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Keine Perspektiven: Corona-Frust bei Musikgruppen

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Von: Johannes Becker

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Ein Bild aus besseren Tagen: Früher hatten die Bigbands Swingsound und High Vol(u)me mehrere Auftritte im Jahr. Im vergangenen Jahr wurden alle Konzerte abgesagt.
Ein Bild aus besseren Tagen: Früher hatten die Bigbands Swingsound und High Vol(u)me mehrere Auftritte im Jahr. Im vergangenen Jahr wurden alle Konzerte abgesagt. © Langenscheidt

Während die philharmonischen Orchester in der näheren und weiteren Umgebung große Probleme durch den Impfstatus vieler Mitglieder haben, sind die Kiersper Musiker nahezu alle geimpft. Doch Probleme gibt es auch bei den Menschen, die die Musik als Hobby leben und lieben.

Kierspe - „Musik in Freiheit“ ist eine Initiative der ungeimpften Orchester-Musiker, die auch in den Philharmonien in Siegen und Hagen ihre Anhänger gefunden hat. Mittlerweile gibt es gar Orchester, die in getrennten Bussen zu den Auftritten anreisen. Was zur Zerreißprobe bei den Musikern wird, ist für die Freizeitmusiker kein Problem – sie leiden vielmehr darunter, dass es gar keine Auftritte mehr gibt, für die sich das Proben lohnt.

Musikgemeinschaft

„Bei uns sind alle Musiker mindestens zweifach geimpft“, sagt Clemens Wieland, Vorsitzender der Kiersper Musikgemeinschaft – und spricht damit immerhin für und über rund 60 Musiker, die nicht nur in den Formationen Swingsound und High Vol(u)me auf der Bühne stehen, sondern auch noch in weiteren kleineren und spezialisierten Gruppen.

Bereits seit dem vergangenen Jahr – als nach dem Lockdown der Probenbetrieb wieder losging – gibt es eine Hygieneschleuse vor dem Probenraum, an der sich jeder Musiker die Hände desinfiziert und sich in eine Liste, die der Nachverfolgung dient, einträgt.

Während der Proben wird auf den Abstand geachtet – und wenn erforderlich auch in weitere Räume ausgewichen. „Uns machen ungeimpfte Musiker keine Sorgen, weil es die bei uns nicht gibt. Vielmehr bekümmert uns, dass wir nicht auftreten können. Allein im vergangenen Jahr seien acht geplante Veranstaltungen abgesagt worden – zuletzt der Weihnachtsmarkt in Meinerzhagen, auf den man sich gründlich vorbereitet habe. „Es deprimiert schon sehr, wenn die Ziele fehlen“, sagt Wieland. Für dieses Jahr stehen mit dem Vatertags-Jazz und einem Auftritt im Juni im Hochsauerland bis jetzt noch zwei Veranstaltungen im Kalender der Musikgemeinschaft. „Hoffen wir, dass diese auch stattfinden können“, so der Vorsitzende.

Wieland berichtet aber auch, dass trotz Impfung und Hygienekonzept samt Abstand halten nicht alle Musiker zu den Proben kommen würden: „Einige sind in einem Alter, in dem sie sich selbst schützen möchten, andere haben alte Eltern oder Pflegebedürftige im eigenen Haushalt, die sie nicht gefährden wollen.“

Es sei nun eine große Aufgabe, die Musiker bei der Stange zu halten – für eine Zeit, in der wieder mehr möglich sei und in der auch wieder Auftritte stattfinden könnten.

Spielmannszug

Ähnliche Probleme sieht auch Christian Schwanke, der nicht nur im Löschzug der Kiersper Wehr aktiv ist, sondern als Zugführer auch dem Spielmannszug vorsteht. „Die Motivation ist im Keller, weil wir keine Ziele haben – und nicht mal wissen, wann wir wieder üben können“, sagt Schwanke. Denn im Gegensatz zur Musikgemeinschaft ist die Rückkehr des Spielmannszuges aus der Winterpause erst einmal abgesagt. Diese Entscheidung haben die Wehrleiter auf Kreisebene bei einem Treffen am Montagabend getroffen – und entsprechen damit einer Empfehlung des Landes. Demnach werden die Mitglieder von Kinder- und Jugendfeuerwehr sowie die des Spielmannszuges erst einmal nicht mehr zusammenkommen, um die Einsatzbereitschaft der Wehr nicht zu gefährden. Auch wenn, wie Schwanke mitteilt, nahezu 100 Prozent der Spielleute mehrfach geimpft seien.

„Ich weiß nicht, ob wir ein drittes Jahr ohne Üben und Auftritte überleben werden“, so der Zugführer – das gelte aber nicht nur für den Spielmannszug, sondern auch für die gesamte Jugendarbeit.

Ähnliche Bedenken hat da auch Wieland, der sagt, dass ja auch Freundschaften über das Proben hinaus nur schwer gepflegt werden könnten und viele interne Feste abgesagt werden mussten.

Nicht nur die Ziele fehlen: Es ist vollkommen ungewiss, wann sich die Musiker des Spielmannszuges wieder zu Proben treffen können. 	Archivfoto: Schwanke
Nicht nur die Ziele fehlen: Es ist vollkommen ungewiss, wann sich die Musiker des Spielmannszuges wieder zu Proben treffen können. © Schwanke

Bläserklassen

Geübt wird auch an der Gesamtschule, wo die Bläserklassen ebenfalls schwierige Zeiten hinter sich haben. Und mit dem Auftritt beim Weihnachtskonzert im Pädagogischen Zentrum vor einigen Wochen hatten die musikalischen Schüler auch ein Ziel, auf das sie hinarbeiten konnten.

Um möglichst viel Sicherheit zu gewährleisten, müssen sich die jungen Musiker nicht nur an den üblichen drei Tagen in der Schulwoche testen, sondern auch jedes Mal, wenn sie sich zu Proben treffen, die auf einen Tag fallen, an dem kein Routinetest geplant ist.

Impfen als Verpflichtung sei für die Bläserklassen kein Thema, da das Schulministerium klar geregelt habe, dass alle Schüler an allen schulischen Veranstaltungen teilnehmen können müssen, wie Schulleiter Johannes Heintges mitteilt. „Die Schule hat da keine Möglichkeit, beispielsweise Impfungen für Musiker oder andere Gruppen verpflichtend zu machen“, so Heintges. Er verweist in diesem Zusammenhang auf Schulen in NRW, die im vergangenen Jahr den Plan hatten, nur mit geimpften Schülern auf Klassenfahrt zu gehen. Diesem Ansinnen habe das Ministerium eine klare Absage erteilt.

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