Kampf gegen „Katzenflut“

Hauskatzen sollten unbedingt kastriert oder sterilisiert werden.

KIERSPE ▪ Tierschützer kämpfen in Kierspe und Umgebung gegen ein wahre „Katzenflut“. Die Tiere vermehren sich sehr schnell.

„Eine junge Katze – eine reine Hauskatze –, sechs Monate alt, sucht einen neuen Freund. Sie ist dreifarbig, schwarz, braun, weiß und sehr schön. Sie kann zu anderen Katzen, ist sehr lieb und an Kinder gewöhnt. Außerdem ist sie stubenrein und verspielt. Weitere Infos über das Tier gibt es bei Susanne Haze, Tel. (0 23 59) 29 04 91 und Ute Pillmayer, (0 23 59) 64 72, vom Tierschutzverein Arche.“ Meldungen wie diese sind in der MZ keine Seltenheit. Doch hinter den scheinbar „banalen“ Sätzen verbirgt sich ein echtes Problem: Auch in Kierspe gibt es zu viele Katzen, die niemandem gehören und die obendrein weder sterilisiert noch kastriert sind.

Solche Tiere vermehren sich unkontrolliert – und der Nachwuchs setzt den Kreislauf fort. In der Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ ist der Fortpflanzung der Hauskatzen ein ganzes Kapitel gewidmet: „Die Katze vermehrt sich vergleichsweise schnell. Eine Katze wirft im Jahr bis zu dreimal Junge. Ein Wurf besteht im Durchschnitt aus vier Jungtieren. Katzen werden etwa im Alter von fünf bis acht Monaten geschlechtsreif. In nur fünf Jahren könnte ein einziges Katzenpärchen so theoretisch mehrere tausend Nachkommen haben, vorausgesetzt alle Jungtiere überleben und zeugen ihrerseits Nachkommen.“

„An mehreren Stellen im Stadtgebiet haben wir Fallen aufgestellt, um wild lebende Katzen einzufangen“, berichtete Ute Pillmayer, zweite Vorsitzende des heimischen Tierschutzvereines, gestern auf MZ-Anfrage. Sie weiß ganz genau, dass geschlechtsreife „Streuner“ Nachwuchs zeugen beziehungsweise bekommen und damit weiteres Leid in die Population der „Samtpfoten“ tragen. Denn: Tiere ohne menschlichen Kontakt haben keine medizinische Versorgung und müssen ihre Nahrung selbst jagen – gerade im Winter ein echtes Problem. Uns was wird aus den eingefangenen Tieren? „Die lassen wir kastrieren, was natürlich viel Geld kostet. Ein Betrag von knapp 100 Euro wird dann pro Katze fällig – obwohl wir beim Tierarzt Sonderkonditionen eingeräumt bekommen“, weiß Pillmayer. Anschließend setzen die Tierschützer die Tiere wieder aus – aber natürlich erst dann, wenn sich die Vierbeiner von dem Eingriff vollständig erholt haben. So ist zumindest sichergestellt, dass keine neue Katzengeneration das Licht der Welt erblickt.

Doch ganz können die engagierten Mitglieder der „Arche“ das Problem nicht in den Griff bekommen. Zu zahlreich ist die Population in der Volmestadt. Ein Beispiel: „In Stöcken sind inzwischen mehr als 15 junge Katzen ausgesetzt worden. Dort haben wir immer wieder Probleme mit herrenlosen Tieren“, weiß Bärbel Höll, Vorsitzende des Kiersper Tierschutzvereines. Doch auch direkt in der Stadtmitte besteht Handlungsbedarf. „In die Falle an der Kölner Straße sind erst jetzt wieder vier Tiere gegangen. Und auch im Bereich Hohenholten und Hüttebruch sind Fallen aufgestellt“, erläutert Ute Pillmayer.

Eine Katze ist ein angenehmes Haustier. „Freigänger“ müssen nicht Gassi geführt werden. Außerdem sind Katzen von Natur aus sehr reinlich. Sie lernen schnell, das Katzenklo in der Wohnung zu nutzen. Dennoch landen regelmäßig Tiere bei der „Arche“. Sie werden einfach ausgesetzt und dann aufgegriffen, oder sie werden von ihren Besitzern abgegeben. So wie neulich, als ein Tier „ausquartiert“ wurde, weil es im Haus eine Vase umgeworfen hatte. „Da kommt man dann schon ins Grübeln“, ist Ute Pillmayer verärgert. „Das ist doch eine Kleinigkeit und mit so etwas muss man rechnen, wenn man sich ein Haustier anschafft“, meint sie. Oft ist auch eine Allergie bei „Herrchen“ oder „Frauchen“ – ausgelöst durch eine Katze – Grund dafür, dass das Tier abgegeben wird. „Manchmal kann ich diese Argumentation aber nicht wirklich glauben“, hat Pillmayer Zweifel. So oder so – die Funktionärin des Tierschutzvereines rät allen Menschen, vor der Anschaffung eines Haustieres genau zu überlegen. Bei Katzen gibt es für sie auch keine Alternative zur Kastration: „Wir wollen doch keine privaten Katzenzuchten aufmachen.“

„Je hilfloser ein Lebewesen ist, desto größer ist sein Anspruch auf menschlichen Schutz vor menschlicher Grausamkeit.“ Dieses Zitat von Mahatma Gandhi steht auf der Internetseite des Tierschutzvereines Arche. Um helfen zu können, benötigt die „Arche“ aber Spenden. Wer die Arbeit des Vereines unterstützen möchte, kann seinen Beitrag auf das Konto 9007964, BLZ 45851665, bei der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen überweisen. ▪ Jürgen Beil

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