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Keine Corona-Hilfe mehr: Pflegeeinrichtung fühlt sich im Stich gelassen

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Von: Johannes Becker

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Mit vielen Maßnahmen hat Ralf Ullrich (rechts) versucht, Corona-Virus-Übertragungen in der eigenen Pflegeeinrichtungen zu verhindern. Als es die Einrichtung Anfang Juli hart traf, gab es keine Hilfe aus dem Rettungsschirm mehr.
Mit vielen Maßnahmen hat Ralf Ullrich (rechts) versucht, Corona-Virus-Übertragungen in der eigenen Pflegeeinrichtungen zu verhindern. Als es die Einrichtung Anfang Juli hart traf, gab es keine Hilfe aus dem Rettungsschirm mehr. © Becker, Johannes

Mit einem rigorosen Schutzkonzept in den Pflegeeinrichtungen wurde in der Anfangszeit der Pandemie versucht, dem Corona-Virus Einhalt zu gebieten – auch in den Tagespflegeeinrichtungen. Und mit einem Schutzschirm wurden auch diese Einrichtungen vor einem allzugroßen wirtschaftlichen Risiko abgesichert. Doch diese Zeiten sind vorbei. Wie sich das auswirken kann, musste nun Ralf Ullrich, Chef der Tagespflegeeinrichtung Rat und Tat in Kierspe, erleben.

Kierspe - Anfang Juli waren mehr als 50 Prozent der Gäste, die in der Einrichtung tagsüber betreut werden, und 50 Prozent des Personals an Covid-19 erkrankt. Rund zwei Wochen hielt dieser Ausnahmezustand an. Und während der wirtschaftliche Schaden durch die Erkrankung der Mitarbeiter durch Zahlungen nach dem Infektionsschutzgesetz aufgefangen wurde, blieben Zahlungen für die Gäste aus. Bis zum 30. Juni gab es noch den Rettungsschirm, der Einrichtungen wie die von Ullrich auffing. „Bis zu diesem Datum wurden Mindereinnahmen, die sich aus Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie oder durch an Covid-19 erkrankte Gäste ergaben, ausgeglichen. Das ist jetzt nicht mehr so“, sagt Ullrich. Nach Aussage des Bundesverbandes, so berichtet Ullrich, würden sich derzeit weder die Politik noch die Pflegekassen des Problems annehmen. Auf Rat seines Verbandes setzte sich der Kiersper schließlich mit der für ihn zuständigen BKK Nordwest als Landesverband der Pflegekassen in Verbindung, um auf die Probleme aufmerksam zu machen und auch, um nach einer Individuallösung zu fragen. Ullrich: „Da wurde mir sehr deutlich gesagt, dass es kein Geld gibt. Eine Individuallösung würde man schon aus dem Grund ablehnen, weil ja sonst ein Präzedenzfall geschaffen würde. Das Gespräch endete mit dem Hinweis der Kasse, ich möge mich doch an Bundesgesundheitsminister Lauterbach wenden.“

Risiko liegt beim Betreiber

Was von der Kasse wohl nicht so ganz ernsthaft gemeint war, löste bei Ullrich aus, dass er sich tatsächlich mit dem heimischen Landtagsabgeordneten Gordan Dudas in Verbindung setzte. Dieser wolle, so Ullrich, sich des Themas annehmen.

Wer eine Tagespflegeeinrichtung betreibt, der weiß, dass er jeden Tag von wirtschaftlichen Härten betroffen sein kann. Denn in dem Moment, in dem ein zu Pflegender ausfällt, gibt es auch kein Geld mehr. „Wenn morgens jemand nicht kommt, weil er sich den Fuß verstaucht hat, erkältet ist oder vergessen hat, abzusagen, zahlt die Pflegekasse nichts. Vor der Pandemie konnte ich dann auf eine Warteliste zurückgreifen und für die Zeit des Ausfalls jemanden nachrücken lassen. Doch seit Corona gibt es diese Warteliste im Grunde nicht mehr“, erklärt der Leiter der Tagespflegeeinrichtung, der aber betont, dass es seit Beginn der Pandemie zumindest bei Covid-19-Erkrankungen dann den Rettungsschirm gegeben habe. Ja nach Grad der Pflegebedürftigkeit verliert er mehr als 80 Euro pro Tag und Gast bei einem Ausfall. Können sechs der 13 Gäste, für die Platz in der Tagespflegeinrichtung an der Kölner Straße ist, nicht kommen, dann fehlen fast 500 Euro. Tag für Tag. „Aber darum kümmert sich niemand. Wie lange kann eine Einrichtung so etwas durchhalten?“, fragt Ullrich.

„Alle Mitarbeiter sind vollständig geimpft“

Menschen, die in der Pflege tätig sind, unterliegen der Impfpflicht. Da bildet die Tagespflege von Ralf Ullrich keine Ausnahme. „Alle Mitarbeiter sind vollständig geimpft“, sagt er auf Nachfrage der Meinerzhagener Zeitung. Eine Mitarbeiterin habe sich in der Vergangenheit geweigert, sich impfen zu lassen. Von dieser habe man sich jedoch getrennt. „Neben der Impfpflicht ist es auch mir persönlich wichtig, dass wir alles tun, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Da ist das Impfen sicher ein guter Weg“, so Ullrich. Noch vor Kurzem hätten sich zwei Mitarbeiterinnen eines anderen Pflegedienstes sich beim ihm beworben. Zu einem Arbeitsverhältnis sei es aber nicht gekommen, weil beide nicht geimpft gewesen seien. Bei seinen Gästen, die in der Einrichtung tagsüber gepflegt werden, sieht das anders aus. Für diese besteht keine Impfpflicht – und es gibt nach Aussage von Ullrich nur eine Besucherin, die bisher nicht geimpft wurde. 

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