Das Ende ist nah: Kirche in Rönsahl steht zum Verkauf

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Ernste Gesichter bei den Teilnehmern - die letzte Phase einer Ära hat begonnen.

Kierspe - Die Mitgliederversammlung des Fördervereins St. Engelbert war gut besucht, die Teilnehmer wussten, was auf dem Spiel stand.

Denn der in der Satzung festgeschriebene Vereinszweck besteht im Unterhalt von Kirche und Gemeindehaus – die aber wird es womöglich schon bald nicht mehr geben. Neu ist das nicht, bereits im Jahr 2006 war St. Engelbert zur „weiteren Kirche“ erklärt worden, sollte also aufgegeben werden.

Damals konnte mit dem Bistum Essen eine Gnadenfrist von zehn Jahren ausgehandelt werden. Die ist nun vorbei und die Finanzen der Gesamtgemeinde schon seit längerem auf dem Prüfstand. „Bis 2020 müssen wir 40 Prozent unseres Haushalts einsparen, bis 2030 weitere zehn Prozent,“ erläuterte Pfarrer Thorsten Rehberg in seinem Bericht über den derzeit laufenden Pfarrentwicklungsprozess.

Dass St. Engelbert unter diesen Umständen nicht zu halten sei, war auch den Teilnehmern klar. Horst Becker unternahm zwar einen Vorstoß, ob man nicht zumindest noch weitere zwei oder drei Jahre Aufschub bekommen könne, aber dazu gab es von Rehberg ein klares „Nein“.

Für den Pfarrer stellte sich die Frage anders: „Wie kann die Gemeinde in Rönsahl sein, wenn es kein Pfarrzentrum mehr gibt?“ Eine vorläufige Antwort darauf erhielten die Katholiken schon im November 2015. Damals trafen sich Vertreter von katholischer und evangelischer Gemeinde und vereinbarten, dass die Katholiken nach dem Wegfall von St. Engelbert Gottesdienst in der Servatiuskirche feiern können.

Hubertus Seidel (Zweiter von rechts) wurde als erster Vorsitzender, Georg Seidel (links) als Kassierer wiedergewählt.

Aus dieser werde dadurch keine ökumenische Kirche, stellte Rehberg klar. Wie das Miteinander im einzelnenaussehen könne, müsse geklärt werden. Trotzdem: „Sie haben eine ungemein nette Schwestergemeinde vor Ort, die sich auf so was einlässt. Das stärkt den Standort Rönsahl ungemein.“

Die priesterliche Versorgung sagte Rehberg auch für die Zukunft ausdrücklich zu. Aktuell sind in der Gesamtgemeinde mit einer Größe von 170 Quadratkilometern drei Priester im Einsatz, zwei von ihnen mit halber Stelle. Weniger dürfen es nach Meinung des Pfarrers auch nicht werden.

Wie es jetzt weitergeht mit St. Engelbert? Das bleibt vorläufig unklar, die Gemeinde sucht nach einem Investor, der Kirche und Gemeindehaus einer neuen Nutzung zuführt. Einfach wird das nicht, bekanntlich lässt sich eine Kirche weitaus schlechter vermarkten als andere Gebäude. Von Seiten der Deutschen Bischofskonferenz gibt es dazu klare Vorgaben: Die neue Nutzung müsse mit dem Charakter eines Kirchengebäudes vereinbar sein, kulturelle Zwecke seien kommerziellen vorzuziehen, eine Nutzung durch nicht-christliche Religionsgemeinschaften wird ausgeschlossen. Als letzte Möglichkeit kann eine Kirche auch abgerissen werden, wenn ein Verkauf nicht zustande kommt.

Egal, welche Zukunft St. Engelbert bevorsteht: „Wir wollen keine Bauruine,“ stellte Rehberg klar, die Kirche bleibe „bis zum letzten Tag“ in Nutzung. Vorläufig kümmern sich die Ehrenamtlichen also weiter um den Unterhalt von Gebäuden und Umlage.

Deshalb soll jetzt auch ein Schild auf dem Kirchenparkplatz aufgestellt werden, der die zahlreichen unbefugten Fremdparker darauf hinweist, dass sie ihr Fahrzeug auf einem Privatgrundstück abstellen. Außerdem muss der Vorstand des Fördervereins die Satzung überarbeiten und den Vereinszweck neu definieren. Das soll noch in diesem Jahr geschehen.

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