Fünf Flüchtlinge pro Woche kommen nach Kierspe

Flüchtlinge, die neu in Kierspe ankommen, werden grundsätzlich am Herminghauser Weg untergebracht. Später kann dann ein Umzug in eine Wohnung erfolgen. - Archivfoto

Kierspe - Während im vergangenen Jahr  Syrer die Hauptgruppe bei den Flüchtlingen in Kierspe stellten, zeichnet sich bisher in 2015 ein neues Bild ab. Von den 23 Flüchtlingen, die seit Jahresbeginn kamen, stellen Flüchtlinge aus dem Kosovo mit sieben Neuankömmlingen den größten Teil.

Von Johannes Becker

„Das war anders geplant und gewünscht“, so der Beigeordnete und Kämmerer Olaf Stelse. Eigentlich sollten Menschen aus dem Kosovo, der als sicherer Herkunftsstaat gilt, in den Landeseinrichtungen bleiben und nach einer Ablehnung ihres Asylantrages wieder zurückgeschickt werden.

„Insgesamt haben wir derzeit 119 Fälle im Leistungsbezug“, erklärt Patrick Sgobio, der bei der Verwaltung die Flüchtlinge betreut. Da aber gerade bei den sogenannten Altfällen auch Familien betroffen seien, käme man bei der Stadt auf rund 130 Menschen.

Wie lange die Flüchtlinge die Unterstützung von der Stadt bekommen, hängt vom Einzelfall ab. „Es gibt Syrer, die bekommen nach vier Wochen ihre Aufenthaltserlaubnis, wir haben aber auch Flüchtlinge aus dem Libanon, die seit 2001 hier sind und ihre Leistungen noch von der Stadt bekommen“, führt Sgobio aus. In diesem Jahr hat die Stadt für Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz 430 000 Euro eingeplant und für Krankenhilfe 150 000 Euro. Ob das ausreicht, kann Stelse nicht sagen. „Vor allem bei den Krankheitskosten ist alles möglich. Wir haben einen schwer Erkrankten, auf den allein fast 70 000 Euro für die Behandlung entfallen“, erklärt der Kämmerer. 70 000 Euro ist in diesem Zusammenhang eine wichtige Grenze. Übersteigen die Behandlungskosten in einem einzigen Fall diese Summe, übernimmt das Land die weiteren Kosten. Auch an anderen Stellen gibt es Hilfe vom Land, trotzdem rechnet Stelse in diesem Jahr mit einem Minus von mindestens 428 000 Euro. Vor zwei Jahren waren es noch 341 000 Euro.

Dass die Kosten trotz entsprechender Planung in diesem Jahr höher ausfallen könnten, darauf weisen auch die aktuellen Zuweisungen hin. Kamen im vergangenen Jahr etwa zwei Flüchtlinge pro Woche, sind es in diesem Jahr bereits fünf. Sgobio: „Wobei die Zahlen stark schwanken. So kamen allein in der vergangenen Woche zehn Menschen.“

Aufnahme sollen die Neuankömmlinge in der Anfangszeit weiterhin am Herlinghauser Weg finden. Dort befindet sich die einzige größere Unterkunft im städtischen Besitz. Dort finden maximal 40 Menschen einen Platz. „Diese Unterkunft ist für uns sehr wichtig. Dort sehen wir, mit wem die Flüchtlinge am besten klarkommen. Privaten Wohnraum mieten wir nur für die Menschen an, die bereits einige Zeit hier leben und die wir auch einschätzen können“, erklärt Sgobio. Bei der Anmietung von Wohnungen in Kierspe sieht Stelse keine Engpässe: „Wir sind da in guten Gesprächen mit dem Bauverein und privaten Vermietern. Es gibt durchaus noch Kapazitäten.“

Entlastung erfahre man bei der täglichen Arbeit auch durch den Runden Tisch und die gute Zusammenarbeit mit Karin Schmid-Essing, so Sgobio. Wobei auch die Stadt versuche, den Neuankömmlingen das Leben etwas leichter und abwechslungsreicher zu gestalten. So gebe es die Möglichkeit, dass die Flüchtlinge für die Stadt oder einen anderen Träger gemeinnützige Arbeit verrichten könnten. So setze die Verwaltung zwei Leute regelmäßig ein, vor allem mit erfahrenen Bauhofmitarbeitern. Andere könne man zumindest gelegentlich beschäftigen. Wobei es dabei eher darum geht, dem Tag eine Struktur zu geben, denn viel verdienen lässt sich nicht, da das Gesetz das „Einkommen“ regelt. 1,05 Euro dürfen pro Stunde gezahlt werden.

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