Keine griechischen Staatsanleihen im Depot

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Volksbank-Vorstand Stephan Böhse hält Ratings grundsätzlich für unverzichtbar. ▪

KIERSPE ▪ Die Griechenlandkrise könnte sich schnell zu einer Bankenkrise ausweiten. Haben doch auch und gerade deutsche Banken dem maroden Staat Milliarden geliehen. Unmittelbar davon betroffen ist die Volksbank Kierspe nicht – doch über die von der Bundesregierung ins Gespräch gebrachte Sondersteuer könnte die Bank mit in die Haftung genommen werden.

In Staasanleihen hat die Volksbank Kierspe nicht investiert – und damit auch kein Ausfallrisiko, wenn Griechenland seinen Verpflichtungen trotz Hilfspaket nicht nachkommen sollte. Doch Banken-Vorstand Stephan Böhse sieht trotzdem Risiken für sein Haus: „Wenn es zu einer erneuten Finanzkrise kommen sollte, nützt auch die beste Anlagestrategie wenig.“

Doch auch wenn er dieses Risiko für überschaubar und nicht allzu groß hält, könnte er, beziehungsweise seine Bank, durchaus durch die Krise belastet werden. Überlegt doch die Regierung die Einführung einer Bankenabgabe, über die die Kreditinstitute an dem Hilfspaket beteiligt werden sollten.

„Das ist sicher gegenüber den kleinen Geldhäusern, die nicht mit dem Griechenlandgeschäft zu tun hatten, ungerecht. Doch letztlich muss jetzt langsam auch klar gemacht werden, wer letztlich für die enormen Schulden aufkommen soll“, so Böhse. Schon einmal, während der Bankenkrise, waren die Banken mit einer Sondersteuer belegt worden, um ein Polster für künftige Bankausfälle zu schaffen. Nachdem es anfänglich so aussah, als ob sich an diesen Kosten auch die kleinen Banken beteiligen müssten, gibt es mittlerweile eine Regelung, nach der nur Kreditinstitute oberhalb einer bestimmten Bilanzsumme einzahlen müssen – und da macht sich die Größe der Kiersper Bank positiv bemerkbar.

Böhse weiß auch, dass es nicht nur Weitblick war, der die Bank vor dem Kauf von Staatsanleihen schützte, sondern die eher geringe Rendite, die bei gut bewerteten – oder auch neudeutsch gerateten – Anleihen zu erwarten war.

In diesem Zusammenhang betont Böhse auch die Bedeutung dieser Ratings, die in den vergangenen Wochen massiv in die Kritik geraten sind: „Die komplette Finanzwelt ist auf diese Ratings ausgerichtet. Nur mit deren Hilfe lassen sich für uns Risiken bewerten.“

Aber der heimische Bank-Vorstand kann auch die Kritik nachvollziehen. Hat er doch erlebt, wie deutlich die Agenturen am Anfang der Finanzkrise danebenlagen. Grundsätzlich hält er aber eine Bewertung von Staaten, Banken und Unternehmen durch unabhängige Kontrolleure für unverzichtbar.

Johannes Becker

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