Karl-Peter Dick ist nach Feierabend Landwirt

Sohn Lennart genießt die Zeit mit seinem Vater im Stall.

KIERSPE ▪ Einen Acht-Stunden-Arbeitstag kennt Karl-Peter Dick nicht. 16 Stunden am Tag sind für ihn normal. Er ist Landwirt und Maurer. Sein Milchviehbetrieb ist zu klein, um ihn und seine Familie allein ernähren zu können. Die Doppelbelastung nimmt der Kiersper gerne in Kauf. „Die Landwirtschaft liegt mir einfach im Blut, nie würde ich das freiwillig aufgeben“, erklärt Dick.

4.30 Uhr: Laut klingelt der Wecker von Karl-Peter Dick. Um 5 Uhr beginnt sein Arbeitstag und das nicht nur montags bis freitags; tagein, tagaus, ob Sonn- oder Feiertag, Sommer oder Winter. „Das macht mir nichts aus, ich liebe meine Arbeit“, erklärt er. Der erste Gang führt den Landwirt in den Stall zu seinen Tieren. Seine 22 Milchkühe warten bereits ungeduldig vor dem Melkstand. Knapp zwei Stunden bleiben ihm, um die Tiere zu versorgen. Sechs Kühe können gleichzeitig gemolken werden. Sie stehen dazu in einem „Doppel-Dreier“. „Der Melkstand ist für einen solch kleinen Betrieb hochmodern. Klar, für einen Betrieb mit mehr als 100 Milchkühen wäre er winzig“, erklärt Dick. Der Landwirt investierte in den vergangenen Jahren viel in den Hof. „Die Logistik muss einfach stimmen. Ich muss meine Möglichkeiten optimal ausschöpfen, sonst werde ich hier nie fertig“, berichtet er. So zogen die Kälber beispielsweise direkt neben den Milchküche ein: „Dann sind die Wege zum Tränken der Jungtiere nicht so weit, das spart Zeit.“ Doch ohne die Hilfe seiner Eltern wäre die Arbeit in der kurzen Zeit kaum zu schaffen. Denn neben dem Melken steht auch Füttern und Ställe säubern auf dem Programm.

Um sieben geht er ins Haus. Seine Frau und die drei Kinder warten bereits am Frühstückstisch. „Auf gemeinsames Essen legen wir viel Wert. Hier tanke ich neue Kraft für meinen anderen Job“, so der Familienvater. Jede freie Sekunde mit seinen Kinder müsse er genießen, denn die Zeit sei selten und somit besonders kostbar.

Um 8 Uhr beginnt er seine Arbeit auf der Baustelle. „Ich habe erst eine Maurer-Ausbildung gemacht und dann eine landwirtschaftliche. Uns war immer klar, dass der Hof für einen Vollerwerbsbetrieb in der heutigen Zeit nicht groß genug ist.“ Wenn er gegen 17 Uhr zurück auf den Hof kommt, erwarten ihn wieder die Tiere und der Stall: Füttern, Melken, Wiesen düngen, Reparaturen tätigen und die Rinder auf neue Weiden treiben. „Alles, was hauptberufliche Landwirte über den Tag machen, muss ich morgens oder abends machen. Klar, dass ich Prioritäten setzen muss.“ Ihn ärgern beispielsweise die Spinnweben im Stall oder die Brennnesselecke hinter der Scheune. „Aber dazu fehlt mir im Moment einfach die Zeit. Und so etwas bleibt dann eben auf der Strecke.“

Woher er täglich die Kraft nimmt, zwei körperlich so anstrengende Jobs zu bewältigen, weiß er selbst nicht so genau. „Der Betrieb ist für mich wie ein Motor, der mich antreibt. Es ist ein Traumberuf. Die Tiere, die Natur und natürlich die Maschinen, ich bin froh meinen Kindern so eine Umgebung bieten zu können.“ Und so lange er es ermöglichen kann, möchte er so weitermachen.

„Natürlich haben wir auch hin und wieder Zukunftsängste. Wenn meine Eltern einmal nicht mehr mithelfen oder ich mal nicht mehr so kann, haben wir ein Problem. Daher überlegen wir auch, neue Wege zu gehen. Beispielsweise mit Pferdehaltung oder einer Photovoltaikanlage“, berichtet er. Aber seine Kühe will Karl-Peter Dick nie abgeben, wenn der Arbeitsaufwand auch noch so groß ist.

Lydia Machelett

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