Am Landgericht

Für 17 Jahre: Schöffin gibt Einblick in ihre Tätigkeit

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Karin Derksen war zu Gast bei der katholischen Frauengemeinschaft.

Kierspe - „Ich sollte darauf aufpassen, dass die Strafjustiz die Bodenhaftung nicht verliert“, beschrieb Karin Derksen ihre Aufgabe als Schöffin beim Landgericht Hagen.

17 Jahre war Karin Derksen Schöffin am Landgericht Hagen. Wie sie dorthin kam und was sie dort erlebte, das berichtete sie kurzweilig bei einem Besuch bei der katholischen Frauengemeinschaft. „Früher wurde man als Schöffe von der Kirche, den Parteien oder Vereinen vorgeschlagen“ begann sie ihren Vortrag. „Heute kann man sich auch selber vorschlagen.“

Erst beim dritten Anlauf wurde Karin Derksen eingeladen und zur Schöffin gewählt, das blieb sie dann für 17 Jahre. „Ich bekam damals ein Merkblatt mit vier eng bedruckten Seiten. Viel davon habe ich nicht verstanden“, gestand sie. Der Staat braucht die Schöffen, weil das Gesetzt es vorschreibt, dass der Berufsrichter von zwei Schöffen unterstützt wird, als Volkes Stimme. „Meine erste Verhandlung war auf fünf Tage festgesetzt, es ging um zwei Angeklagte, die viele Autos angezündet haben“, begann sie zu berichten.

Schon zu Beginn der Verhandlung folgt alles einer besonderen Ordnung. Als die Kammer, das waren der Richter und die Schöffen, den Gerichtssaal betraten, standen alle im Saal auf. „Das war für mich staatstragend“, bekannte Karin Derksen. Richter und Schöffen sitzen im Saal erhöht, doch die größte Distanz war für Karin Derksen die Sprache. Anfangs musste sie noch oft nachfragen, was mit dem Juristendeutsch gemeint war. Ihre Fragen traute sich Karin Derksen beim ersten Mal nicht im Saal zu stellen. Die stellte sie erst, als die Kammer unter sich im Beratungszimmer war.

Aufmerksam verfolgten die Frauen der Frauengemeinschaft den Bericht von Karin Derksen.

„Ich hatte Angst mich zu blamieren. Ich wollte nicht als dummes Lieschen da stehen“, gestand sie. „In dieser ersten Verhandlung habe ich viel gelernt, zum Beispiel wie man Autos fachgerecht anzündet und noch Zeit findet zu flüchten.“ „In meinen 17 Jahren als Schöffin habe ich nur einen Typ Täter kennen gelernt. Er war männlich, arbeitslos, hatte ausländische Wurzeln und oft spielten Drogen eine Rolle“, so Derksen.

Nur einmal in ihrer Amtszeit hatte sie es mit einer Frau als Angeklagte zu tun. Zu einem gerechten Urteil zu kommen, sieht Karin Derksen als schwierig an. Dabei fragte sie sich oft, welchen Einfluss die eigene Stimmung oder die persönliche Sympathie auf das Urteil haben. Bei den Richtern hat Karin Derksen solche und solche erlebt. Die meisten gingen auf die Schöffen ein und standen Rede und Antwort.

Doch eine Richterin sprach so schnell, dass ihr niemand folgen konnte. Nach ein paar Versuchen gab es Karin Derksen auf und nickte die Vorschläge der Richterin nur noch ab. „Gerichtsverfahren können lange oder langweilig werden“, auch das hatte sie erlebt. Während man in Spielfilmen oft sieht, dass Zeugen vereidigt werden, kam das in ihren 17 Jahren nicht vor. Ein Aussage würde meistens nicht geändert, auch wenn ein Eid ansteht, war die Auffassung vieler Richter.

„Zwischen meiner Vorstellung von gerechter Strafe und dem, was der Richter für richtig hält, liegen manchmal Jahre“, gestand sie. „Viele Richter haben versucht, das Urteil mit uns zu finden“, bewertete sie als positiv. Alles in Allem war ihre Zeit als Schöffin eine interessante und lehrreiche Zeit, in der sie hofft, zu vielen angemessenen Urteilen ihren Beitrag geleistet zu haben.

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