Jugendzentrum: DJ Roughhouse veredelt die Beats

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DJ Keith Roughhouse Powell veredelte die kreativen Ideen der Jugendzentrumsbesucher.

Kierspe - „Passt nicht zum Text!“, „Yeah, das ist cool. Total old school und 90er!“ oder „Viel zu langsam, zu lieb!“ – die Teilnehmer des Hiphop-Workshops im Jugendzentrum urteilten blitzschnell über die Beats, die ihnen DJ Keith „Roughhouse“ Powell vorspielte. Denn zu ihren selbstgeschriebenen Texten mussten am Donnerstagnachmittag auf jeden Fall die perfekten Töne her.

Es war der zweite Termin für die elf Jungen, die im Rahmen der Aktionswoche „Kierspe zeigt Schleife“ an dem Projekt zur Suchtprävention teilnahmen. Und diesmal war mit DJ Roughhouse ein besonderer – und im Musikgeschäft keinesfalls unbekannter – Gast vor Ort, der die Hobby-Hiphopper mit vielen kreativen Ideen und unter fachkundiger Anleitung dem eigenen Song ein ganzes Stück näher brachte.

„Rappt den Text, dass er zum Rhythmus passt“

Auf den Ergebnissen des ersten Treffens am Dienstag (wir berichteten) konnten die Jugendlichen jetzt jedenfalls aufbauen, denn die selbstgeschriebenen Zeilen hingen feinsäuberlich, auf großen Plakaten notiert an den Wänden. Roughhouse, der sein mobiles Tonstudio im Jugendzentrum aufgebaut hatte, spielte den gemeinsam ausgewählten Beat und ließ die Jungen üben. „Probiert es aus. Rappt den Text so, dass er zum Rhythmus passt“, ermunterte er.

Das war gar nicht so einfach, wie sich schnell zeigen sollte. Welche Wörter müssen betont oder langsam ausgesprochen werden? Wo muss man eine Pause machen? Wann kann man Luft holen, ohne dass man aus dem Takt kommt?

An dieser Stelle waren Teamarbeit und die Impulse und Ideen jedes Einzelnen gefragt – und hier und da wurden Wörter auf den Plakaten durchgestrichen und durch passendere ersetzt, bis sie der Sprechgesang-Probe standhielten.

DJ Keith Roughhouse schätzt die Arbeit mit den Jugendlichen sehr, verriet er unterdessen im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die sind so offen für Ideen und kreativ. Man kann musikalische Experimente mit ihnen machen.“ Der DJ ist seit neun Jahren im Auftrag der Ginko-Stiftung für Suchtprävention unterwegs und erschließt die Themen Drogen und Abhängigkeit mit Jugendlichen über die Musik – „die Musik ist zwar nicht der einzige Weg dazu, aber definitiv der beste“, ist er überzeugt. „Eine Welt ohne Musik? Unvorstellbar.“

„Ich habe schon viele Leute wegen Drogen verloren“

Das Thema Sucht begleite ihn schon lange, da er in Jamaica aufgewachsen sei, wo Drogenprobleme immer ein große Rolle spielten, erklärte Roughhouse. „Ich habe schon viele Leute wegen Drogen verloren.“ Das Anliegen, die jungen Menschen aufzuklären, sei auch deshalb umso größer. Doch das ist nicht alles: Roughhouse lebt sozusagen für die Musik und hat damit auch in Deutschland Erfolg. Aufgewachsen in Jamaica als Sohn eines Musikers brachte er sich das Gitarre- und Bass-Spielen selbst bei, arbeitete mit diversen Künstlern zusammen – auch in den USA –, wurde Produzent und kam im Jahr 2000 nach Deutschland. Hier arbeitet er inzwischen mit bekannten Größen zusammen – unter anderem mit den Musikern Max Herre, Gentleman, Samy Deluxe und der Band Die Fantastischen Vier. Und nicht nur im Studio, sondern auch live vor Publikum spielt er liebend gern Bass und singt dazu. Am Rande des Hiphop-Workshops fasste er es so zusammen: „Mit der Musik kann man einfach so viel zum Ausdruck bringen.“

"Kierspe zeigt Schleife": Hiphop-Workshop im Jugendzentrum

Und genau darum ging es auch im Jugendzentrum: Zum Ausdruck bringen, welche Gefühle und äußeren Umstände dazu beitragen, dass jemand in eine Sucht abrutscht. Darüber singen, was Drogen mit Menschen machen. Im Song beschreiben, wie man vorbeugen oder einen Ausweg aus seiner Abhängigkeit finden kann.

Ein ums andere Mal rappten die Teilnehmer dann vor dem Mikrofon, um ihren Sprechgesang aufzuzeichnen, brachen ab, versuchten es noch einmal – und nutzten ab und zu Roughhouses Fähigkeiten am Computer, um ihren gemeinsamen Song zu optimieren. Und diesen Song – mit Gesanganteilen jedes Einzelnen – mischte der DJ noch am Donnerstagabend ab.

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