Volkstrauertag: Drei Gedenkfeiern in Kierspe

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Mit der Kranzniederlegung zu Ehren der Kriegsopfer durch Ortsbürgermeister Horst Becker in Assistenz von Holger Scheel endete die Feierstunde am Ehrenmal in Rönsahl. –

KIERSPE/RÖNSAHL – Auch in Kierspe wurde anlässlich des Volkstrauertages mit Gedenkfeiern auf dem Soldatenfriedhof am Büscherweg, am Ehrenmal an der Kölner Straße sowie am Ehrenmal in Rönsahl der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht.

Bei der Gedenkstunde auf dem Soldatenfriedhof sprach Pastor Stefan Wilczewski zu den Anwesenden. „Am Volkstrauertag trauert ein ganzes Volk nicht nur wegen der riesigen Zahl der Toten, sondern auch weil dieses zahlreiche Sterben im Zusammenhang eines politischen Geschehens in Deutschland eingetreten ist“, so Wilczewski. „Hier liegen nicht nur Einzelschicksale. Die Toten waren nicht nur zur falschen Zeit am falschen Ort, sondern es war die beabsichtigte, zwangsläufige Konsequenz eines politischen Geschehens, eines gesamtgesellschaftlichen deutschen Handelns“, mahnte der Pastor. „Die Grabsteine der gestorbenen Soldaten sind ein Mahnmal für uns, die Toten zu würdigen und Verantwortung für unser Land, für unsere Mitmenschen zu übernehmen. Wir sind aufgerufen, das, was uns möglich ist zu tun, damit Krieg und Gewalt keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.“

Nach der Kranzniederlegung am Ehrenmal des Soldatenfriedhofs wurde auch am Denkmal der Zwangsarbeiter ein Kranz niedergelegt. Musikalisch wurde die Gedenkstunde von der Stadtkapelle und dem Männerchor Kierspe begleitet.

Auch am Ehrenmal an der Kölner Straße eröffnete die Stadtkapelle die Feierstunde. Gemeinsam mit den Schützen des ASV, Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr, Vertretern aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft gedachte sie der weltweiten Opfer von Terror, Gewalt und Krieg.

Seine Ansprache leitete Georg Seidel mit persönlichen Erinnerungen an das Schicksal seiner Familie, die während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat Schlesien im Viehwaggon verlassen musste, und an die Kriegsgefangenschaft seines Vaters ein. Weit spannte er den Bogen von Anhängern rechtsnationalen Gedankenguts in Deutschland, die in den letzten Jahren unbehelligt friedliche Migranten im Bundesgebiet erschossen, bis hin zum norwegischen Attentäter Anders Breivik. „Wir werden den Terror vielleicht nie beseitigen, aber wir müssen gegen ihn angehen“, lautete Seidels eindringlicher Appell.

Er erinnerte auch an Menschen mit Behinderungen, die während der Nazidiktatur gequält und als „Versuchskaninchen“ missbraucht wurden. Soldatenfriedhöfe in ganz Europa legten Zeugnis vom Tod hunderttausender Soldaten der Weltkriege ab. „Mit welchem Recht hat man Menschen in dieses Grauen geschickt?“, hinterfragte Seidel kritisch.

Martin Ahlhaus: „Wagen wir mehr Zivilcourage“

Bei der Gedenkfeier am Ehrenmal in Rönsahl, die von Liedbeiträgen des evangelischen Kirchenchores und des Posaunenchores umrahmt wurde, sprach Martin Ahlhaus zu den Anwesenden. Auch 67 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs, in dem Millionen von Menschen Gewalt, Verfolgung, Folter, Flucht und Vertreibung erdulden und ihr Leben lassen mussten, sei das Erinnern an den von einem menschenverachtenden System angezettelten mörderischen Krieg und an unsägliches Leid, das die Schergen des Naziregimes über Länder und Völker gebracht hätten, geradezu unerlässlich, mahnte der Seelsorger. „Wir in Deutschland werden daran gemessen, wie wir heute damit umgehen. Die Nachrichten über Gräueltaten mit nazistischem Hintergrund selbst noch in unseren Tagen, rechte Propaganda und die Tatsache, dass die Verderben bringende Ideologie des Nationalsozialismus immer noch nicht ausgerottet zu sein scheint, beschämt unser Land, macht mich erschrocken und wütend zugleich.“

Der Volkstrauertag stehe auch 2012 im Zeichen des Erinnerns an die Schrecken einer unseligen Vergangenheit, mahne eingedenk der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen und sichtlichen Unrechts in aller Welt deshalb eindringlich, die zarte Pflanze von Frieden und Eintracht im Großen wie im Kleinen zu hegen und zu pflegen, so Ahlhaus sinngemäß. Die Konsequenz dessen könne deshalb nur lauten: „Wagen wir mehr Zivilcourage und den Mut zu gelebter Demokratie.“ – dr/msh/cr

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