Coronavirus in Kierspe: Gewerbetreibende geben auf

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Weder Bauverein noch der Immobilienverwalter Frischholz waren durch Mietminderungen – bis auf einen Fall – betroffen. Allerdings tun sich manche Mieter schwer mit der Begleichung der Jahresabrechnung.

Kierspe – Bis vor Kurzem hatten Mieter die Möglichkeit, ihre Miete mit Hinweis auf Zahlungsprobleme, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurden, stunden zu lassen. In Kierspe machte davon wohl kaum jemand Gebrauch.

„Nein, bis heute hat niemand wegen der Pandemie eine Kürzung vorgenommen“, kann Sedad Keles vom Bauverein berichten.

Auch Thilo Frischholz hat bei weit mehr als 1000 privaten Mietverhältnissen, die von seinem Unternehmen betreut werden, nur einen einzigen Mieter, der seine Zahlungen eingestellt hat.

Generell berichtet der Immobilienvermittler und Hausverwalter von stürmischen Zeiten, die er mit seinem Team in den vergangenen Monaten durchlebte: „Sowohl bei der Vermittlung der Immobilien als auch bei der Vermietung haben wir einen ganz schwachen März gehabt, im April gab es fast nichts zu tun. Im Mai zog das Geschäft dann deutlich an und der Juni gestaltete sich, als habe es nie eine Pandemie gegeben.“

Letztlich habe diese Entwicklung aber ganz gut mit der Personalsituation zusammengepasst. So habe sein Unternehmen einige Erkrankte in der Anfangszeit der Pandemie gehabt – und einige Frauen, die er beschäftige, hätten Zuhause bleiben müssen, um ihre Kinder zu betreuen. Frischholz: „Für diese Mitarbeiterinnen war es aber nicht so einfach, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Doch, da wir nicht so viel zu tun hatten, passte das.“ Letztlich sei man mit dem Abbau von Überstunden und kulante Regelungen aber ohne Kurzarbeit durch die Krise gekommen.

Für einen Teil seiner Kunden gilt das aber nicht. Obwohl man bereits am Anfang der Pandemie das Gespräch mit den gewerblichen Mietern gesucht und diesen bei den Mietzahlungen sehr weit entgegengekommen sei, hätten einige die wirtschaftlichen Folgen der Krise nicht überstanden. „Von rund 90 gewerblichen Mietern, die wir in der Region betreuen, mussten zehn ihr Geschäft aufgeben.

Da sind die Räume auch zum Teil schon wieder zurückgegeben worden. Doch eine Neuvermietung ist in diesen Zeiten nur schwer möglich“, berichtet Frischholz. In einem Gespräch mit der MZ Ende März hatte er berichtet, dass die Immobilienbesitzer sofort bereit gewesen seien, den gewerblichen Mietern, die von der Krise betroffen waren, entgegenzukommen, bis hin zum vollständigen Verzicht. Doch bereits damals zeichnete sich ab, dass das nicht alle retten würde.

Umso mehr freut sich der Kiersper, dass sich die Situation bei den Privatmietern ganz anders darstellt. „Wie gesagt, bei den Mieten hatten wir keine coronabedingten Ausfälle gemerkt, dafür haben wir die Krise dann aber bei den Jahresabschlussrechnungen zu spüren bekommen, die aufgrund der personellen Situation in diesem Jahr später als üblich raus gingen. Wenn da einige Hundert Euro auf der Rechnung standen, haben viele Mieter Ratenzahlung erbeten. Vor allem solche, die bei Automobilzulieferern beschäftigt sind“, erzählt Frischholz und betont, dass sich die Situation sicher ganz anders und viel dramatischer darstellen würde, wenn es nicht das Kurzarbeitergeld gebe.

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