Gutachten: "Paranoide Schizophrenie"

Junge Mädchen belästigt: Prozess gegen 37-Jährigen beendet

In Hagen ist wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen einen psychisch auffälligen Mann verhandelt worden, der in Kierspe, aber wohl auch in Portugal sein Unwesen getrieben hat.
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In Hagen ist wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen einen psychisch auffälligen Mann verhandelt worden, der in Kierspe, aber wohl auch in Portugal sein Unwesen getrieben hat. (Symbolbild)

Mit einem Freispruch ist der Prozess gegen einen 37-jährigen Kiersper zu Ende gegangen, der am 25. Mai 2019 auf dem Skaterplatz der Stadt zwei neunjährige Mädchen sexuell belästigt hatte.

  • Vor dem Landgericht Hagen ist der Prozess gegen einen 37-jährigen Kiersper zu Ende gegangen.
  • Dem Mann war vorgeworfen worden, zwei Mädchen sexuell belästigt zu haben. 
  • Der Richter sprach den Angeklagten frei.

Kierspe - Das Landgericht Hagen ging wie der psychiatrische Gutachter davon aus, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. In seiner Schilderung des Geschehens hatte der 37-Jährige seinen Exhibitionismus und einenGriff in den Schritt eines der Mädchen als Ergebnis satellitengestützter Fernsteuerung durch den chinesischen Geheimdienst beschrieben

„So etwas verurteile ich selber. Ich habe das nicht im Geringsten gewollt. Ich weiß, was sich gehört“, beteuerte er in seinem letzten Wort. 

Zuvor hatte der psychiatrische Gutachter Bernhard Bätz dem 37-Jährigen eine „paranoide Schizophrenie“ attestiert – mit Halluzinationen und einem „Verfolgungs- und Bedrohungswahn“. „Er war völlig von einer fremden Macht übernommen, bis er seine Steuerungsfähigkeit wiedererlangte.“ Der Gutachter hielt es für wahrscheinlich, dass der 37-Jährige ähnliche Taten auch in Zukunft begehen werde.

So begründet der Richter den Freispruch

Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz begründete den Freispruch mit der aufgehobenen Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten. Bei einem gravierenderen Eingriff mit entsprechend schweren Folgen für die körperliche und seelische Unversehrtheit von Kindern hätte dem 37-Jährigen die zunächst unbefristete Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung gedroht. 

Der Vorsitzende erinnerte daran, dass ein solcher Einweisungsbeschluss „die härteste Nebenfolge eines Strafprozesses“ ist. Der Übergriff auf dem Skaterplatz in Kierspe erreiche nicht die dafür vom Gesetzgeber vorgesehene „Erheblichkeit“. Die beiden betroffenen Kinder aus Kierspe hatten vor Gericht den Eindruck bestätigt, dass das völlig überflüssige „Erlebnis“ sie „nicht erheblich körperlich oder psychisch geschädigt“ hatte. „Das muss die Gesellschaft noch hinnehmen“, erklärte der Vorsitzende.

Anspruch auf Haftentschädigung nach Aufenthalt in forensischer Klinik

Auf der Zielgeraden der Strafsitzung war noch geklärt worden, dass eine Aufklärung der dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten in Portugal vermutlich auf große Schwierigkeiten stoßen werde. Die Beweislage für den angeblichen sexuellen Missbrauch zweier Mädchen sei zweifelhaft. „Die Täterschaft des Angeklagten festzustellen, wäre ziemlich aussichtslos“, stellte der Vorsitzende fest.

Für den zwangsweisen Aufenthalt in der forensischen Klinik in Lippstadt-Eickelborn vom 23. Januar bis gestern hat der Kiersper Anspruch auf Haftentschädigung. Das wird ihm beim Erreichen der gesteckten Ziele helfen, von denen er zum Abschied berichtete: „Mein Leben weiter ordentlich gestalten und an meinem Roman schreiben.“

Missbrauchs-Fälle im Märkischen Kreis 

Ebenfalls am Landgericht Hagen war der Fall gegen zwei Eheleute aus Meinerzhagen verhandelt worden, die gemeinsam ihre kleine Tochter sexuell missbraucht und dabei fotografiert und gefilmt hatten.

Sexueller Missbrauch von Kindern ist im Märkischen Kreis keine Seltenheit. 574 Fälle wurden seit 2010 aktenkundig. Hinter jedem Fall steht das Schicksal eines Kindes. Die Dunkelziffer ist nicht bekannt.

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