Pohl: „Aus Köln komme ich gerade“

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Die Besucher im Feuerwehrgerätehaus hatten sichtlich Spaß an dem Gehörten und Gesehenen.

Kierspe - „Es ist ja kein Geheimnis: Kabarettisten testen ihr neues Programm in der Provinz. Wenn es da funktioniert, gehen sie in die Kulturmetropolen.“ Doch Kalle Pohl wäre nicht Kalle Pohl, wenn er die aufkommenden johlenden Rufe in Vollme nicht abrupt unterbrechen und in herzhafte Lacher verwandeln könnte: „Aus Köln komme ich gerade!“

Am Freitag avancierte das Feuerwehrgerätehaus in Kierspe-Vollme zum Mittelpunkt der kulturellen Unterhaltung. Kalle Pohl und sein kleines Publikum gaben sich gegenseitig, was einen gelungenen Kabarettabend ausmacht: lockere, spitzfindige Pointen auf der einen Seite, schallende Lacher und Applaus auf der anderen.

Dabei zog der „Hauptathlet des Abends“, wie ihn Ludger Heitmann ankündigte, der vor zehn Jahren als Schmölen Jochen die Reihe „Comedy meets Feuerwehr“ eröffnete, alle Register. Immerhin verfügt der Merzenicher über 35-jährige Bühnenerfahrung (wenn man die ersten Auftritte im Alter von neun Jahren in der elterlichen Garage mal außer Acht lässt) und natürlich reichlich Lebenserfahrung, quasi vom Dorffotografen zur Smartphone-Knipserei.

Kalle Pohl wusste sein Publikum gut zu unterhalten.

In seinem neuen Programm „Selfi in Delfi“ nimmt er nicht nur die unbeholfene Generation Smartphone (und da vor allem junge RTL-Zuschauer) auf die Schippe, die zur Bedienung desNachwuchses ein in leichtverdaulichem Fachhandbuchdeutsch geschriebenes Manual braucht, „oder noch besser: eine App, die das Baby scannt und sagt: Windel voll oder Bauch leer“, sondern hat auch immer seine Verwandten an seiner Seite. Blitzschnell schlüpft Kalle Pohl in die Rolle seines etwas minderbemittelten Vetters Hein Spack, dessen poltrige Erklärungen gerne mit einem „Dumm Sau“ enden, um dann gleich darauf im Dialog mit seiner von drei Männern durch frühen Tod verlassenen Tante Mimi über echte Männer und Waschlappen zu diskutieren. Zu welcher Kategorie Hein Spack gehört, sei dahingestellt, zumal er im Zwiegespräch mit dem TV-Fachverkäufer auf der Suche nach einem „schwarzen Kabel mit Nubsis“ klein beigeben muss und im „Drecksnest Delphi“ von einem Reisebegleiter mit ähnlich arroganter Art nicht zum gesuchten Strand, sondern zum Orakel („Ich will keinen Tintenfisch!“) geführt wird.

Zwischendurch greift der „körperlich kleine, aber im Kopf ganz große“ Mann (so Ludger Heitmann) immer wieder zum Akkordeon und lässt verlauten „Nobody is perfect“. Den Song über Animateure singen die Besucher lauthals mit, auch wenn Instrument und Liedart nicht zusammenpassen: „Ja ja, ich weiß: Reggae mit Akkordeon ist wie Kiffen mit Schokoladenzigaretten.“ Der zweite Griff geht zur Bauchrednerpuppe Schaf, das dem Kabarettisten jedoch Widerworte gibt mit dem Hinweis, er könne gar nicht bauchreden – ganz im Gegensatz zu ihm selbst.

Mit donnerndem Applaus forderte das Publikum, das von Kalle Pohl ebenso begeistert war, wie andersherum, seine Zugaben ein.

Kabarettist Kalle Pohl zu Gast im Feuerwehrgerätehaus Vollme

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