Coronakrise für Musiker

Musikkultur ist angeschlagen: Proben kaum möglich

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Betroffen ist auch High Vol(u)me, eine der Bigbands der Musikgemeinschaft Kierspe.

Kierspe/Meinerzhagen - Die Musikkultur in Meinerzhagen und Kierspe ist deutlich angeschlagen. Durch die Corona-Krise sind beispielsweise Proben schlecht oder gar nicht durchführbar.

Der Fanfarenzug Meinerzhagen probt seit Mitte März nicht mehr. Die letzte Probe und damit auch das Aufeinandertreffen der Musiker fand am 12. März statt – dann kam der große Lockdown. „Seither beobachten wir die aktuellen Verordnungen regelmäßig und prüfen diese stetig darauf, ob und wie wir unseren Probenbetrieb wieder aufnehmen können“, erklärt Theresa Halbe, Geschäftsführerin, „zuletzt sahen wir uns auf einem guten Weg, die Verordnungen ließen das gemeinsame Proben unter diversen Auflagen zu“. Aus diesem Grund wurde vom Fanfarenzug auch vor zwei Wochen bereits ein „ausgiebiges Hygienekonzept“ erarbeitet. Dafür wurden Informationen eingeholt, wie unter anderem die Größe des Probenraums, ein Bestuhlungsplan wurde erstellt und das Konzept – zwecks Freigabe – an die Stadt Meinerzhagen gesendet. „Gerne hätten wir unseren Probenbetrieb am 18. Juni wieder aufgenommen“, hatten sich die Musiker des Fanfarenzugs darauf gefreut, wieder gemeinsam Musik zu machen.

Auch die Stadt hätte das Hygienekonzept, welches alle bisherigen Verordnungen berücksichtigt hätte, freigegeben – allerdings kamen in der vergangenen Woche neue, strengere Verordnungen heraus. Danach müssten die Trichter der Instrumente – trotz Einhaltung des Mindestabstands – bedeckt und Schutzwände zwischen den Musikern aufgestellt werden, erläutert die Geschäftsführerin.

„Das alles nimmt nicht nur die Freude an der Musik, sondern die Beschaffung von Schutzwänden stellt für unseren Verein auch einen erheblichen finanziellen Aufwand dar“, zeigt sich Theresa Halbe enttäuscht. Denn durch den von der Corona-Pandemie verursachten Ausfall aller Veranstaltungen, fehlten dem Fanfarenzug die Einnahmen durch die Auftritte. Es werde nicht möglich sein, die finanzielle Belastung durch die Anschaffung von Schutzwänden zu stemmen. „Das schließt eine Probenaufnahme für uns somit aus.“

„Auch eine Probe im Freien haben wir angedacht und angefragt, werden es jedoch nicht umsetzen können“, erklärt Halbe weiter. Denn der Verein wäre dafür verantwortlich, dass sich bei solch einer Probe im Freien kein Publikum bildet. Denn sonst drohten Strafen – und die stellen ein großes finanzielles Risiko dar. „Daher haben wir uns dazu entschlossen, die Sachlage weiter im Auge zu behalten und unseren Probenbetrieb vorerst weiterhin ruhen zu lassen“, erklärt Halbe. Wenn Mitte dieses Monats neue Verordnungen herauskommen, will sie der Fanfarenzug neu bewerten. Wobei der Vorstand natürlich hofft, „dass wir unser Vereinsleben schnell wieder aufnehmen können“.

„Die Musikkultur ist eindeutig angeschlagen“, sagt Clemens Wieland, Vorsitzender der Musikgemeinschaft Kierspe. Er spricht von „nicht realisierbaren Zugangsmöglichkeiten“. Denn das Hygienekonzept, das vom Vorstand in der vergangenen Woche aufgestellt wurde, ist schon wieder hinfällig – bedingt durch die verschärften Auflagen, von denen der Vorstand ein wenig überrascht wurde. Abgesehen von den Beschaffungsmöglichkeiten von Acrylplatten und Schutzhauben für die Trichter der Blasinstrumente bezweifelt Wieland, dass das Musizieren so noch Spaß macht. Und er macht auf ein weiteres Problem aufmerksam.

Musik habe sehr viel mit Hören und Fühlen, mit Emotionen zu tun. Das sei aber kaum möglich, wenn die Musiker weit auseinander stehen, gegen eine Acrylwand spielten – weil sie in einer Art Kasten sitzten – und dann noch eine Schutzhaube auf ihrem Instrument hätten. Man müsste dann eine Tonstudio-Atmosphäre schaffen. „Das ist nicht unser musikalischer Anspruch. Wir müssen darüber nachdenken, ob wir den Probenbetrieb wieder aufnehmen“, deutet Clemens Wieland die Tendenz an, den Probenbetrieb weiter ruhen zu lassen.

Das gelte zumindest für die Bigbands Swingsound und High Vol(u)me, für die der Probenraum im Rathauskeller nicht ausreicht. Dies sei höchstens für Sixx 4 Jazz und die Rockband möglich. Auch im Sitzungssaal des Rathauses könnten, so Wieland weiter, höchstens Satzproben, also lediglich kleine Gruppen, die dasselbe Instrument spielen, stattfinden. Und bei den Änderungen der Schutzverordnung werde, so Wieland nach einer ersten Übersicht, nicht zwischen Innenraum und Außenbereich unterschieden.

Ob also der Innenhof des Rathauses genutzt werden könne, bleibe offen. Wenn die Bestimmungen der Verordnung erfüllt werden, gebe es noch die logistischen Probleme eines Umzugs mit Anlagen und Schutzausrüstungen beispielsweise ins PZ der GSK und die Turnhalle. Das lohne sich dann nur, wenn man einen ganzen Tag als Probe ansetze. Fraglich bleibe, ob dies vor den Sommerferien zu realisieren ist.

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