptberuflich im Rettungsdienst Tätige.

„Vor allem das Praktikum auf der Rettungswache ist wichtig. Dann haben die Helfer vor ihrem ersten Einsatz auf jeden Fall schon mal einen Patienten gesehen“, sagt Bender. Sicher keine schlechte Entscheidung, denn im Einsatz wird von den Helfern einiges erwartet. Sie verbinden Wunden, bereiten Zugänge und Infusionen für den Rettungsdienst vor, geben Sauerstoff oder beginnen mit der Herzdruckmassage, oftmals verbunden mit dem Einsatz eines Defibrillators. Wenn dann der Rettungsdienst und der Notarzt eintreffen, treten die Helfer in die zweite Reihe. „Mittlerweile wissen die Hauptberuflichen unsere Arbeit zu schätzen und lassen uns auch weiter mitarbeiten“, freut sich Immig über die gute Zusammenarbeit.

Helfer sind zum Teil unverzichtbar

Bei großen Einsatzlagen wie Unfällen mit mehreren Verletzten ist die Hilfe der Helfer nahezu unverzichtbar. Da ist es dann auch gut, dass es immer zwei Helfer sind, die gemeinsam auf einer Schicht zusammenarbeiten.

Natürlich bleibt jeder dort, wo er sein möchte, doch im Alarmierungsfall hat jeder der beiden einen Wagen zur Verfügung. Bender: „Vor allem, wenn eine Herzdruckmassage notwendig wird, ist es eine deutliche Erleichterung zu zweit arbeiten zu können.“

Doch spätestens, wenn der Einsatz vorbei und der Notfallrucksack wieder im Auto verstaut ist, wird klar, dass die Einsätze auch an den Helfern nicht spurlos vorüber gehen. „Vor allem, wenn Kinder betroffen sind, wird ein Einsatz schnell belastend. Doch da passen wir gegenseitig aufeinander auf. Aber natürlich haben auch wir die Möglichkeit, einen Notfallseelsorger oder das überörtliche PSU-Team (Psychosoziale Unterstützung) anzufordern“, erklärt Bender.

Unterstützung für die Helfer vor Ort

Die Helfer vor Ort benötigen Hilfe, oder besser gesagt, Freiwillige, die bereit sind, die Kiersper Gruppe zu verstärken. Fares Bäcker von den Helfern vor Ort informiert am 6. und 20. Februar, jeweils ab 19.30 Uhr, im DRK-Heim, Heideweg 6, über die Arbeit der Helfer und die Ausbildungsmöglichkeiten beim Deutschen Roten Kreuz in Kierspe. An diesem Ehrenamt Interessierte können sich per Mail unter Helfer-vor-Ort@drk-kierspe.de für die Veranstaltung anmelden.

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