Heinz Holve entwickelt mit Leidenschaft Spiele

+
Im Hand in Hand ist Heinz Holve anzutreffen. Dort spielt er mit den Kindern seine Spieler. Die jungen Mitspieler werden dabei schnell zu unerbittlichen Kritikern.

Kierspe - Spielend sein Geld zu verdienen, das war der Traum von Heinz Holve. Und es gab eine Zeit in seinem Leben, da sah es auch so aus, als würde es klappen. Doch am Ende wurde aus dem Spielentwickler ein Dachdecker. Heute möchte er gerne an Erfolge, die mehr als 40 Jahre zurückliegen, anknüpfen. Aber die Hürden sind hoch.

Seine Kindheit verbrachte der geborene Werdohler Heinz Holve in Hemer. Dort war er mit dem Sohn eines englischen Besatzungssoldaten befreundet. Und während die Familie Holve in der Nachkriegszeit nicht gerade auf Rosen gebettet war, konnte sein Freund auf ein ganzes Arsenal an Spielen zurückgreifen. „Die habe ich dann aus Pappe nachgebaut und mit anderen Freunden gespielt. Später habe ich versucht, diese Spiele zu verbessern“, erinnert sich Holve. Damals wurde der Grundstein für eine lebenslange Leidenschaft gelegt.

Mit 15 Jahren war er dann so weit, dass er eine Spieleidee an die Firma Schmidt-Spiele sandte. Das Konzept überzeugte die Verantwortlichen derart, dass sie den Sauerländer nach München einluden und ihm vorschlugen, dort für sie freiberuflich zu arbeiten. „Davon wollte mein Vater aber nichts wissen, dass passte so gar nicht in seine Welt.“

Der junge Bursche beugte sich dem Willen seines Vaters, absolvierte eine Lehre zum Dachdecker und ging zur Bundeswehr. Danach gab es aber kein Halten mehr. Mit dem Zug ging es nach München – und damit riss der Kontakt zum Vater ab. In der bayerischen Hauptstadt nahm er das weiter bestehende Angebot an und arbeitete freiberuflich für Schmidt-Spiele. Zu jener Zeit hatte er in einem ehemaligen Hotel ein Zimmer – auf dem Flur wohnten weitere Spieleentwickler. Damals lernte er auch Klaus Teuber kennen, der später „Die Siedler von Catan“ erfand, und zog mit Rolf Kauka um die Häuser. Kauka machte sich unter anderem mit den beiden Comic-Füchsen „Fix und Foxi“ einen Namen. Für Holve lief es in den neun Jahren, die er in München verbrachte, gut, aber nicht ganz so gut, wie er es sich gewünscht hätte.

Insgesamt elf Spiele des Sauerländers schafften es in den Handel, die sich aber heute nicht mehr in den Regalen der Spielzeugläden finden. Und während er als 15-Jähriger für sein erstes Spiel noch einen Pauschalbetrag erhielt, war er nun an dem Gewinn seiner Entwicklungen beteiligt. Drei bis fünf Prozent des Verkaufserlöses bekam er vierteljährlich ausgezahlt. „Vor Weihnachten stiegen die Verkaufszahlen, im Sommer wurde es schon mal eng“, erinnert sich Holve. Rund 1000 Mark blieben den jungen Mann im Durchschnitt pro Monat.

Davon konnte er damals gut leben – an Kranken- und Rentenversicherung verschwendete er keinen Gedanken. Als einen von zwei großen Fehlern bezeichnet er das heute, denn die neun Jahre fehlen ihm heute an der Rente. „Der zweite Fehler war, dass ich das Angebot einer Festanstellung bei Schmidt-Spielen abgelehnt habe.“ Zu groß die Manschetten des gelernten Handwerkers vor den Akademikern, die dann seine Kollegen geworden wären.

Auch wenn Heinz Holve in all den Jahren kein Wort mit seinem Vater wechselte, zu seiner Mutter und anderen Verwandten hielt er Kontakt. Bei einem „Heimaturlaub“ lernte er seine spätere Frau kennen. 1976 heiratete Holve. „Danach war mein Leben als Spieleentwickler beendet“, sagt er heute.

In Kierspe fand er Arbeit als Dachdecker, dort mietete sich die junge Familie eine Wohnung. Vor 20 Jahren erfolgte der Umzug nach Rönsahl, wo Holve als Hausmeister der Märkischen Werkstätten arbeitete. „An die Entwicklung von Spielen war da nicht zu denken.“

Das sollte sich vor fünf Jahren – mit dem Einstieg in den Ruhestand – ändern, denn: „Ideen hatte ich immer genug, manchmal zu viele.“ Auf dem Tisch im früheren Jugendzimmer seines Sohnes stapeln sich die neuen Spiele. Mit Buntstiften ausgemalt liegen sie übereinander, als Spielfiguren dienen Pappmännchen, die auf den Verschlüssen von Saftflaschen stehen. Semiprofessionell, aber immer liebevoll und mit einem Blick fürs Detail. Da gibt es Drachen, die versuchen, ihre Verwandten zu Vegetariern zu machen. Bei einem anderen Spiel müssen Gänse vor dem Fuchs gerettet werden, wobei die Spieler am Anfang gar nicht wissen, wer Fuchs und wer Gans ist.

Rund 200 Stunden investiert er in ein Spiel, „40 bis 50 davon habe ich wohl in den vergangenen fünf Jahren entwickelt.“ Ausprobiert werden die neuen Entwicklungen mittwochs im Hand in Hand und manchmal auch in der Teestube des Gemeindehauses an der Christuskirche. „Kinder sind gute Kritiker, da merkt man sofort, welches Spiel funktioniert und welches nicht. Vor allem darf die Anleitung nicht zu lang sein, die Kleinen wollen nämlich sofort loslegen.“

Der heute 69-Jährige ist überzeugt, dass einige seiner neuen Spiele das Zeug zum kommerziellen Erfolg hätten. „Der Markt hat sich aber komplett geändert. Heute ist alles in der Hand von Ravensburger. Dort kann man nicht einfach ein Spiel hinschicken. Heute muss man seine Idee an eine Agentur senden und 65 Euro ,Bearbeitungsgebühr’ zahlen, aber das kann ich mir bei meiner Rente nicht leisten. Kleinere Verlage böten da vielleicht eine Chance, aber auch zu denen habe ich keinen Kontakt“, sagt er fast ein wenig verbittert.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare