1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Kierspe

(Kalender-)Reise in die Kiersper Geschichte

Erstellt:

Von: Johannes Becker

Kommentare

Auf einem Gemälde, das sich im Besitz der Erben der Familie Reinighaus befindet, ist Haus Isenburg in seinem Bauzustand des 19. Jahrhunderts zu sehen. Damals führt die Straße noch hinter dem Gebäude entlang.
Auf einem Gemälde, das sich im Besitz der Erben der Familie Reinighaus befindet, ist Haus Isenburg in seinem Bauzustand des 19. Jahrhunderts zu sehen. Damals führt die Straße noch hinter dem Gebäude entlang. © Privat

Älteren Kierspern ist das Haus Isenburg sicher noch als Gebäude des Müttergenesungswerks in Erinnerung, den meisten aber wahrscheinlich als Galerie und Wohnsitz der Familie Schröder. Doch wie der neue Kalender von Stadtwerken und Sparkasse zeigt, blickt das historische Gebäude auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurück.

Kierspe - Ortsheimatpfleger Ulrich Finke ist ganz begeistert als er im Sitzungssaal der Stadtwerke im Rahmen der Kalendervorstellung von Haus Isenburg berichtet. Erste Aufzeichnungen erwähnen das Gebäude bereits um 1700. Damals reichten die Besitzungen von Varmerter Holz bis Eickener Mühle – und die Zufahrt lag auf der Rückseite des Hauses.

Später gelangte das Anwesen in den Besitz von Johann Peter Reininghaus, der dort eine Brennerei errichten wollte. Als ihm und seinem Bruder Julius dieses 1830 verwehrt wurde, ging er nach Österreich, wo er mit der Mautnerbrauerei reich wurde. Später stellte er dort auch Spiritus, Likör und Essig her. Außerdem erfand Reininghaus die Presshefe.

Stellten den Stadtwerke-Kalender vor: Stephanie König, die den Kalender mit Heimatpfleger Ulrich Finke (rechts) zusammengestellt hat, Andreas Lorenz (2. von links) von der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen und Stadtwerke-Prokurist Christian Lombardi.
Stellten den Stadtwerke-Kalender vor: Stephanie König, die den Kalender mit Heimatpfleger Ulrich Finke (rechts) zusammengestellt hat, Andreas Lorenz (2. von links) von der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen und Stadtwerke-Prokurist Christian Lombardi. © Becker, Johannes

Nachfahren von Reininghaus bewohnten indes immer noch Haus Isenburg, dass aber um 1880 so verfallen war, dass sie in ein anderes Wohnhaus zogen. Um 1900 versuchten diese Nachfahren erneut eine Brennerei zu errichten, gelungen ist es auch ihnen nicht.

Neben einer neuen Aufnahme, die von Stephanie König stammt, die auch den Kalender zusammengestellt hat, gibt es auch die Abbildung eines Gemäldes des Hauses. Diese wurde Finke von den Erben Reininghaus für den Abdruck überlassen.

„Der 19. Kalender ist der dritte, der wieder Alt gegen Neu stellt. Nachdem wir uns für diese Art des Kalenders entschieden haben, ist das Interesse wieder deutlich größer geworden“, freut sich Stadtwerke-Prokurist Christian Lombardi.

Während man bis in den August blättern muss, um Haus Isenburg zu entdecken, muss man nur einmal umschlagen, um zum Tannenbaum zu gelangen. Der Tannenbaum, wie der Schlagbaum damals wohl genannt wurde, fand seinen Ort, nachdem die neue Straße entlang der Volme Ende des 19. Jahrhunderts fertiggestellt wurde. Neben der Zahlstelle wurde das Gasthaus „Zum Tannenbaum“ errichtet, in dem sich neben der Wirtschaft auch einfache Übernachtungsmöglichkeiten fanden – später dann auch eine Tankstelle. Später gab es dort eine Zweigstelle der Sparkasse und ab Mitte des vorigen Jahrhunderts bewirteten Christel und Horst Finke dort ihre Gäste.

So sah die Geschossfabrik der Firma Dr. Deisting einst aus. Heute fertigt dort das Unternehmen MPK.
So sah die Geschossfabrik der Firma Dr. Deisting einst aus. Heute fertigt dort das Unternehmen MPK. © Privat

Lange wird das Haus nicht mehr an die Geschichte des Ortes und der Straße erinnern, soll es doch einem Kreisverkehr weichen, der die Verkehrssituation im Kreuzungsbereich entspannen wird.

Das Kalenderblatt von Oktober erinnert an die dunkle Seite der Firma Dr. Deisting, wie es Ulrich Finke formuliert. Denn auf Geheiß des Regierungspräsidenten wurde dort 1914 eine Geschossfabrik errichtet. Später – ab 1934 – stand dort eine der größten Bakelitpressen mit einer Presskraft von 500 Tonnen. Darauf wurde unter anderem das Armaturenbrett für einen DKW gefertigt.

Schaut man sich über der historischen Aufnahme das Foto von König an, wird man Ulrich Finke zustimmen, der anmerkt: „Schöner sind die meisten Gebäude im Laufe ihrer Geschichte nicht geworden.“

Der Kalender

In einer Auflage von 1000 Stück liegt der Kalender ab sofort in den Kiersper Sparkassen und im Foyer der Stadtwerke aus. Der Kalender wird kostenlos an Interessierte abgegeben.

Auch interessant

Kommentare