Kämmerer kennt die Verwaltung von Lehre an

Für den Kiersper Kämmerer Martin Gebhardt geht nächste Woche ein bewegtes Arbeitsleben zu Ende. Im Verwaltungsdienst machte er viele Erfahrungen, schöne wie schlimme.

KIERSPE ▪ Der Kiersper Kämmerer Martin Gebhardt geht Ende der nächsten Woche in den Ruhestand. Am Dienstag wird er nach der Ratssitzung verabschiedet. Heute blickt er zurück auf mehr als 40 bewegte Jahre im Verwaltungsdienst mit schönen und schlimmen Erfahrungen.

Schon in der Zeit von 1981 bis 1985 war Martin Gebhardt in der Verwaltung erstmals für Finanzen verantwortlich, denn da war er in der Bauverwaltung als Sachbearbeiter und stellvertretender Abteilungsleiter zuständig für den Bereich der Beiträge und Gebührenhaushalte. So richtig in die Materie einsteigen musste er dann aber, als er im Jahr 2005 Kämmerer wurde. Es war für ihn wie ein Sprung ins kalte Wasser, denn Gebhardt, der nach der Ratssitzung am kommenden Dienstag im Rahmen einer Feierstunde offiziell verabschiedet wird, weil er in den Ruhestand tritt, übernahm diesen Aufgabenbereich in der Umstellungsphase vom alten kameralistischen Rechnungswesen aufs neue kommunale Finanzmanagement, das sich an betriebswirtschaftlichen Grundsätzen orientiert.

Menge Arbeit durch NKF-Einführung

Auf ihn wartete in den folgenden Jahren ein Berg an Arbeit, mussten doch nicht nur die Haushaltspläne angepasst, sondern auch für die Eröffnungsbilanz das gesamte städtische Vermögen erfasst werden. Aber der Kämmerer gewann schnell die Akzeptanz aller Fraktionen, die es zu schätzen wussten, wie souverän er sein neues Aufgabengebiet beherrschte. Wenn Gebhardts Arbeit am Dienstag nochmals gewürdigt wird, wird zuvor im Rat über den letzten Haushalt, der seine Handschrift trägt, abgestimmt worden sein. Er bedauert, dass es ein Etat ist, der aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise von einem hohen Defizit geprägt ist, was aber, wie alle wissen, nicht in der Hand des Herrn der Zahlen im Rathaus am Springerweg lag. Neben seinem Kämmereramt war Gebhardt außerdem Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und musste immer einspringen, wenn dieser verhindert war. Diese Aufgabe als Vertreter des damaligen Stadtdirektors hatte er auch schon 1996 und 1997.

Ein Vorteil Gebhardts war es, dass er zahlreiche Mitarbeiter im Rathaus seit vielen Jahrzehnten genauso kannte wie natürlich die Strukturen der Kiersper Verwaltung, in der er, von der Lehre in den Jahren von 1964 bis 1967 angefangen, bis auf wenige Zeiten in anderen Verwaltungen groß geworden ist. Seine ersten Aufgaben als frischgebackener Verwaltungsangestellter nahm er im Haupt-, Schul- und Kulturamt in einer Zeit wahr, als Kierspe gerade den Entschluss fasste, die zuerst geplante evangelische Hauptschule und die katholische Hauptschule in eine der ersten Gesamtschulen im Land umzuwandeln. Die beiden Türme waren eigentlich als Hauptschulgebäude gebaut worden, als dann 1969 der Startschuss fiel.

Abschied von den

Zwergschulen

„Bei der Kiersper Verwaltung habe ich auch die Auflösung der Zwergschulen in Mühlen-Schmidthausen, Berkenbaum, Bollwerk und Vornberg miterlebt“, denkt er heute an seine ersten Jahre zurück. Zu seiner Lehrzeit war damals noch Otto Ruhe Gemeindebürgermeister. Denn damals gab es noch die Gemeinde Kierspe sowie die Ämter Kierspe und Rönsahl. „Amtsbürgermeister war in Kierspe Heinz-Willi Potthoff und in Rönsahl Arthur Voswinkel sowie Gemeindebürgermeister Helmut Lemmer“, erzählt Gebhardt.

