Praxis von Dr. Christoph Luyken schließt

+
Dr. Christoph Luyken schließt seine Praxis zum Ende des dritten Quartals.

Rönsahl - Nun steht endgültig fest, was Insider schon seit längerer Zeit ahnten und was sich in der „Gerüchteküche“ bereits seit einigen Wochen hartnäckig hält: Mit Ende des dritten Quartals, also de facto ab 1. Oktober, steht der Kiersper Ortsteil Rönsahl ohne ärztliche Versorgung da.

Fakt ist, dass Dr. Christoph Luyken nach jetzt 31-jähriger Tätigkeit seine im Haus Hauptstraße 69 geführte Hausarztpraxis am 30. September schließen und seine bisherige Tätigkeit als Kassen-Vertragsarzt beenden wird.

Dieser Entschluss, so erfuhr die MZ im Gespräch mit dem Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilkunde, sei ihm alles andere als leicht gefallen. Letztendlich habe er sich nach reiflicher Überlegung aber aus mehrfachem Grund dazu durchringen müssen, „Nägel mit Köpfen“ zu machen, nicht zuletzt mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Eigentlich sollte der Schritt erst etwas später erfolgen. Als er sich aber jetzt mit dem unerwarteten Ausfall einer Mitarbeiterin konfrontiert sah, war die Zeit zum Handeln gekommen, so der Arzt.

Er verkenne dabei keineswegs den sozialen und gesellschaftlichen Aspekt, den ein solcher Entschluss für das dörfliche Umfeld und vor allen Dingen seine zum Teil seit vielen Jahren Jahren betreuten Patienten bedeute und bedaure die Entwicklung sehr, vor allem, da auch die vielfachen Bemühungen um eine Nachfolgeregelung fehlgeschlagen seien. Eingeschaltet waren hier unter anderem die Kassenärztliche Vereinigung sowie das Internet, es gab etliche Gespräche mit Kollegen in Rönsahls Nachbarorten mit dem Ziel, gegebenenfalls dadurch die Eröffnung einer Filialpraxis in Rönsahl möglich zu machen.

Luyken macht kein Hehl daraus, dass der Hauptgrund für den Ärztemangel und die mangelnde Bereitschaft der verbleibenden Ärzte zur Übernahme einer Arztpraxis nicht nur speziell auf dem Land Gründe habe. „So lange sich hier nichts Entscheidendes ändert, wird das allmähliche Aussterben der Einzelpraxen weitergehen, weil unter den gegenwärtigen Voraussetzungen kaum noch niedergelassene Ärzte bereit sind, ein solches Risiko auf sich zu nehmen.“

Das allerdings sei kein Naturereignis, sondern beabsichtigte und konsequente Folge einer Planung der Strategen, die eine Umwandlung des Gesundheitswesens beabsichtigen. „Schon seit zwei Jahrzehnten warnen Ärzteverbände immer wieder vor diesem Trend – auch mit verschiedenen Aktionen, die im März 2005 in einer ungewöhnlichen Großdemonstration von Ärzten und Psychotherapeuten in Berlin gipfelte, an der auch mehrere Kollegen aus Kierspe und Meinerzhagen teilgenommen hatten, versucht, die Öffentlichkeit wachzurütteln – leider aber ohne Erfolg. Und so wird es dazu kommen, dass nach der erfolgten Verknappung der Ärztezahlen die Versicherten vermehrt auf Eigeninitiative verwiesen und etliche medizinische Dienstleistungen von Ärzten auf sogenannte medizinische Hilfsberufe verlagert werden, um Kosten zu sparen.“, so Luyken weiter.

Großen Kummer bereitet dem scheidenden Rönsahler Arzt allerdings auch die Tatsache, dass er nach gegenwärtigem Stand der Dinge voraussichtlich nun das letzte Glied in einer langen Kette der Rönsahler Ärzte sein wird.

Er selbst führte diese vermutlich bereits seit mehreren hundert Jahren bestehende Tradition, nach der Rönsahl zu allen Zeiten stets seinen eigenen Dorfarzt hatte, seit dem 2. Juli 1987 fort, als Dres. Luyken damals die Nachfolge von Dr. Große-Dresselhaus angetreten hatten.

Es ist Christoph Luyken und seiner bereits seit geraumer Zeit im Ruhestand befindliche Ehefrau Dr. Irmgard Luyken ein Anliegen, den Patienten für das ihnen entgegengebrachte Vertrauen zu danken – und gleichzeitig darum zu bitten, dass die Patienten in der noch bis zum 28. September in vollem Umfang geöffneten Praxis ihre dort bereitgehaltenen Akten abholen, um diese bei ihrem neuen Arzt abgeben zu können. Abschließend erfolgt der Hinweis darauf, dass die neuen Grippeschutzimpfungen bereits im September in der Praxis verabreicht werden. Auch in Zukunft sollen verschiedene privat zu zahlende Leistungen wie zum Beispiel reisemedizinische Beratungen sowie Schutzimpfungen gegen Gelbfieber – dann allerdings nicht mehr in der offenen Sprechstundenzeit, sondern nur noch nach Terminvereinbarung – durch Luyken möglich sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare