Kanone bei Kiersper Schützen weiter im Einsatz

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Wenn die Kanoniere des Kiersper Schützenvereins die Kanone zünden, muss ein Sicherheitsabstand eingehalten werden. In einem Radius von etwa 13 Metern um die Kanone dürfen sich keine Personen aufhalten.

Kierspe - Die Betroffenheit über den Unfalltod des Niedermarsberger Schützenkönigs, der beim Zünden des Ehrenschusses zum Schützenfestauftakt durch umherfliegende Trümmerteile der plötzlich berstenden Böllerkanonen getroffen worden war, ist auch bei den Schützen des Kiersper Schützenvereins groß.

Doch während erste Schützenvereine in NRW bereits ankündigten, zunächst auf Böllerschüsse verzichten zu wollen, ist dies für das im August kommende Schützenfest des Kiersper Schützenvereins (KSV) nicht geplant.

"Halten stets alle Sicherheitsvorkehrungen ein"

„Wir haben nicht darüber nachgedacht die Böllerschüsse künftig nicht mehr abzufeuern, weil wir hier in Kierspe stets alle Sicherheitsvorkehrungen einhalten und uns deshalb sehr sicher sind, dass auch in diesem Jahr nichts passieren wird“, sagt Karsten Zachau, einer von drei Kanonieren des KSV.

Schüsse verkünden Entscheidung

Beim KSV wird auf dem Schützenplatz am Hedberg seit 2011 mit drei Salutschüssen aus der Vorlader-Kanone „Grete“ jeweils am Sonntagnachmittag verkündet, dass ein neuer König an der Vogelstange ermittelt ist.

"Sehr, sehr tragisches Unglück"

Über den Todesfall in Niedermarsberg spricht Zachau als „sehr, sehr tragisches Unglück, nachdem wir natürlich alle mit den Betroffenen fühlen“. Selbst gehe er aber am 23. August, wenn das nächste Königsschießen des KSV stattfinden soll, nicht mit einem unguten Gefühl an die Kanone, weil er sich mit seinen zwei Kollegen Timo Beckmeyer und Carsten Kiesewalter gut vorbereitet weiß.

Im Besitz des Böllerscheins

So ist jeder des Trios im Besitz des sogenannten Böllerscheins, den die Kiersper Kanoniere beim Institut für Ballistik und Schießtechnik erworben haben. Zudem wird für die zuständigen Behörden ein Pulverbuch über den Einkauf des für die Explosion nötigen Schwarzpulvers geführt, „und auch die Handgriffe sind bei uns seit Jahren eingespielt“, erklärt Zachau, da das Prozedere immer nach dem gleichen Muster ablaufe.

230 Gramm Schwarzpulver pro Ladung

Geschossen wird die Kanone des Kalibers 70 Millimeter immer mit einer Ladung von 230 Gramm Schwarzpulver und einer Vorladung aus Mehl. Verdichtet wird mit einem Korken. „Autorisiert, die Kanone zu zünden, sind lediglich meine beiden Kollegen und ich. Diese Vorgabe halten wir streng ein. Bei uns dürfte beispielsweise der König keinen Ehrenschuss abgeben“, erklärt Zachau. Rund um die Kanone werde das Gelände zudem weiträumig abgesperrt. „In einem Durchmesser von 25 Metern dürfen sich nur Personen aufhalten, die in Besitz des Böllerscheins sind“, so Zachau.

Vorstellung beim Beschussamt

Vorgeschrieben ist zudem, die Kanone alle fünf Jahre dem zuständigen Beschussamt vorzuführen. Die Kiersper müssen „Grete“ erstmals nach dem Kauf 2011 also im kommenden Jahr in Köln vorstellen.

Fünfmal pro Jahr im Einsatz

Im Einsatz ist die Vorlader-Kanone etwa fünfmal pro Jahr. Neben dem eigenen Schützenfest auch bei befreundeten Vereinen, zur Eröffnung von Festen oder bei besonderen Geburtstagen. Probleme habe es einzig in der Anfangszeit gegeben. „Da hat die Ladung zweimal nicht gezündet. Das ist uns mittlerweile aber seit drei Jahren nicht mehr passiert“, beruhigt Zachau.

Bisher zwei Fehlzündungen

In den vergangenen Tagen sei er als stadtbekannter KSV-Kanonier allerdings von vielen Menschen auf der Straße zu dem Unglück in Niedermarsberg angesprochen worden. „Ich habe viele Gespräche geführt, aber trotzdem freue ich mich weiterhin auf unser Schützenfest, weil ich weiß, dass wir bei den Böllerschüssen alles für die Sicherheit tun werden, was möglich ist“, so Zachau.

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