Er erlebte während seiner Dienstzeit noch zwei andere Bürgermeister mit Marli Fricke und Jochen Timpe, der dann 1999 auch der erste hauptamtliche Bürgermeister Kierspes wurde. Doch arbeitete Gebhardt zuerst unter Stadtdirektoren wie Wolfgang Barthold, der 24 Jahre im Dienst war, von 1974 an Helmut Brockmeier, ab 1987 Manfred Lipphardt, ab 1994 Heinrich Hüther und dann folgten die hauptamtlichen Bürgermeister Timpe und ab 2004 Frank Emde.

1975 Gründung des

Märkischen Kreises

1970 legte er in Hagen seine erste Prüfung für Angestellte im kommunalen Kassen- und Verwaltungsdienst ab und 1974 die zweite Prüfung. Als Anfang der siebziger Jahre in der Kiersper Verwaltung ein eigenes Schulamt eingerichtet wurde, wurde Dieter Reinecke dessen Leiter. Kurt Keune, der als Leiter des Kiersper Bauverwaltungsamtes bei der Bewerbung um die Kiersper Beigeordnetenstelle Dr. Wolfgang Ligges knapp unterlegen gewesen war, wechselte danach zum Kreis Lüdenscheid und wurde 1972 dort Leiter des Schulamtes. Martin Gebhardt folgte ihm 1973 und arbeitete in Lüdenscheid als Sachbearbeiter und stellvertretender Leiter im Schulamt. Gebhardt, der bis 1978 beim Kreis blieb, schildert. „Es war eine spannende Zeit, denn 1975 wurde der Märkische Kreis gebildet.“

Aber er bekam auch in Kierspe richtungsweisende Entwicklungen mit: Neben der Gesamtschuleinrichtung waren es die kommunale Neugliederung 1969 und die Stadtwerdung. „1966 wurde zudem das Hallenbad eingeweiht und dann erneut Ende der neunziger Jahre nach der erfolgten Renovierung“, blickt Gebhardt jetzt in seinen letzten Tagen im Amt zurück.

Von 1974 bis 1977 absolvierte er nebenberuflich das Studium der Verwaltungswissenschaften an der Akademie in Duisburg, das er mit dem Kommunaldiplom abschloss. Um sich weiterentwickeln zu können, wechselte der gebürtig aus Hamm in Westfalen stammende heute 63-Jährige 1979 als Sachbearbeiter für Personal und Organisation nach Kürten und blieb dort fast zwei Jahre. Bis heute verbinden ihn Freundschaften in Rheinische. 1981 kam er wieder nach Kierspe. Nach seiner Tätigkeit in der Bauverwaltung wurde er von 1986 bis 1995 Leiter des Ordnungs- und Umweltamtes sowie Umweltschutzbeauftragter der Stadt.

Altenlastenbeseitigung

kostete drei Millionen Euro

Als solcher begleitete er viele Bauvorhaben und erstellte den Umweltbericht, der die Situation in Kierspe umfassend erfasste. „In meine Amtszeit fiel auch das Altlastenproblem an der Linckestraße, wo zyanidhaltige Galvanikschlämme der früheren Firma Dr. Deisting gefunden wurden. Die Sanierung kostete den Kreis damals drei Millionen Mark“, denkt Gebhardt an diese schlimme Entdeckung zurück. Vier Brandtote in einem Jahr Ende der achtziger Jahre, darunter zwei kleine Kinder, waren eine weitere schwere Erfahrung, die er im Amt machen musste.

1986 und 1987 machte Gebhardt natürlich auch den Umzug der Verwaltung ins neue Rathaus am Springerweg mit. Endlich war die Zeit, in der die Arbeit in unterschiedlichen Häusern stattfand, vorbei. „Die Zentralisierung der Verwaltung war eine richtige Entscheidung auch im Hinblick auf das Zusammenwachsen der beiden Ortsteile Dorf und Bahnhof“, befindet Martin Gebhardt, der heute außerdem nehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht in Iserlohn ist und Mitglied des Aufsichtsrates des Bauvereins. Von 1996 bis 2004 war er dann Leiter des Fachbereichs Ordnung, Umwelt und Soziales.

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