Adler-Apotheke schließt

Kein Apotheker zu finden: Ende Mai ist am Haunerbusch Schluss

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Christiane Karge schließt die Adler-Apotheke zum Ende des Monats, jedoch nicht aus wirtschaftlichen Gründen.

Kierspe - Alle Versuche, die Adler-Apotheke – seit Jahrzehnten sozusagen eine Institution am Haunerbusch – zu erhalten, sind gescheitert. Apothekerin Christiane Karge wird die Apotheke zum 31. Mai dieses Jahres schließen. Nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil sie keinen Apotheker beziehungsweise Apothekerin gefunden hat.

„Wenn eine Apotheke öffnet, muss ein Apotheker da sein“, verdeutlicht Karge die strikten Reglementierungen. Das gilt beispielsweise auch für Urlaubszeiten: „Wenn ich in Urlaub bin, muss ich für eine Vertretung sorgen!“ Eine PTA (Pharmazeutisch-technische Assistentin) genüge nach den Vorgaben der Apothekerkammer nicht aus.

Oder man müsse Betriebsferien anmelden, was wieder Gebühren bei der Kammer verursache. Ebenso schreibe die Kammer vor, dass eine Apotheke spätestens um 9 Uhr zu öffnen und frühestens um 18 Uhr zu schließen hat. „Eine Apotheke ist kein normaler Laden“, weiß Karge, dass dies so gut wie unbekannt ist.

Wie schwierig es ist, eine Apothekerin oder einen Apotheker als Angestellte(n) zu finden, zeigt allein schon der Stellenmarkt der Apothekerkammer Westfalen-Lippe: Dort wurden vor gut zwei Wochen insgesamt 169 Apotheker gesucht, davon alleine drei in Lüdenscheid, weiß Karge. Im Kammergebiet gab es jedoch nur 13 sogenannte approbierte Kräfte, die eine Anstellung suchten. Obwohl die Aussicht, jemanden zu finden, sehr gering war, versuchte es die Kiersperin mit Anzeigenschaltungen in den verschiedensten Medien – ohne Erfolg.

Vorherige Apothekerin nun selbstständig

Vorausgegangen war, dass die einst angestellte Apothekerin eine eigene Apotheke in Kierspe übernommen hat. Aus diesem Grund hatte Karge für eine (zeitlich begrenzte) Vertretung gesorgt: Ein syrischer Apotheker hätte eigentlich die Aufgabe am Haunerbusch übernehmen sollen – doch er bestand er die notwendige Prüfung nicht.

Und eine Wiederholung dieser Prüfung ist nach Auskunft des Prüfungsamts in Düsseldorf erst im September oder Oktober möglich. „Solange kann ich nicht für eine Vertretung sorgen“, erklärt Karge, dass eine kurzzeitige Verlängerung von vier oder vielleicht acht Wochen sicherlich noch machbar gewesen wäre.

Doch die aktuelle Vertreterin für die Adler-Apotheke komme jeden Tag aus Königswinter, sei zudem Mutter von zwei Kindern. Das wäre ihr nicht zumutbar gewesen und sie hätte das wohl auch nicht auf sich genommen.

Kündigung für mehrere Mitarbeiterinnen

Da sich trotz intensiven Bemühens keine Apothekerin beziehungsweise Apotheker finden ließ, musste Karge jetzt die Notbremse ziehen und das Ende der Adler-Apotheke am Haunerbusch für Ende dieses Monats festlegen. „Am 30. Mai werden wir hier das letzte Mal öffnen“, ist sich Karge bewusst, dass viele Kunden darüber nicht erfreut sein werden.

Ob diese und wie viele von ihnen dann zur Apotheke am Wildenkuhlen, die ebenfalls von Karge betrieben wird, wechseln, vermag die Apothekerin natürlich nicht zu sagen. Im Übrigen hat Karge die Apotheke an der Kölner Straße gewählt, weil es dort, im Gegensatz zum Haunerbusch, aktuell keine großen Investitionen zu tätigen gibt.

Darüber hinaus hat die Schließung der Adler-Apotheke zur Folge, dass gleichzeitig sieben Mitarbeiterinnen – von denen einige schon sehr lange dort arbeiten – gekündigt werden musste. In der Apotheke am Wildenkuhlen könne sie derzeit nur zwei Mitarbeiterinnen – eine PTA und eine PKA (Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte) – übernehmen. Die Entwicklung müsse zeigen, ob in Zukunft mehr Personal benötigt wird.

So werde sie auch in Kontakt mit dem Syrer bleiben, der im Herbst seine Prüfung erneut ablegen will. Zudem bestehe der Vertrag zur Versorgung des Awo-Seniorenzentrums mit Arzneimitteln nicht mehr, dieser sei von der Arbeiterwohlfahrt gekündigt worden. Dort würden sogenannte Blisterverpackungen (Kunststoff-Pappe-Verpackungen) verlangt, „das können wir hier nicht leisten“. Denn der Kostendruck – auch durch die Internet-Apotheken – nehme immer weiter zu.

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