Der Artenschutz entscheidet über die Kletterwand

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Eine Wand des Steinbruchs am Hülloch könnte ein Treffpunkt für Kletterer werden. Doch vorher muss eine Artenschutzprüfung erfolgen, die derzeit läuft. 

Kierspe - Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis der erste Kletterer die Steinbruchwand am Hülloch durchsteigen kann. Nach Informationen von Markus Pempe aus Kierspe hat der Deutsche Alpenverein (DAV) mittlerweile die geforderte vereinfachte Artenschutzprüfung in Auftrag gegeben. Von dem Ergebnis hängt ab, ob Kletterfreunden der Zutritt gewährt werden kann.

Im Rahmen eines Leader-Projektes soll eine Wand des Steinbruchs am Hülloch zum Klettern freigegeben werden. So wurde das den Ratsmitgliedern in Kierspe im Sommer dieses Jahres von den Regionalmanagerinnen Friederike Schriever und Susanne Neumann mitgeteilt. Aus Leader-Mitteln stehen 8000 Euro bereit, um die Wand so vorzubereiten, dass die Kletterer dort ihrem Hobby nachgehen können. So sollen an bestimmten Positionen in der Wand des Steinbruchs Haken gesetzt werden und auf einer Infotafel gibt es Informationen darüber, welche Routen begangen werden können.

Betreut werden soll die Anlage dann später von der Sektion Lüdenscheid des Deutschen Alpenvereins. Markus Pempe, Mitglied des DAV, hatte die Idee zu dem Projekt, kann aber derzeit auch wenig zu einem eventuellen Starttermin sagen. Klar ist aber, dass derzeit eine vereinfachte Artenschutzprüfung läuft, die vom DAV in Auftrag gegeben wurde.

Doch was ist überhaupt eine solche Artenschutzprüfung und wie funktioniert sie? Der richtige Ansprechpartner für die Antwort auf diese Fragen ist Matthias Hattwig. Der Landschaftsökologe ist Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Märkischen Kreis. „Zuerst wird nachgeschaut, welche Tiere generell in der Region vorkommen können. Dann wird geschaut, mit welchen planungsrelevanten Arten gerechnet werden kann“, erklärt Hattwig. Eine Arbeit, die von einem Fachbüro übernommen wird. Letztlich sind es aber dann Biologen und Landschaftsökologen, die die Beurteilung der Situation vor Ort vornehmen.

Da man nicht genau wisse, welche Tierarten im Bereich des Hüllochs leben, müsse man das Gelände für die Prüfung in Augenschein nehmen. Das Augenmerk liegt dabei auf Vögeln, Fledermäusen und Reptilien. Eine Suche nach Amphibien könne unterlassen werden, da es in dem Bereich kein Wasser gebe. Und auch mit Fledermäusen ist zumindest im Hülloch selbst nicht zu rechnen, da dieses verschlossen ist.

Bei den Vögeln können auch leere Nester außerhalb der Brutzeit einen Hinweis auf die Arten geben. „In vielen Steinbrüchen brütet der Uhu. Dabei handelt es sich um einen recht seltenen Vogel, der erst seit rund 20 Jahren wieder in unserer Region anzutreffen ist. Allerdings bevorzugt der Uhu größere Felswände, deshalb rechnen wir im Hülloch nicht unbedingt mit diesem Vogel“, erkklärt Hattwig. Er nutzt den Uhu aber trotzdem, um die Artenschutzprüfung zu verdeutlichen. So habe dieser Vogel bei ähnlichen Vorhaben zu einer Einschränkung der Nutzungszeit geführt. Denn während der Brutzeit soll er nicht gestört werden.

Da trifft es sich für die Kletterer gut, dass der Uhu bereits sehr früh im Jahr brütet. Die anderen Vögel, auf die geachtet werden muss, kommen später, sodass sich April und Mai anbieten, um sowohl die frühen als auch die etwas späteren Brüter ausfindig zu machen. Bei den Fledermäusen reichen nach Einschätzungen von Hattwig am Hülloch Beobachtungen mit großer Sicherheit aus.

Bei Windkraftanlagen sei das aber anders. Dort würde man auf sogenannte Horchboxen-Detektoren zurückgreifen. Mit Hilfe dieser Geräte ist es möglich, den Ultraschall, den die Fledermäuse aussenden, für den Menschen hörbar zu machen. „Bei Reptilien muss man sich schon sehr gut auskennen und auch sehr behutsam vorgehen“, erklärt der Sachgebietsleiter. Die wechselwarmen Tiere lassen sich nach Angaben von Hattwig vor allem in den frühen Morgenstunden ausfindig machen. Dann wären diese noch sehr träge und würden sich von der Sonne „aufwärmen“ lassen. Natürlich müsse dabei auch der eine oder andere Stein vorsichtig umgedreht werden, denn unter diesen suchen gerade Schlangen Zuflucht und Sicherheit.

Grundlage aller Artenschutzprüfungen ist die Bundesartenschutzverordnung (siehe Info-Kasten). Diese hat vor allem an Bedeutung gewonnen, seit dem die Zulassung von Windkraftanlagen enorm zugenommen hat. Doch damit hat auch dieZahl der Büros zugenommen, die die Prüfungen vornehmen dürfen. Hattwig schätzt, dass es von diesen alleine in Nordrhein-Westfalen rund 30 bis 40 gibt.

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